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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-04-20 · Heft 17 (20.4.1886) · p. Seite 269

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 17 (20.4.1886)
Date
1886-04-20
Page
Seite 269 (sequence 13)
Language
German
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in Petersburg wegen der Frage zwischen den verschiedenen Ressorts einige Meinungsverschiedenheiten herrschen, da die Minister des äußeren und der Finanzen aus den bekannten Gründen gegenüber dem kapitalkräftigen Auslande recht liberal erscheinen möchten, während der Minister des Innern sich durch solche diplomatische Finessen nicht beeinflussen lassen will. Sollte Letzterer dennoch von seinen Kollegen zur Raison gebracht werden uns den diplomatischen Agenten im Anslande eine neue, mit den Verkehrsbedürfnissen unserer Zeit mehr im Einklänge stehende Verfügung, als die frühere, zugegangen sein, so würde uns das sehr freuen, allein bis jetzt hat man von einer etwaigen neuen Verordnung noch nichts gemerkt. Das mag sich auch das Hamburger Blatt gesagt sein lassen, das eine durch offenkundige Thatsachen beglaubigte Nachricht als eine „znrechtgestellte Zeitungsente" zu bezeichnen die Kühnheit hatte, durch die cs, wenn nichts Schlimmeres, eine erstaunliche Unwissenheit vcrrathen hat.' Bonn, II. April. (Notizen.) Aus Calcutta wird der Tod des reichen und wohlthätigen Elia Esra gemeldet. Derselbe, Sohn des David Joseph Esra, der gewöhnlich der indische Rothschild genannt wird, und Schwiegersohn des Ieuil Wir plaudern aus der Schule, in Scherz und Ernst. Bon Mauert. (Nachdruck verboten.) VI. Mauchen jener Lehrer aus der Sturm und Drang-Periode war indeß die Schulstube zu enge, weil ihnen im Fluge die Schwingen gewachsen waren. Diesen trieb der Wissensdurst und den die unerquickliche Lage zum Versuche der Kräfte. Sie nahmen Latein, Griechisch, die Mathematik und Aehnliches zur Hand und bereiteten sich auf das Abitnrienten- Examen vor. So finden wir sie später als Universitätsprofessore», Rabbiner, die sich in der Ferne einen glänzenden Namen erworben, Mediciner u. s. w. wieder. Ein solches Beispiel möge hier eingeflochten sein. Es fiel also unserm Manne das Studiren ein; er nahm die Grammatiken und alten Klassiker, die Mathematik und dergleichen zur Hand, studirte ohne weitere Hülfe, also autodidaktisch, und nach noch nicht zwei Jahren glaubte er seine Stelle kündigen, um nach etwa einem weiteren Vierteljahre das Abiturienten-Examen machen zu dürfen. — Aber ganz im Stillen; weshalb er zu dem Gymnasialdirektor einer andern Gymnasialstadt fuhr und sich dem mit seinem An liegen vorstellte. — Der gelehrte und wohlwollende Herr — jetzt in ausgezeichneter, höherer Stellung — fragte: Sir Albert Sassoon in London war, vertheilte allmonatlich ea. 10 000 Frs. an verschämte Arme und erbaute in Calcutta eine große Synagoge, welche er nach seinem Vater „Magen David" nannte. Elia Esra hinterläßt ein sehr bedeutendes Vermögen und elf Kinder. — Aus China theilt man mit, daß mehrere Juden in öffentlichen Aemtern angestellt worden; es sind europäische Juden, die sich aber den Chinesen völlig angeschlossen und chinesische Namen angenommen haben. — Man berichtet aus Berlin: Das Grabdenkmal für deu Stadtverordneten-Vorsteher Straßmann ist am 8. in aller Stille enthüllt worden. Es hatten sich zu der wehmüthigeu Feier nur die nächsten Angehörigen an der Ruhestätte des Unvergeßlichen eingefunden. Dem schlichten Sinn des Verstorbenen entsprechend, ist auch sein Grabdenkmal, das aus dem Atelier des Bildhauers M. Zachart Hierselbst hervorgcgangen ist, von der künstlerischen Vollendung abgesehen, schmucklos. Auf hohem Sockel ein Postament aus dunklem Marmor, auf dem sich eine eben solche kanelirte Säule erhebt. Das Postament trägt die Inschrift: I.h\ med. Wolfgang Straßmann, Stadtvervrdneten-Vorsteher, geboren in Rawitzsch 8. Oktober 1821, gestorben in Berlin b. Dezember 1885. teton. „Wo und wie lange haben Sie studirt" In N. bin ich Lehrer, und habe vor etwa zwei Jahren mich mit den erforderlichen Disciplinen beschäftigt. — Der würdige Herr starrte mit mitleidigem Kopfschütteln auf den fahnenflüchtigen Lehrer, als wolle er sagen, ich verstehe Sie nicht, oder es ist bei Ihnen im obern Stübchen nicht richtig, und sagte dann laut: „Junger Mann, das ist mir noch nicht vorgekommen. Sie haben wohl schwerlich sich einen Begriff von den Anforderungen gemacht. Gehen Sie, und überlegen Sie; am besten, Sie bleiben auf Ihrer Stelle." „Ich habe gekündigt, die Brücken hinter mir abgebrochen", empfahl sich und ging. Drei Monate nachher bestand er in dem Orte seines Wirkungskreises als einziger Externer vor einem strengen, aber gerechten Prüfungskommissar und den Lehrern des Gymnasiums ein so glänzendes Examen, daß es allgemeines Aufsehen hervorrief. Er hat später, obgleich Arzt, doch bei einer allgemeinen Lehrer-Angelegenheit verdienstlich mitgewirkt und prakticirt als geachteter und beliebter Arzt. Mittlerweile ist es Zeit, das Zwischengespräch abzubrechen und eine Illustration in den Text zu stellen. Wir leben ja in der Zeit der Bilder und Bildchen, auf welchen Licht und Schatten richtig vertheilt sein müssen. Zu dem erheischen Wirklichkeit und Unparteilichkeit etwas Schwärze zur Seite des Grammatikers und Seinesgleichen.

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