Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 16 (13.4.1886)
- Date
- 1886-04-13
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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248 verlässig zu halten, und können uns nicht vorstellen, daß das citirte Blatt in diesem Falle einer Fälschung oder auch nur einer Entstellung Raum gegeben haben könnte. Warum soll auch ein katholischer Bischof ein so treffliches, von so reinem Geiste der Liebe und der Menschenfreundlichkeit durchwehtes Schreiben nicht erlassen? Uns sind gleiche Beispiele edelster Antheilnahme katholischer Priester für bedrängte Andersgläubige zu Dutzenden bekannt. Ob einzelne, die intimeren Angelegenheiten des katholischen Bekenntnisses streifende Stellen des Briefes wörtlich richtig übersetzt sind - das Schreiben ist im Original ja wohl holländisch — das können wir nicht entscheiden, halten hier aber einen Zweifel für zulässig. Zu Richtern in diesen confessionellen Dingen halten wir uns nicht berufen, am Ende könnte sogar die „Germania", die unser Urtheil anruft, doch schließlich unsere Competenz bestreiten. Wozu im Nebrigen die Auseinandersetzung? Die „Germania" kann sich ja leicht über die Echtheit des Briefes authentische Auskunft verschaffen." Wir richteten hierauf an den „B. B. C." folgendes Schreiben: „Den Zweifeln der „Germania" an der Echtheit des auch in Jbrem Blatte mitgetheilten Schreibens des ehrwürdigen Bischofs von Herzogenbusch gegenüber bemerken wir, daß wir dasselbe aus einem holländischen „Zondagsblad" entnommen und übersetzt, und die Quelle in dem betr. Ar. tikel angegeben haben. Das Schreiben war übrigens in mehreren holländischen Zeitungen abgedruckt. Wenn ein in der Diöcese des Herrn Bischofs selbst erscheinende Zeitung einen Erlaß desselben veröffentlicht und ein Dementi nicht erfolgt — und dies war, so viel wir wissen, bis jetzt nicht der Fall — so haben wir keinen Grund, die Echtheit in Frage zu stellen. Die Redaktion der „Atlg. Ztg. des Judenthums". Berlin, 31. März. (Eingesandt.) Die verehrlichen Mitglieder des hebräischen Litteraturvereins Mekize Nirdamim werden erst in einigen Wochen die Zusendung des Jezira- Commentars von Jehuda Barzeloni erwarten können. Der Umfang des Werkes ist ein größerer geworden, als anfangs berechnet war, daher erfordert auch die Fertigstellung eine längere Zeit. Die Auflage des ersten Jahrganges ist vollständig vergriffen. Für den zweiten Jahrgang soll hiermit der Anmeldungstermin bis zum. 15. Mai d. I. verlängert werden. Spätere Anmeldungen können nur berücksichtigt werden, insofern die geringe Anzahl der Mehrauflage dazu reichen wird. Der Druck der Vereinsschristen, soweit sie die Fortsetzungen zum ersten Jahrgang betreffen, hat bereits begonnen. Welche Schriften sonst noch im zweiten Jahrgange erscheinen sollen, kann erst nach dem Abschlüsse der Abonnentenliste, welche zugleich die Summe der Jahresbeiträge feststellt, den geehrten Mitgliedern näher mitgetheilt werden. Dr. Berliner. Berlin, 1. April. (Privatmitth.) Nach langem Stillschweigen, das sich Stöcker nach den Prozessen, in welchen sein sittlicher Werth so stark beleuchtet worden, auferlegt hatte, trat er in der Sitzung des deutschen Reichstages, in welcher über die Verlängerung des Sozialistengesetzes verhandelt wurde, wieder auf, und zwar mit einer Unverfrorenheit und salbungsvollem Selbstvertrauen, als ob garnichts geschehen sei. Dabei riß er die Gelegenheit vom Zaune, auch wieder einmal seine Judenhetze zu betreiben. Sein ganzes Gebühren rief bei allen Parteien, die kleine Schaar seiner Anhänger unter den (konservativen ausgenommen, eine solche Entrüstung hervor, daß sie sich nicht blos in Erwiderungen, sondern auch in den stärksten Zwischenrufen ausdrückte. Was er wiederzugewinnen hoffte, eine Art Position im Reichstage, hat er nur um so mehr verloren. Bekanntlich befindet sich unter den sozialdemokratischen Abgeordneten auch Herr Singer, ein Jude und Confectionshändler en gros. Gegen diesen nun richtete Stöcker seinen Angriff. Er sagte: Lasialle sagte, zwei Dinge hasse ich: Journalisten und Juden; leider bin ich beides. (Große Heiterkeit.) Ich weiß nicht, ob Sie noch heute leider sagen. Die Herren haben ja seit einem Jahr hier in Berlin den Nothschrei der Mäntel- Näherinnen gehört. Die Lage dieser Näherinnen ist nicht besser als die Lage der Leute in Belgien. Sie verdienen M. 0.75 — 1.25. Nun sitzt ein Mann in unserer Mitte, der Hunderte von diesen Näherinnen, um in ihrem Jargon zu reden, ausbeutet, und dieser Herr klebt an seinen Racken das Etiquet „Arbeitsfreund". Dabei beutet er die armen Näherinnen aus, wie man nur in Belgien ausbeutet. Ist die Ausbeutung dieser armen Geschöpfe, für die . ich das tiefste Mitleid habe, eine schlechte, dann darf am allerwenigsten ein Sozialdemokrat, der sich als Held und Paladin der Arbeiter aufspielt, sie als Arbeitgeber in seinem. Geschäft j leiden. Das müssen auch Israeliten zugeben. Das wird endlich auch unserm deutschen Michel zum Bewußtsein kommen. Ein solcher Mann wird ihm, nehmen Sie mir es nicht übel, nicht als historische Erscheinung Vorkommen, sou-! dern als eine komische Figur. (Abg. Bebel ruft: Sie sind! ein Narr; der Präsident ruft den Abg. Bebel wegen dieser i Aeußernng zur Ordnung.) Soviel ist gewiß, daß unter dem ' Sozialistengesetz das Volk darüber klar geworden ist, was : auf Sozialistischem Gebiete böse und gut ist. Auch wir Konservativen wollen nicht die Ueberspannung des Eigenthumsbegriffs. Darum stehe ich in der antijüdischen Bewegung.; Daß das Judenthum auf Seiten des Kapitalismus ist, wird Niemand leugnen, nicht einmal die Israeliten, die hier im! Hause sind. Die Millionäre und Milliardäre bei einer! solchen konfessionellen Minderheit sind nichts gesundes für