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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-04-27 · Heft 18 (27.4.1886) · p. Seite 283

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 18 (27.4.1886)
Date
1886-04-27
Page
Seite 283 (sequence 11)
Language
German
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283 Tapolczaf gewählt. Die beiden genannten sind Zöglinge der hiesigen Landes-Rabbiner-Schule. —Der israelitische Almosenkasten in Frankfurt a. M. vereinnahmte im Jahre 1885 Mk. 29 939 zur sofortigen Vertheilung, Zinsen von Legaten und Geschenken Mk. 3805, Mitgliederbeiträge Mk. 12 521 und verausgabte an 448 Familien an vierteljährlichen Gaben Mk. 27 904 und an monatlichen und außerordentlichen Spenden Mk. 28 457. Es mußten demnach aus dem Reservefonds zugeschossen werden Mk. 10095. Außerdem wurden, wie alljährlich, für Rechnung der Mayer S. Hecht'schen Stiftungsadministration an im Ganzen 85 Arme Mk. 671 vertheilt. Für den angegriffenen Fonds wurden gespendet M. 4371, für den Fonds Fr. 1000 4proc. Berner Obligationen und M. 522. Der im vorigen Jahre an die Glaubensgenossen gerichtete Appel zur Hilfe behufs Ueberwindung der finanziellen Schwierigkeiten hat guten Erfolg gehabt. — Bonn, 18. April. (Literarische Notizen.) Funde in Palästina. Mr. Laurence Oliphant, der bekannte Palästina- Forscher, hat am nordöstlichen Ufer des Galiläa-Sees die Ruinen von zwei Synagogen entdeckt. Eine derselben, in einem Orte Namens Kanef gelegen, ist eine vollständige Ruine; die Mauern der anderen stehen noch bis zu einer Höhe von neun Fuß. Letztere Ruine ist in Khurbet-Dar-Aziz, an der nördlichen Abdachung des Wady-Shukeiyef, gelegen. Die Architektur ist einfach. Die jüngst in Jerusalem entdeckte alte Mauer, die vr. Merrill für die zweite Mauer hält. ist bis zu der Länge von 120 Fuß freigelegt worden. Im Laufe der Ausgrabungen wurden viele Ueberbleibsel der zehnten Legion gefunden, darunter eine Inschrift auf einer 15 Fuß unter der Oberfläche Vorgefundenen Marmorsäule. — Im Jahre 1883 stellte der Franzose Naville Ausgebungen in den Ruinen Tell el Waskutha, 14 Kilometer westlich von JsmaÄia also in der Landenge von Suez an. Er fand hier nicht nur die durch altägyptische Inschriften beglaubigten Reste des^biblischen Pithom, welches die Septuaginta (2. Mos. 1, 11) Heliupolis nennen, sondern auch lateinische Inschriften, welche diesen von der Septuaginta hinzugefügten Namen, dessen Identität mit Pithom moderne Gelehrte verworfen, vollständig bewiesen. Hierdurch entsteht aber die Frage, wie Heropolis dem Golf des rothen Meeres den Namen geben konnte, wenn es so tief im Inneren lag. Die Antwort lautet, daß die Gegend im Anfang der gew. Zeitrechnung noch mit Lagunen bedeckt war, mit welchen das rothe Meer noch in unmittelbarer Verbindung stand. Naville hat seine überraschenden Entdeckungen in der Schrift niedergelegt: Egypt Exploration Fund, The Store City of Pithom and the Route of the Exodus. Mit 13 Tafeln und 2 Karten. 2. Aust. London 1885. Wir werden auf dieses Werk zurückkommen. — In den Heften der Revue des deux Mondes vom 1. und 15. März veröffentlicht Ernest Renan eine „Geschichte der Bibel." Sie resumirt nur, und werden wir darauf zurückkonnnen. — Feuilleton. Zur Würdigung eines bedeutenden Mannes. In der am 30. März ausgegebenen Nummer der „Allg. Zeitung des Jud." Seite 213 läßt sich Herr vr. G. Deutsch- Brünn über den jüngst in San Remo verstorbenen und in seinem und meinem Geburtsorte Hlinik mit so überaus großen Ehren bestatteten Herrn Baron Leopold von Popper de Podhragy in einer Weise aus, die von keinem Freunde der Wahrheit gebilligt werden kann. Wer, wie ich, seit der frühesten Kindheit die Verhältnisse des Popper'schen Hauses und seine Geschichte aus der nächsten Nähe kennen zu lernen Gelegenheit hatte, kann nicht stillschweigen, wenn man von „Thatsachen" liest, die mit den Thatsachen durchaus nicht übereiustimmen. Nicht durch die Heirath seines Sohnes mit einer italienischen Marchesa — wie auf der genannten Seite zu lesen ist — ist Popper in den weitesten Kreisen bekann geworden, sondern durch seinen selbst bei Hofe und der höchsten Aristokratie gewürdigten Patriotismus, ferner durch die weit bis über die galizische Grenze ausgedehnten Handelsbeziehungen, dann durch seinen Großgrundbesitz, auf dem viele Tausende von Menschen ihre Existenz gefunden und am allermeisten durch seine in ganz Nordungarn sprichwörtlich gewordene Philanthropie. Synagogen, Kirchen, Schulen, Hospitäler hat er aus eigenen Mitteln erbauen lassen und etliche ganz erhalten; Gelehrte, Studenten, Künstler und Schriftsteller hat er mit seltener Munificenz unterstützt; armen, brauchbaren Menschen Amt und Brod gegeben; die Stätten des Elends hat er selber und auch durch seine Kinder, von denen ich hier nur auf die jüngst in der „Neuzeit" mit Auszeichnung genannte Frau Adele Löwen st ein Hinweise, ausgesucht und die Nothleidenden verpflegt. Vor den Armenhäusern in Bittsa, Hlinik, Kotteso — dessen erinnere ich mich mit Freuden — standen alljährlich zu Beginn des Winters große Fuhren voll Holz und Getreide, um der Noth zu steuern; zu den hohen Festtagen flössen reiche Spenden den Dürftigen, und zwar — wie man sagt — Tu 32, zu; Niemand wurde abgewiesen, Keiner zurückgesetzt. Daß Freiherr von Popper Sabbath und Speisegesetze hielt, hatte nicht seinen Grund —- wie vr. Deutsch meint —

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