Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 18 (27.4.1886)
- Date
- 1886-04-27
- Page
- Seite 281 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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281 mitische Wochenblätter herauszugeben, immer wieder gescheitert, was jedoch in Deutschland und Oesterreich auch der Fall war. In diesen Tagen erschien nun ein wahres Monstrum, eine Schrift in zwei Bänden von mehr als 1200 Seiten: La France juive, Essai d’histoire contemporaine, ein Reservoir alles möglichen Schmutzes. Der Verfasser ist ein gewisser Eduard Drumont. Wie wir aus den Arcli. isr erfahren, war dieser Mann lange Zeit als Chroniceur bei der Liberto beschäftigt, also bei einem Blatte, das von einem Juden begründet ist und von einem anderen Juden redigirt wird. Es ist vorauszusetzen, daß er sich mit dem Redacteur veruneinigt und nun aus Rache das dickleibige Werk zusammengeschmiert hat. Jndeß wird gerade sein Umfang die Verbreitung desselben verhindern. Man hat an einigen Seiten übergenug. Die Hauptsache ist, daß die Juden selbst es etwa aus Neugierde nicht kaufen; christliche Käufer finden sich schwerlich dafür. Palästina. Jerusalem, im April. Wir empfangen unter obigem Datum folgenden Aufruf: „Theure Glaubensgenossen!" Jerusalem, das wir dreimal täglich in unser Gebet einschließen, und das den Gegenstand unserer höchsten Sehnsucht bildet, hat mehr als jede andere Stadt der Erde das Recht, unsere Wohlthätigkeit zu beanspruchen. Und welche Anstalt ist wohl der Hülfe würdiger als eine solche, die Hunderte elender Kinder und verlassener Waisen zu wohl gebildeten und frommen Israeliten erzieht und durch Erlernung eines Handwerks versorgt. Die „Talmud-Thora-Schule" wird von 300 armen Kindern und Waisen und das „Etz-Haäm-Collegium" von 40 Studenten besucht. Die Ausgaben belaufen sich auf ca. 1500 M. monatlich und werden ausschließlich durch milde Beiträge bestritten. Leider aber sind die einlaufenden Spenden ungenügend, diese ungeheuer» und immer mehr zunehmenden Ausgaben zu decken. In dieser Noth sehen wir uns gezwungen, an Ihre Wohlthätigkeit zu appelliren. Wenn nicht schleunigst Hülse geschafft wird, so befürchten wir das Schlimmste für den fernem Bestand dieser Anstalten und dann sind, was Gott behüte, Hunderte elender Kinder und verlassener Waisen dem größten Elend, der Unwissenheit und der Gefahr ausgesetzt, eine Beute der englischen Mission zu werden. Es muß jeden Israeliten mit tiefem Schmerz erfüllen, diese mit Ungeheuern Mitteln arbeitende Mission unter der unglücklichen verwaisten Jugend Jerusalems immer mehr Opfer gewinnen zu sehen, und Sie, theuere Glaubensgenossen, werden sich gewiß nicht weigern, Ihr Scherflein zur Erhaltung unserer Anstalten beizutragen. Seien sie versichert, edle Glaubensgenossen, daß Sie Ihren Wohlthätigkeitssinn nicht besser bethätigen können, als durch warme Theilnahme an dem Schicksale von Hunderten verlassener Waisen. Möge Gott ihnen ein fühlendes Herz für unsere Worte verleihen und Ihre Wohlthat tausendfach vergelten. Im Voraus dankend und in aller Ergebenheit, die Leiter der „Talmud-Thora-Schule" und des „Etz-Haim-Collegium." Moses N. Cabenou. Beno Judkowki. Diesem Aufrufe sind Zeugnisse über die lobenswerthen Leistungen beider Lehranstalten von Oberrabb. Abr. Aschkenasi, vr. Löwe, Dr. Hermann Adler (beide aus London), und A Roos aus Amsterdam hinzugefügt. Die Zeit ist auch an den jüdischen Bewohnern von Jerusalem nicht wirkungslos vorübergegangen. Sie ersuchen nicht mehr blos um Almosen, sondern um den Unterricht ihrer Kinder! Der Wortlaut des obigens Aufrufs spricht für sich selbst, und kein fühlendes israelitisches Herz wird ungerührt bleiben. Möge das Wort aus der heiligen Stadt einen günstigen Erfolg haben. Die Redaktion. Rußland. Bonn, 13. April. Ob seitens Rußlands ausländischen Juden der Eingang versagt oder gestattet sei, bleibt noch immer unentschieden. Von Berlin unter dem 11. April berichtet der „Hamb. Corrsp.": „Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß das hiesige russische Generalconsulat, nachdem es während der jüngsten Wochen die Visirung der Pässe solcher Israeliten, die nach Rußland reisen wollten, von der Genehmigung des russischen Ministers des Innern abhängig gemacht, jetzt diese Visirung wieder ohne Weiteres vornehme." Dagegen theilt die „Franks. Ztg." unter dem 12. April mit: „Als der Chef eines hiesigen hervorragenden Handlnngshauses heute früh seinen Reisepaß im russischen Generalconsulat vorlegte, um das zur Reise nach Rußland nothwendige Visum zu erhalten, wurde er gefragt, ob er vielleicht Israelit sei. Auf eine bejahende Antwort erfolgte die Bemerkung. dann müsse das Generalconsulat es ablehncn, den Paß zu visiren. Es scheint demnach, als ob auf den russischen Generalconsulaten in Berlin und Frankfurt nicht dieselbe Praxis herrscht. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß auch demjenigen Herrn, dessen Fall wir vor einiger Zeit mittheilten, noch vor einigen Tagen die Ertheilung des Visum wiederum verweigert worden ist. Sollte das russische Generalconsulat in Berlin vielleicht nur deshalb mehr Entgegenkommen zeigen, weil es angesichts bevorstehender Operationen gewisse Finanzmänner freundlich stimmen will?" Moskau, im April. Das jüngst in dieser Zeitung mitgetheilte Schreiben, welches Rector und Senat der Universität 18