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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-05-04 · Heft 19 (4.5.1886) · p. Seite 297

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 19 (4.5.1886)
Date
1886-05-04
Page
Seite 297 (sequence 9)
Language
German
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297 zum Machsor ed. soncino - casal Maggiore 1485—86. — Von dem sehr bekannten R. Ephraim Salomon Margaliot, der 1828 zu Brody verstorben und von welchem viele Ritualwerke und Rechtsgutachten aus den Jahren 1818—1835 erschienen sind, hat Leiser Margosches iu Lemberg cncx m^iy hrpen nmn no^n by herausgegeben. — Das Streben, unsere alten tradirten Synagogenmelodien im Gewände der modernen Musik zu erhalten und deshalb nicht blos auf ihren musikalischen Werth, sondern auch auf ihre musikalische Gestalt zu prüfen, hat in unserer Zeit bedeutende Fortschritte gemacht. Hierzu rechnen wir auch die eben erschienene mit musikalischen Beilagen versehene Schrift: „Die Tonarten des traditionellen Synagogengesanges (Steiger) ihr Verhältniß zu den Kirchentonarten und den Tonarten der vorchristlichen Musikperiode. Erläutert und durch Notenbeispiele erklärt von Josef Singer, Obercantor der israelitischen Cultusgemeinde in Wien. (Wien, 1886, Em. Wetzlar)." Den Musiktheoretikern wird diese Untersuchung gewiß sehr willkommen sein. — Ein merkwürdiges Erzeugniß der neuhebräischen Litteratur ist: rnru roco zvp üby rwo, nämlich: die deskriptive und topographische Anatomie des Menschen von Dr. Benjamin Scharschewsky, merkwürdig des Gegenstandes wegen, dem sich die neuhebräische Sprache anschmiegen muß, aber auch um des Ortes willen, wo das Buch erschienen — Jerusalem in der Druckerei von A. M. Luncz. (1886.) Die Ausstattung ist ganz gut. — Herr Lion Wolfs in Berlin hat eine „israelitische Haus- und Familienchronik" (Berlin, Cronbach) herausgegeben. In prachtvoller Ausstattung bietet der Verfasser, einleitend durch Gedichte, Denksprüche und „Talmudisches" Blätter zum Einnotiren aller Familienereignisse. Es ist da Raum für eine sehr ausführliche Familienchronik, in allen Phasen der Geschichte einer Familie. Bereits ist die zweite Auflage erschienen. — — — Wir erhalten aus Mailand folgende Mittheilung: „Unter den im Besitz der Antiquariatsbuchhandlung von U. Hoepli in Mailand befindlichen Manuscripten ist auch | ein hebräisches, das fast einen unschätzbaren Werth hat. Dasselbe enthält: Moss ben Maimon. Jad achazackü, und scheint das gleiche zu sein, das seiner Zeit der berühmte Philosoph und spanische Finanzminister Jsak A b a r b a n el. für 30000 Dukaten als aus Maimons Besitz stammend, gekauft hat (laut Koroth ha-jthin Pag. 125). Auf der letzten Seite findet sich nämlich folgendes (hebr.) geschrieben: „Hier in Venezia schreibe ich mit gebrochenem Herzen zur Erinnerung an die gesegneten Tage. Jsak Abarbanel, der kleinste unter den Menschen. Gott helfe. Amen." Das Buch scheint dann bei den Wanderungen der Familie verloren gegangen zu sein und wurde erst im Jahre 1548 von den Enkeln Abarbanels für 300 Dukaten Gold zurückgekauft. Dieses allein bildet aber nicht den Werth des Codex. Der Text bietet soviele Abweichungen von dem Gedruckten, spec. dem der Ausgabe von 1702, daß die meisten Commentare dadurch hinfällig werden, selbst Josef Karo's Schulchan Aruch muß für unrichtig erklärt werden (??). Auch in historischer Beziehung ist das Manuskript äußerst kostbar, da sich darin Daten über das Christenthum finden, die weder in christlichen noch selbst jüdischen Geschichtswerken enthalten sind. Der Fanatismus des 14. und 15. Jahrhunderts hat zwar auch unserem Manuscript geschadet, jedoch nur wenig im Anfang und am Ende sind einige, glücklicherweise unbedemende, Stellen gegen das Christenthum ausradirt, die meisten, wichtigsten und charakteristischsten Stellen für die Kenntniß der Denkungsweise des damaligen Rabbinerthums über das Christenthum und seinen Stifter sind jedoch stehen geblieben. Der Kenner wird aus dieser kleinen Notiz leicht ersehen, von welcher hohen Bedeutung dieses kostbare Manuscript für die Wissenschaft ist." — (Jedenfalls erfordert das Mauuscript noch eine genaue kritische Untersuchung. Redaktion). Deutschland. Berlin, 22. April. Wir haben schon in vor. Nr. Einiges über die von Stöcker betriebene Propaganda gebracht. Noch Weiteres detaillirt folgender Bericht. Es ist nothwendig, daß die Oeffentlichkeit Notiz von diesem Treiben nimmt. Er lautet: Nach und nach stellt sich heraus, daß die Christlich-Sozialen planmäßig bemüht gewesen sind, in der Arbeiterinnenbewegung Fuß zu fassen. Viel Liebe haben sie freilich bis jetzt nicht gewonnen, das bewies gestern der Verlauf einer Versammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen der Arbeiterinnen (des ältesten Vereins), aus dessen Verhandlungen wir einige Punkte herausgreifen. Frl. Jagert führte den Vorsitz. Frau Dr. Hoffmann hielt das Referat. Sie stellte Herrn Stöcker's Liebeswerben folgendermaßen dar: „Tie ganze Sache hat sich eigentlich durch ein Seitenpförtchen bei uns eingeschlichen. Eine Dame, die ich um ihres Wohlrs

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