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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-04-27 · Heft 18 (27.4.1886) · p. Seite 282

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 18 (27.4.1886)
Date
1886-04-27
Page
Seite 282 (sequence 10)
Language
German
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282 Leipzig an ein Comitemitglied des dortigen Mendelssohnvereines richteten — contrastirt gewaltig mit den Beschlüssen des Moskauer Stadtraths (Duma), so daß man sich schnell zurechtfindet, wo diese Duma heimisch sei! Es ist nämlich bezüglich der in der vorletzten Sitzung der Duma begonnenen Berathungen über städtische Unterstützungen an diverse Lehr- und Wohlthätigkeitsanstalten zu erwähnen, daß der Vorschlag der Stadtverwaltung, an der Nutznießung der städtischen Stipendien für unbemittelte Studenten der Moskauer Universität nur Moskowiter und dazu ausschließlich orthodoxen Bekenntnisses theilnehmen zu lassen, in der Miltwochssitzung der Duma in bejahendem, d. h. in diesem Falle in antisemitischem Sinne erledigt wurde. Die Einwürfe des Stadtverordneten Guerrier in der Freitagssitzung und des Stadtverordneten Tschetwcrikow und Lepeschkin in der Mittwochssitzung der Duma fanden keinen Wiederhall in der Versammlung. Der Stadtverordnete Shadajew meinte sogar in Bezug auf die Worte Tschetwerikow's, man müsse den Juden den Weg zu höherer Bildung nicht verschließen, damit sie aufhören, diejenigen Juden zu sein, gegen die man sich jetzt aller Orten erhebe: der „jüdische Sauerteig" werde durch keine Bildung vernichtet und es wäre schade, städtische Gelder für die Bildung von Inden aus Berditschew rc. auszugeben. Diese antisemitische Strömung machte sich später auch bei Bewilligung der Stipendien für das Moskauer Conservatorium bemerkbar, indem auch hier unbemittelte, aus Moskau gebürtige Zöglinge orthodoxer Confession als zunächst zu berücksichtigende Aspiranten bezeichnet wurden. (In diesem Falle werden übrigens die sog. Altgläubigen und Protestanten mit derselben Intoleranz behandelt!) Von der rufs. Grenze, Ans. April. In dem an der galizischen Grenze im Gouvernement Podolien gelegenen russischen Städtchen Balta ereignete sich, wie man von dort schreibt, anläßlich des Purimfestes (am 21. März) folgende schreckliche Katastrophe: Der Fußboden in der dortigen Synagoge brach unter den zahlreichen Betenden, welche fast ausschließlich aus Frauen bestanden, zusammen; Hunderte von Besuchern der Synagoge stürzten in den tiefen Keller hinab und wurden schwer beschädigt. Mehr als 60 Frauen wurden sehr schwer verletzt und mußten im besinnungslosen Zustande vom Platze getragen werden. Wie ein solcher Unfall geschehen konnte, daß ist bis heute noch unaufgeklärt. Man vermuthet hier das Werk eines ruchlosen Verbrechers. Bonn, 18. April. (Notizen.) Man berichtet aus Altona: Das 25 jährige Amtsjubiläum des auch in weiteren Kreisen als neuhebräischer Dichter bekannten Religionslehrers I. S. Wittkower wurde in der israelitischen Gemeindeschule in sehr solenner Weise gefeiert. In der Aula der Schule waren sämmtliche Schüler und Schülerinnen und das gesammte Lehrpersonal versammelt, ferner waren der königl. Kreisschulinspector Wagner, der Oberrabbiner vr. Löb, die Echulcommission der Gemeinde und die Damen des Schulvorstandes anwesend. Der Jubilar wurde von zwei Lehrern eingeführt und von einem passenden Chorgesang unter der bewährten Leitung des Obercantors Nathanson empfangen. Darauf feierte Oberrabbiner vr. Löb in schwungvoller Rede die Verdienste des Jubilars und überreichte demselben das Geschenk des Lehrkörpers, einen prachtvollen silbernen Pocal, und das Geschenk der Schüler und Schülerinnen, einen kostbaren achtarmigen silbernen Leuchter. Herr A. I. Holländer, der Präses der Schulcommission, theilte darauf dem Jubilar in wohlgesetzter, humorvoller, Rede mit, daß der Gemeindevorstand sich veranlaßt gesehen, in Ansehung der vielfachen Verdienste des Jubilars, demselben eine Gehaltsaufbesserung von 16'2/3% seines bisherigen Gehalts zu gewähren. Sichtlich gerührt betrat nun der Jubilar das bekränzte Pult und sprach dem Vorstande, den Collegen und Colleginnen, sowie den Schülern und Schülerinnen seinen herzlichen Dank aus. Der Synagogenchor beschloß darauf die erhebende Schulfeier mit einem sehr gut executirten hebräischen Chorgesang. In seinem Hause wurde Herr Wittkower noch durch viele und ansehnliche Geschenke ehemaliger Schüler und Schülerinnen, sowie durch Hunderte von Depeschen und Gratulationsbriefen erfreut. — Die Real- und Volksschule der israelitischen Gemeinde in Frankfurt a. M. wurde am 1. Februar d. I. von 437 Knaben und 297 Mädchen besucht. In der Realschule und oer Vorschule befanden sich 7 evangelische und 2 katholische Christen und 428 Juden, ferner 403 Einheimische, 26 Auswärtige und 8 Ausländer. In der Schule unterrichten 27 Lehrer und 6 Lehrerinnen. Die Einladungsschrift zur Prüfung enthält die am 10. Januar d. I. von Herrn Direktor vr. Baerwald gehaltene Rede über Moses Mendelssohn und den zur Feier des Tages von vr. Ferd. Neubürger gedichteten Prolog. — Die Realschule der israelitischen Religions-Gesellschaft wurde von 287 Knaben und 200 Mädchen besucht. In der Knabenschule befanden sich 2 evangelische Schüler, ferner in der Realschule 18 Auswärtige und 26 Ausländer, in der Mädchenschule 1 Auswärtige und 3 Ausländerinnen. Der Unterricht wird von 23 Lehrern und 7 Lehrerinnen ertheilt. Verhältnißmäßig viele Lehrer und Lehrerinnen haben wegen Krankheit Tage und Wochen lang den Unterricht aussetzen müssen. — Der frühere fortschrittliche Abgeordnete Marburg (Altona), der bis zum Beginn dieser Session Mitglied des Abgeordnetenhauses, ist gestern Abend 72 Jahre alt, gestorben. — Aus Pest wird uns geschrieben: Der hiesige Talmud-Verein — man o“w — beging den 13. d. M. die Einweihung seiner neu erbauten Synagoge. — Herr vr. Steinherz ist als Rabbiner in Nagy-Atäd und Herrn vr. Rosenstein als Rabbiner in

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