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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-05-04 · Heft 19 (4.5.1886) · p. Seite 301

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 19 (4.5.1886)
Date
1886-05-04
Page
Seite 301 (sequence 13)
Language
German
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301 wenn ihnen die erwähnte ministerielle Bewilligung fehlt, selbst dann vor einer Ausweisung nicht sicher, wenn ihr Paß das Visum trägt. Indem wir Sie um geeignete Bekanntmachung vorstehender Verfügung der russischen Behörden ersuchen, benutzen wir gerne den Anlaß, um Sie unserer vollkommenen Hochachtung zu versichern. Bern, den 5. März 1886. Im Namen der schweizerischen Bundeskanzlei, Der Kanzler der Eidgenossenschaft: Ringier." Die Beschränkungen gehen also noch viel weiter, als bisher allgemein angenommen wurde. Bonn, 25. April. (Notizen.) Seine Königliche Majestät haben dem Rabbiner Herz in Göppingen aus Anlaß seines vierzigjährigen Amtsjubiläums das Ritterkreuz zweiter Klasse des Friedrichsordens verliehen. — Der am 4. April im 72. Jahre verstorbene Justizrath Marburg in Altona gehörte der Fortschrittspartei an; der den rechten Flügel der Nationalliberalen vertretende „Hamb. Corresp." war also sein Gegner. Um so nachdrücklicher ist der Nachruf, welchen das genannte Blatt dem Heimgegangenen widmet. Es sagt: "W., einer Familie angehörig, die von je her mit Erfolg bemüht gewesen ist, die ihr zu Gebote stehenden Mittel in wahrhaft gemeinnütziger Weise zu verwerthen, hatte schon in jüngeren Jahren, den Traditionen seiner Familie folgend, seine Dienste der Oeffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Nach dem Ausbruch der Erhebung der Herzogthümer i. I. 1848 vom Altonaer Wahlkreise in die Landesversammlung entsendet, kehrte Marburg nach der Niederwerfung der Herzogthümer in seine Vaterstadt zurück, um die Muße, welche ihm die Ausübung seiner advokatorischen Praxis ließ, in würdigster Weise durch Theilnahme an allen gemeinnützigen und idealen Bestrebungen auszufüllen, bis der im Jahre 1864 eingetretene Umschwung in den politischen Verhältnissen seines engeren Vaterlandes dem unermüdlichen Kämpfer für deutsches Recht und deutsche Sitte aufs Neue gestattete, in die politische Arena hinabzusteigen und sich mit Wort und That an den politischen Kämpfen zu betheiligen. Nach der Einverleibung der Herzogthümer in Preußen wurde dem Dahingeschiedenen aufs Neue Gelegenheit geboten, seine schon früher bewiesene politische Begabung in den Dienst des Vaterlandes zu stellen. Durch das Vertrauen seiner Mitbürger wurde er zum Mitgliede des Abgeordnetenhauses gewählt, und dieses Mandat hatte er bis zum vorigen Jahre inne, zu welcher Zeit zunehmendes Alter und Kränklichkeit ihn veranlaßten, auf eine Wiederwahl zu verzichten. Die große persönliche Liebenswürdigkeit und die bescheidene Unterordnung, welche sich der Verstorbene auferlegte, der kein Verdienst für sich in Anspruch nahm, sondern nur mit stets gleicher Hingebung der Sache dienen wollte, die er zu der seinigen gemacht hatte, versöhnte auch seine politischen Gegner in dem Grade, daß die politische Gegnerschaft nichts an dem herzlichen Verhältniß änderte, in welchem Biele zu dem Verstorbenen standen, die mit seinem politischen Auftreten nicht immer einverstanden waren. Aus diesem Grunde ist es begreiflich, daß die Kunde von dem Hinscheiden dieses wackeren Mannes, des stets bereiten Helfers und Trösters der Armen, des liebenswürdigen Freundes, des verständnißreichen Schützers und Schätzers aller idealen Bestrebungen, allseitig die schmerzlichste Theilnahme erweckt. Sein Andenken wird in Ehren bleiben!" — Aus Hannover wird uns mitgetheilt: Am 8. d. M. feierte Herr vr. S. Kayserling sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Jnspector und Leiter der Meyer Michel David'schen Lehranstalt. Diese Schule ist eine Stiftung des israelitischen Bankiers und Kammer-Agenten Meyer Michael David, der im Jahre 1798 die Summe von 100000 Kassengulden nebst dem Hause Nr. 40 der Langenstraße zum Zwecke des Unterrichts und der Erziehung jüdischer Knaben bestimmte. Seit jener Zeit wirkte die Anstalt in dem unscheinbaren Hause zum großen Segen der ihr überwiesenen Zöglinge. Ihre innere Organisation entspricht derjenigen einer höheren Bürgerschule, da neben den Elementarfächern auch Französisch, Englisch und Mathematik zu den Unterrichtsgegenständen gehören. Die Schüler der Anstalt wenden sich nachdem vorwiegend der Kaufmannschaft, dem Bankgeschäfte oder dem Lehrfache zu; manche setzen auch ihre wissenschaftlichen Studien noch weiter fort, um später als Techniker, Baumeister oder im höheren Lehramte sich ihren Lebensweg zu bahnen. Sämmtliche Schüler der Meyer Michel David'schen Schule erhalten freien Unterricht, im Bedürfnißfalle auch noch Beihülfe zur Anschaffung von Büchern, Kleidungsstücken rc. Die in Rede stehende Jubiläumsfeier, deren Arrangement frühere Zöglinge in dankbarer Erinnerung an die Verdienste des Jubilars übernommen hatten, verlief in feierlichster Weise. Ein Schüler der Anstalt begrüßte den verehrten Lehrer in recht ausdrucksvoll und geläufig vorgebrachter Rede und überreichte zum bleibenden Andenken an diesen Tag ein Gruppenbild des jetzigen Schülerbestandes. Darauf nahm Herr Bankier Deichmann im Namen der ehemaligen Schüler das Wort zu einer vom Herzen zum Herzen dringenden Ansprache, an deren Schluffe er dem Jubilar eine kostbare goldene Remontoiruhr mit schwerer Kette als Ehrengabe der früheren Zöglinge überreichte. Mit warmen Worten dankte Herr J)r. Kayserling für diese Beweise liebevoller Gesinnung. Nun folgte die Verlesung einer Adresse, die dem Jubilar von den Zöglingen des jüdischen Seminars gewidmet wurde, und die Ueberreichung dieser Adresse in geschmackvoller Mappe durch einen der Seminaristen. Im weiteren Verlaufe der wirklich erhebenden Feier haben wir noch zu erwähnen eine Ansprache des Landrabbiners, der namens der hiesigen israelitischen Wohlthätigkeitsvereine den gefeierten Jubilar als einen eifri-

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