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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-04-06 · Heft 15 (6.4.1886) · p. Seite 228

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 15 (6.4.1886)
Date
1886-04-06
Page
Seite 228 (sequence 4)
Language
German
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828 gestehen, daß wir eine solche Einseitigleit bei Mendelssohn j nicht vermuthet hätten. Besteht denn die Offenbarung des | göttlichen Willens lediglich in einer mündlichen Aussprache, wie sie uns die Schrift vom Sinai her berichtet? Konntei er die göttliche Weltregierung in solcher Weise beschränken? Mußte nicht gerade er mit seiner innigen Ueberzeugung von; der göttlichen Vorsehung anerkennen, daß der göttliches Wille sich auch durch große geschichtliche Ereignisse klar und deutlich ausspricht, durch Ereignisse, die von dem Willen des Einzelnen gar nicht abhängen, deren Folgen der Einzelne auch wider seine» Willen nntertvorfen ist? lieber die viel-! fachen Abänderungen des mosaischen Gesetzes, welche die Talmudistcn nach den veränderten Zeitverhältnissen vorgenommen, haben wir oben schon Andeutungen gegeben. Welche außerordentliche Veränderungen mußte aber der Fall Jerusalems, die Verbanumig und Zerstreuung der Juden für das Gesetz : verursachen! War dies nicht auch eine Kundgebung des gött-1 lichen Willens, die „über alle Zweifel und Bedenklichkeit" hinausging? Der ganze Kultus, der im mosaischen Gesetze einen so breiten Raum einninnnt, wurde aufgehoben; die Hebung der mcisten Reinigkcitsgesetze, das ganze Agrargesetz,, mit welchem so viele Wohlthätigkeitspflichten verbunden waren,; wurde unmöglich; das ganze Criminal- und ein großer Theil des Civilrechtcs, letzteres zuletzt bis auf einige Reste des! Eherechtcs, wurden beseitigt, und wieviel Anderes noch! lind ist nun das große Ereigniß unserer Zeit, daß die unter de»; große Ereigniß in eine ähnliche Lage wieder gesetzt sind. Es wird gelten, mit der Zeit sich darüber zu vergewissern, was zu erhalten und zu retten, was fallen zu lassen ist. Doch kehren wir nun zu Mendelssohn zurück, um dessen Stellung zum und im Judenthume nunmehr klar zu stellen. (Schluß folgt.) Oberingelheim, 5. März. Wohlthätige Werke, v. Der soeben erschienene 21. Rechenschaftsbericht der Achawa giebt ein erfreuliches Bild von dem Gedeihen und der segensreich fortschreitenden Wirksamkeit dieses Vereins. Als Jahresunterstützungeu wurden 1885 verausgabt 8060 M. (gegen 7700 M. im Vorjahre) unter 53 Petenten mit 65 Theilen (gegen 68V4 Theile im Vorjahre). Ein Theil betrug 124 Mark (gegen 112 Mark im Vorjahre). Kein Petent tvurde abgewiesen. Außerdem wurden in außerordentlichen Fällen im Laufe des Jahres 850 Mark aus dem Reservefonds verabreicht. Das Vereinsvermögen beziffert sich auf 146,376 Mark 27 Pf. Die Jahreseinnahmen betrugen all Geschenken 10,264 M. 93 Pf.; an freiwilligen Jahresbeiträgen 184 M. 80 Pf.; an Einkaufsgeldern (es sind im Völkern verstreuten Juden von diesen als gleichberechtigt in ihre staatliche Gesellschaft aufgeilonuneil und zugleich das Eintreten der Juden aus ihrer Abgeschlossenheit in das allgemeine Culturleben bewerkstelligt wurde, nicht ebenfalls wieder eine laute und öffentliche Kundthuung des göttlichen Willens? Kanu dies ein wirklich gläubiger Jude leugnen, dessen Geist mit den Lehren der h. Schrift vertraut und von den Anschauungen des Judenthums durchdrungen ist? Auch hiermit sind für die Juden neue materielle und geistige Lebensbediilguligcn gestellt, denen sich zu entziehen den Einzelnen auf die Tauer unmöglich ist, Existenzbedingungen, geistige lvie niaterielle, ivelche eine ganze Reihe von Gesetzartikeln unmöglich machen. Jede geschichtliche Nothwendigkeit ist dem wahrhaft religiösen Juden eine Kundgebung des göttlichen Willens. Der Einzelne hat sic nicht herbeigeführt, der Einzelne kann sie nicht ändern, aber auch nicht die Gesammtheit. Diese geschichtliche Nothwendigkeit ist unabhängig von der Gesammtheit wie von den Einzelnen und weil sie eben Alle betrifft, das Ganze des Judenthums, hat sie, gleich dem Falle Jerusalems, eine tief religiöse Bedeutung. Nach dem letzteren trat die eigentliche Entfaltung und Entwickelung der traditionellen Gesetzgebung ein, ivelche eben auf die gänzlich veränderten Verhältnisse operirte. Keinem Unbefangenen, keinem Einsichtsvollen kann cs entgehen, daß wir durch das neueste Laufe des Jahres 15 neue Mitglieder aufgenommen worden) 600 M.; au Beiträgen von 596 Ehrenmitgliedern 3576 M.; von den Mitgliedern 16ö0 M. (incl. 133 M. rückständiger Beiträge); an Zinsen 5317 M. 47 Pf. Die Zahl der Mitglieder ist auf 255 gestiegen. Ein Vergleich der Liste der Ehrenmitglieder ist äußerst lehrreich — und zugleich beschämend für viele jüdische Religiousbeamte und Religionsgemeinden. Aus Frankfurt a. M. kam der größte Theil der Geschenke, wenn wir das Legat von 5000 M. des Lehrers Heßlein aus Bamberg, gesegneten Andenkens, in Abzug bringen. In Frankfurt a. M. haben wir 380 Ehrenmitglieder. In allen übrigen Gemeinden — einschließlich 34 im Auslande und zwar in England, Amerika, China (Shangai) und Italien — 242; kommt also auf alle übrigen deutschjüdischen Gemeinden 208!! Sind es die Gemeinden, oder ist es die Gleichgiltigkeit der betreffenden Religionsebamten, welchen hier die Schuld beizu- ' messen ist? Wir glauben mit Sicherheit annehmen zu dürfen, daß es die Lehrer, resp. Relrgionsbeamten sind, die allein! die schwere Verantwortung zu tragen haben. Ich spreche! t)ier nicht mehr von den Nichtmitgliedern. Ich glaube nachgerade, daß die größte Zahl der würdigen Lehrer aus den Ländern und Provinzen, welche nicht einen Provinzialverein haben, der Achawa angehören. Aber die Mitglieder selbst

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