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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-05-04 · Heft 19 (4.5.1886) · p. Seite 299

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 19 (4.5.1886)
Date
1886-05-04
Page
Seite 299 (sequence 11)
Language
German
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299 Gemeinden gewiß auch gewährt werden. Nur wo die Gemeinden lau darin sind, mögen die Lehrer selbst die Sache in die Hand nehmen, (wie es auch in K. geschehen) und unverdrossen durchführen, zu ihrem eigenen und der Gemeinde Wohl. Auch mögen die Gemeinden mal beherzigen, daß der Lehrer jedenfalls mit mehr Liebe und Eifer in der Schule wirkt — möge er auch sonst noch so pflichtgctreu sein! — wenn seine Stelle eine dauernde und er nicht alle paar Jahre zu befürchten braucht, seinen Wanderstab weiter setzen zu müssen. Der Schule in K. aber wünschen wir, daß sie wieder das werde (und sie ist auf dem besten Wege dazu), was sie in früheren Jahren war: eine Musterschule. Beiläufig sei noch bemerkt, daß die Schule in K. schon seit 47 Jahren besteht, allerdings unter recht häufigem Lehrerwechsel. Einer ihrer ersten Lehrer, dessen seine Schüler sich noch häufig in Liebe und Anerkennung erinnern, war Herr Anspach, jetzt in Goeh, einer ihrer ersten Schüler. Herr Seminarlehrer A. Treu in Münster. N. R. (Bekanntlich war es Minister Falk, der um der jetzt meist wieder verschwundenen Simultanschulen willen recht viele jüdische Schulen und zwar oft durch Pression beseitigte. Das gegenwärtige Unterrichtsministerium verfolgt die entgegengesetzte Tendenz, und könnten die Gemeinden gegenwärtig leicht für ihre Schulen den Charakter als öffentliche erhalten und dadurch denselben Dauerhaftigkeit und bessere Ordnung verschaffen. Redaktion). Oesterreich -Ungarn. Wien, 22. April. (Privatmitth.) 8. Daß in den antisemitischen Wühlereien und Hetzereien, wie sie jetzt hier an der Tagesordnung sind, die kleine Zahl der Reichen unter den Juden ein Hauptmotiv abgeben, braucht nian nicht erst bemerklich zu machen. Der dadurch erweckte Neid und die angestachelte Begehrlichkeit richten sich gegen alle Juden, als ob' fie Alle an jenem Golkonda Theil hätten, während doch die große Mehrzahl der Juden, und gerade in Oesterreich wie in Rußland, arm, blutarm sind. Aber auch nach einer anderen Seite haben wir an diesen „Reichen" schwer zu tragen. Da sie mit ihren Töchtern so hoch wie möglich hinauswollen, geben sie sie ohne Zaudern zu Mischehen mit — armen Aristokraten her. So kommt nicht bloß ihr Geld, sondern kommen auch ihre Geschlechter in nichtjüdische Kreise. So geben sie nur das Beispiel. Bei der jetzt vorherrschenden Strömung finden die reichen Juden bei der österreichischen Aristokratie keine Unterkunft für ihre Töchter — sie greifen deshalb gern nach — der englischen. Hier ist der englische Rothschild vorangegangen, und was ein Rothschild thut, dem folgt ein Wiener Reicher gern. Zunächst heißt es: das Mädchen läßt sich nicht taufen. Gut — Aber die Kinder? ... So haben wir die Last dieser Reichen zu tragen, und weiter nichts. Was an Brosamen von ihrem Tische für unsre wohlthätigen Anstalten abfällt, können wir allenfalls entbehren. Die Hauptbürde wird doch von der Mittelklasse getragen. Krakau, 22. April. Die Krakauer Handelskammer ersuchte telegraphisch den Grafen Kalnoky, die Sistirung der russischen Verordnung zu bewirken, wonach die galizischen Juden verpflichtet sind, vom russischen Minister des Inneren die Bewilligung zur Reise nach Rußland und Russischpolen sich zu verschaffen, worauf dann erst der Paß vom russischen Botschafter visirt werden kann. — (Man muß erwägen, welche Wichtigkeit für die Grenzbewohner der freie Verkehr hat!) Stryi, 20. April. Die ungeheure Feuersbrunst, welche diese galizische Stadt von ungefähr 45 000 Einw. betroffen hat, brachte unsägliches Unglück über Christen und Juden. Die Synagoge wie die Kirche ist abgebrannt. Bei dem Rabbiner sind 50 000 Fl. Waisengelder, die bei ihm deponirt waren, verbrannt. Die Noth ist unsäglich, da über 7000 Menschen ganz obdachlos geworden. Frankreich. Paris, 23. April. (Privatmitth.) Die Affaire des Journalisten Drumont, der früher Mitredacteur an dem Organe der Herren Perreire gewesen, jetzt aber Mitredacteur des ultramontanen „Monde" ist und das dickleibige antisemitische Pamphlet „La France juive“ verfaßt hat, wirbelt in Paris vielen Staub auf. „Man hat nicht erwartet", sagt die „Inäöp. beige“, „die Streitigkeiten der Semiten und Antisemiten sich bei uns fortpflanzen zu sehen. Zunächst hat Drumont ein Duell mit dem Journalisten Charles Laurent von „Paris" gehabt, und jetzt steht ihm ein solches mit Arthur Meyer vom „Gaulois" und Eugene Meyer von der „Lanterne" bevor. Dies hat aber dem Herrn Drumont seine Demission vom „Monde" eingetragen. Die katholische Kirche — so gut wie das Judenthum und der Protestantismus — verurtheilt das Duell, und die ultramontanen Führer halten sehr darauf, daß Niemand, der unter ihrer Jurisdiction steht, sich duellirt. Beuillot, ehemaliger Chefredakteur des Univers, gab hierin wiederholt das Beispiel, und er hatte oft Gelegenheit hierzu, da er in dem Kampfe gegen seine Gegner keine Schranken kannte. Man muß wohl bemerken, daß es nicht etwa der Antisemitismus ist, den die Herrn Ultramontanen an Drumont tadeln, sondern eben nur das Duell bekämpfen sie, wenn sich einer ihrer Redakteure dazu versteht. Antisemitismus treiben ja auch die ultramontanen Blätter an der Seine seit langer, langer Zeit." — Wir mögen hier nur das Urtheil eines der bedeutendsten Blätter 19*

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