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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-04-20 · Heft 17 (20.4.1886) · p. Seite 270

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 17 (20.4.1886)
Date
1886-04-20
Page
Seite 270 (sequence 14)
Language
German
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Eul Anderer 270 Also zu unserm Pinsel! Ein Anderer - aber bei Leibe kein Ach er! Und es war etwa nach dreißig Jahren der Begebenheiten — nämlich des Besuches bei dem Grammatiker, als die Ferienreise durch ein Städtchen in romantischer Gegend führte. Das letzte Gold der Sonne war von einigen Bergspitzen gewichen, und in dem Thale wurden die Lampen angezündet. Und das Licht einer dieser Lampen stahl sich künnnerlich durch ein kleines Fenster eines engen Stübchens auf die Straße. Auf einen flüchtigen Blick durch das Fenster wird unwillkürlich die Frage geflüstert: „Ei, sollte das denn der . . . Dornbusch sein, der ja auch in M . . . gewesen, — der den guten Schafen die Wolle abrauft — na, und woran die losen Vögel ihre Nester bauen ... — Ei, laß sehen, Vorhänge mehren nicht den Einblick, ist nicht nöthig, die Scheiben sind ja natürlich gedämpft durch eine Staublage. — Er ist's wirklich. — Er sitzt vor einem kleinen Tische mit etwas vorgebogenem Haupte, das ein Käppchen unnennbarer Farbe deckt. Vor ihm steht eine ungeheure Schnupftabaksdose, aus der er mit Wohlbehagen eine Prise holt. Der Mann scheint seine Nase einer besonderen Pflege zu würdigen, er ist ja ein Ketzerriecher geworden. Der gute Mann war bescheiden sein Leben lang, Zufrieden an kleinen Orten, nirgends lange. Mit Profanwissenschaft hat er sich nie befreunden können — deren Werke er standhaft mit dem Muthe des Gerechten als Trepha rosul abgewiesen hat. Wie sollte er anders? Hat doch das Geld einen bessern Klang. (Jetzo dreht er das Licht etwas höher, ein magischer Lichtkreis läßt sein Haupt in einem Heiligenscheine erglänzen und er fährt mit seiner Hand über sein Gesicht voll stolzer Selbstgerechtigkeit.) 0, selig sind die Armen des Geistes, denn sie werden Rindviehlein des Himmels genannt, und er hat eine Ahnung davon, daß die starken Stierhörner nicht nur unmanierlich stoßen, sondern auch die Kreuzzugsfahne schwingen dürfen. Seine beschauliche Muße hat es ihm erlaubt, mit frommen Artikeln, als Tephillin, Tephilloth :e. nebenbei zu handeln. — Eines aber ist noch nicht erwiesen, nämlich, wer Schüler, wer Lehrer ist, unser Mann oder einige Redakteure antisemitischer Blätter? Diese haben nämlich die Taktik, jüdische Firmen in nicht mißzuverstehender Weise zu schmähen und verächtlich Zu machen. Ganz so denunzirt unser Mann mit Anfangsbuchstaben jüdische Gemeinden und Collegen in einem Hader- Bannblatt. Ob er sich die Giftsächelchen durchsehen läßt, das muß unentschieden bleiben; aber sie müssen doch klassisch sein und deshalb flickt er, und das ist jedenfalls sein geistiges Eigenthum — hebräische Ausdrücke, wie: Jlodemscher, Jehudin — ein. Der Mensch muß doch etwas thun und darum ist der Müßiggang aller Lüge Anfang. — Wollen wir ihn besuchen? Doch sieh, er langt nach seinem Abendbrote, — und eine Regel lautet: Ein Mükew bächrle — damit er's versteht, wollen wir auf seiner Fensterscheibe verdeutschen: ,Man störe Niemand beim Essen, zumal wenn das Abendbrot l vom Segensertrag Geschmähter gewürzt ist. — Geht man! auch über solches Treiben zur Tagesordnung über, das Handwerk der Verdächtigung ist darum doch nicht wirkungslos aus die urtheilslose Masse; sie giebt den Krebsrittern Nahrung und was das schlimmste ist, den Judenfeinden ein willkommenes Zugmittel, wie vielleicht später gezeigt wird. Sie legen den Brand an's eigene Haus, Es züngeln die Flammen, wer löschet sie aus?! So ist das Bild der Handlanger, deren sich die Mächte! der Finsterniß bedienen, wie die Gesellen, so die Meister,! beide unfähig, die edle, ethische Aufgabe des Judenthums zu erfassen, unfähig sich aufzuraffen, zur Lösung einer ernsten, sittlichen Lebensaufgabe. Bei ihrer Schlaffheit oder geistigen Impotenz wollen sie doch vor einem Theile des Publikums die schmeichelnde Rolle der Seligmacher spielen, und werden Gaukler und Charlatcme, wuchern um den edlen Stamm Israels wie Schmarotzerpflanzen und haben ihre hämische Freude daran, wenn sie der mühevollen Arbeit solcher Männer die das Judenthum nach außen ehrenhaft, geistvll vertreten und nach innen belehren und über feine Stellung aufklären, wenn sie solchen Männern Hindernisse bereiten können. In unserer Zeit ist aber diese Strömung nach rückwärts um so verhängnißvoller, als sie auf der einen Seite unter; dem Schlagwort „Kampf ums Dasein" viele zum Materiolismus treibt und auf der andern Seite ein Theil der Masse sich der Lethargie eines Gehenlasseus hingiebt. Glaub' und Religion sind Sterne in der trüben Erdennacht, Garst'ger, falscher Deutler Spruch, verdunkelt ihrer Strahlen Pracht. Gründen sollten sie den Frieden, stiften Lieb' und Einigkeit,! Aber Herrschsucht hüllet sie in blut'gen Haß und Meinungsstreit. Du hingegen sollst sie nähren, bilden unverfälscht und rein. In dem Herzen zarter Jugend, aller Anvertrauten Dein. Ob dem Treiben der Parteien, mußt Du stets erhaben sein, Und der Wahrheit Geist erstreben, Wahrheit aber nicht den Schein! — Vermischtes. lBischof Stroßmayer segnet ein jüdisches Brautpaar! Aus Djakovar wird geschrieben: Am 17. d. fand im ' hiesigen israelitischen Kultustempel die Trauung der Tochter! des hiesigen Kaufmanns Herrn Adolf Kohn, des Fräuleins i Antonie Kohn, mit Herrn Julius Bauer aus Pozsega statt. An dem Familienfeste nahm auch Bischof Stroßmayer theil. ■ Se. Exzellenz hat nämlich zur Anfertigung des Hochzeits-! mahles seinen eigenen Koch zur Verfügung gestellt, die Tafel

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