Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 17 (20.4.1886)
- Date
- 1886-04-20
- Page
- Seite 261 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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liuer und Münchener Staats' und die Hamburger Stadt-j handeln können, dessen wahrhaft universelle Bildung sich in bibliotheke» abgefaßten Kataloge hebräischer Handschriften, in! Gehalt, Stil und Sprache seiner Schriften bekundet. Letztere welchen er auf manchen unbekannten Schatz zum ersten Male z sind in fließendem Französisch, Italienisch, Englisch, Lateinisch, hingewiese». Mit dem Fürsten Buoncompagni in Rom und! Deutsch und Hebräisch abgefaßt. Noch vor Kurzem löste anderen Gelehrten arbeitete Steinschneider für die Erforschung Steinschneider eine große, von der französischen Akademie dessen, was Araber und Juden auf dem Gebiete der Mathei gestellte Prcisaufgabe, in welchen besonders die „Methaphysik matik und Naturwissenschaften geleistet. Eine originelle Ar-. des Aristoteles in jüdischen Bearbeitungen" ein glänzendes beit ist seine Abhandlung über „Schach bei Arabern und! Kapitel bildet. In seiner Thütigkeit als Dirigent der jüdischen Juden", welche dem umfangreichen Werke des Dr. van der! Töchterschule zu Berlin findet der Greis, welcher auch »ach Linde über Schach als Anhang beigegeben wurde. Auch alle - der pädagogischen Seite hin durch Abfassung von Lehrbüchern neueren Erscheinungen der jüdischen Literatur hat er in einem | und Fibeln gewirkt, eine stetige Quelle der Verjüngung. Dieeignen Organ „Hebräische Bibliographie" übersichtlich zu-! selbe Frische wie im Unterricht hat er sich als Dozent besammengestellt und rezensirt.— So vielseitig wie die wissenwahrt. An der Ephraim - Beitel-Heine'schcn Lehranstalt für schaftliche Thätigkeit, so reichhaltig waren auch die Erfahrungen i orientalische Philologie hält er noch seine Vorlesungen, deren und Lebensschicksale des Mannes. Er war jahrelang Er-! keine der pflichteifrige Mann seit 20 Jahren versäumt hat. zieher der Brüder Grafen Lichnowsky und des Fürsten Lob-! Mit der Anerkennung und Verbreitung der von ihm angekowitz. Der heftige Gegensatz, in welchem sich Steinschneider! bahnten Wissenschaft, wächst auch die Würdigung seiner Vcrzur Orthodoxie befand, setzte ihn mancherlei Unbilden von s dienste. Seiten der Fanatiker aus. Die letzteren verkannten allzusehr! — Soeben erhalten wir: die Schriften des .Dr. M. sein Hauptbestreben: die jüdische Wissenschaft aus dem reli-! S tei nschneider zu seinem 70. Geburtstage zusammengestellt giösen Ghetto hinaus in das öffentliche akademische Leben zu! von Dr. A. Berliner (Berlin, Mampe, 188i>.) Sie füllen eine verpflanzen. Dieses Streben veranlaßte ihn, nicht nur die Broschüre von 31 Seiten: A. Beiträge zu den Schriften theologische Carrivre aufzugeben, sondern auch so manches Anderer, B. Beiträge für periodische und Sammelschriften, günstige Anerbieten auszuschlagen, um der inneren Freiheit 0. Cataloge, D. Selbstständige Schriften; nicht verlustig zu gehen. Anders hätte auch ein Mann nicht Deutschland. Bonn, 11. April. Wir entnehmen der „Boss. Ztg." folgende Mütheilung: „In Bezug auf den Brief, welchen der Bischof m\ Herzogenbusch an die ihm untergebene Geistlichkeit hinsichtlich der Toleranz gegen die Juden gerichtet haben sollte, hat der Bischof selbst an den Redakteur eines in Heiligenstadt erscheinenden ultramontanen Blattes „Eichsfeldia" folgende Zuschrift gerichtet: „Herrn Paul Feige, Heiligenstadt. Das unter Unserem Namen fingirte Hirtenschreiben an den Dekan der Stadt Tilburg, welches noch jetzt in der „Heiligenstädt. Ztg." (dem amtlichen Organ für den Kreis Herligenstadt) und anderen deutschen Zeitungen eirkulirt, ist von A bis Z eine ganz unwürdige und verächtliche Erdichtung, gegen welche wir ausdrücklich protestiren. Der Bischof von Herzogenbusch Adrian Gottschalk." — Wir unsrerseits sind selbstverständlich an der „Erdichtung" unschuldig, denn wir haben den Brief aus dem in der Diözese des Bischofs selbst erscheinenden holländischen „Zondagsblad" wortgetreu übersetzt, und war der Bnes ut mehreren holländischen Blattern zu lesen. Wir wollen nun keine Zweifel darüber erheben, ob nicht gerade dieser zweite Brief jenes Bischofs „erdichtet" ist. Jedenfalls ist es eigentümlich, daß der Bischof erst nach Monaten dementirt, was ihm doch sofort ,31t Gesicht gekommen sein mußte. Ist dieses letzte Schreiben authentisch, so ist es Thatsache, daß Leute aus dem Sprengel des Bischofs das Leichenbegängniß eines sehr geachteten Juden auf schmähliche Weise gestört haben, und der Bischof kein Wort dagegen geäußert hat. Dieses negative Verhalten ist freilich in den Augen gewisser Leute verdienstlicher, als Worte der Duldung und Achtung vor anderen Glaubensgenossenschaften zu haben! Berlin, 8. April. (Privatmitth.) Es war immerhin eine kuriose Szene, wie sie so lebhafter Natur wohl kaunr iin deutschen Reichstage bis jetzt stattgefunden, die sich neulichst in ihm abspielte. Eine eigentliche „Judendebatte" war es nicht. Dazu bot die Verlängerung des Socialistengesetzes ja gar keine. Veranlassung. Es fand nur ein Austausch von Complimenten zwischen Stöcker einerseits und Singer, Hänel.