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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-05-04 · Heft 19 (4.5.1886) · p. Seite 302

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 19 (4.5.1886)
Date
1886-05-04
Page
Seite 302 (sequence 14)
Language
German
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302 gen Förderer dieser Unternehmungen pries, vr. Kayserling's Thätigkeit als Lehrer der jüdischen Präparandenanstalt würdigte Herr vr. Kroner, der Vorstand des Seminars. Dazwischen fielen declamatorische Vorträge der Schüler, deren stoffliche Auswahl sich möglichst dem besonderen Festtage angepaßt hatte, und den Schluß der Schulfeier bildete abermals ein Gesangsvortrag. Die erwachsenen Theilnehmer der Festlichkeit vereinigte Abends ein Banket in Spanier's Hotel, wo noch manches gute Wort der Liebe und Anerkennung für den Jubilar gesprochen wurde. Möge diese Feier dem Herrn vr. Kayserling eine Erquickung und Stärkung sein, die ihn mit neuer Kraft und frischem Muthe beseelt, rüstig weiter zu schreiten auf der freilich mühe- und dornenvollen, aber dabei in noch viel höherem Grade segensreichen Bahn, die er in pflichttreuer Selbstlosigkeit nun schon ein Vierteljahrhundert gewandelt ist. — Man schreibt uns aus Hoppstädten: In der Nacht vom 16. auf den 17. d. M. verstarb plötzlich der Landesrabbiner Benedict Gold mann zu Birkenfeld. Fast 40 Jahre amtirte derselbe im Fürstenthume. Zu der Beerdigungsfeier, die am Rüsttage des Passahfestes stattfand, hatten sich nicht nur Vorstände und Mitglieder, sondern auch eine große Schar der Honorationen von weit und breit eingefunden. Nachdem der Sarg in der Synagoge zu Hoppstädten, woselbst der zugehörige Friedhof liegt, onfgebahrt war, stimmte der Chor mit dem Cantor ein Trauerlied an, und dann schilderte der von den Vorständen zur Abhaltung der Leichenfeier berufene Bez. - Rabbiner vr. Landsberg aus Kaiserslautern in eingehender Weise die Verdienste des Dahingegangen und sein Leben als Mensch, als Familienoberhaupt und als Seelsorger. Die treffliche Rede machte auf die zahlreiche Zuhörerschaft aller Stände und Confessionen einen mächtigen Eindruck. Geboren war der Verstorbene zu Kirchheimbolanden (Pfalz) und erreichte ein Alter von 73 Jahren. Friede seiner Asche! — Iseuilteton. Hil-er aus der LoMistengesehdebatle im deutschen Reichstage. Die „Neckarzeitung" bringt unter obigem Titel interessante Schilderungen, aus welchen wir Folgendes entnehmen, die Verantwortlichkeit für die Richtigkeit dem genannten Blatte überlassend. Nachdem Bebel und der Minister von Puttkammer gezeichnet worden, fährt der Art. fort: „Zwei Höhepunkte hatte der dreitägige Redekampf um das Sozialistengesetz. Der erste war bei dem eben gekennzeichneten Bebel'fchen Bekenntniß zum politischen Meuchelmord. Den zweiten bildeten die schonungslosen Angriffe der Sozialisten gegen den Hvfprediger Stöcker, der dieselben allerdings durch seine Betheiligung an der Debatte herausgefordcrt hatte. Der tiefe Groll der Sozialistenführer gegen Stöcker läßt sich leicht erklären. Abgesehen von allgemein menschlichen Gründen nud abgesehen von der sozialdemokratischen Lehre, die keine Stammes- und Glaubensunterschiede kennt, muß Stöcker ihnen auch noch aus anderen mehr persönlichen Gründen verhaßt sein. Er ist der Gründer der „christlichsozialen Arbeiterpartei," die anfänglich einen tüchtigen Bruchtheil der kleinen Leute Berlins der „rothen Richtung Bebels" entzog. Stöcker predigt in seinen Volksversammlungen den „königlich preußischen Sozialismus," einen „monarchischen Sozialismus" als Schutz und Zierde von Thron und Altar. Also er ist ein Konkurrent um die Gunst der Massen, und er war eine Zeit lang kein unbedeutender Konkurrent, soweit Berlin in Betracht kommt. Dazu kommt sein Antisemitismus, seine Lehre: die rothe Sozialdemokratie internationalen Gepräges sei eine Erfindung der Juden und ein Gegenstück zur jüdischen „goldenen Internationale." Der Gründer der Internationale, Karl Marx, war Jude; der Erfinder der preußischen Sozialdemokratie, F. Lassalle, desgleichen. Der maßgebendste Kopf der heutigen deutschen Sozialisten, W. Liebknecht, ist den Antisemiten zufolge jüdischer Abstammung. Ebenso sind unter den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten verschiedene Juden, wie z. B. der Frankfurter Vertreter Sabor, der Berliner Paul Singer, der Dresdener Kayser. Keine einzige andere parlamentarische Partei hat hier so viel Juden in ihrer Mitte. Es ist also ganz verständlich, wenn hier der Durst nach Vergeltung an Stöcker am stärksten ist, auch bei den nichtjüdischen Parteigenossen. Und der kaiserliche Hofprediger tvurde arg zerzaust, wobei die Sozialisten noch starke Hilfe aus der Deutschfreisinnigen Partei erhielten. Professor Hänel, einer der besten Redner der Linken, der nur die drollige Gewohnheit hat, jede seiner Reden mit einer schauspielerischen Hand- und Kopfbewegung zu begleiten, die so regelrecht wiederkehren, daß die Leute auf der Journalistentribüne sie bei jedem Satz schon vorher sagen können, hatte zu guter Letzt den Herrn Stöcker „einen Bebel der religiösen Intoleranz" genannt, und lauter Beifall hatte diesen Vergleich gelohnt. Nun aber stand Stöcker zornbebend auf und in seiner Herzensnoth sprudelte er gegen Hänel heraus: „Und sie sind der Sabor der Fortschrittspartei." Ein dröhnendes Gelächter begleitete den unerwarteten Witz, der unwiderstehlich komisch wirkte. Denn man denke sich auf

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