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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-03-23 · Heft 13 (23.3.1886) · p. Seite 205

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 13 (23.3.1886)
Date
1886-03-23
Page
Seite 205 (sequence 13)
Language
German
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205 graduirt wurden; aber wie war das möglich, da sie doch nicht den Eid de immaculata coneeptione oblegen konnten? — Hingegen schreibt van Swieten in einem Votum in Betreff der Prager Universität vom 11. Mai 1771: „Jamais un juif s’est präsente ä l’examen ä Vienne, et on le refnsera toujours.. Und am 15. November 1771 schrieb er: „Jamais la faculte de Vienne a examine un juif, ins ine depuis l’an 1749 un juif ne s’est presente pour cela. Me der Widerspruch zu lösen ist, weiß ich nicht. Es ist schwer, anzunehmen, daß die Hofkanzlei, respective die Studien-Hofcommission und mit ihr die juridische Facultät die Verhältnisse nicht kannten und eine unrichtige Behauptung aufgestellt haben, und anderseits spricht alles für die Aussage van Swietens. Doch wie immer, hier handelt es sich um die Graduirung, daß aber Juden studiren durften, steht außer Zweifel und beweist dies auch das Toleranzpatent vom 2. Jänner 1782. Daselbst heißt es: 9. „In Ansehen der höheren Schulen, da ihre Be suchung jüdischen Religionsgenossen nie untersagt gewesen, wollen wir diese Erlaubniß hier blos erneuern und bestätigen." Schließlich wollen wir noch folgendes bemerken: Josef II. hob 1783 das Vorrecht der Wiener Universität, nach welchem jene, die an derselben graduirt wurden, überall die Praxis ausüben konnten, während jene, die an anderen inländischen Universitäten graduirt wurden, in Wien nicht ihre Praxis ausüben dürften, auf (dasselbe wurde bekanntlich später wieder eingeführt.) Nun hatte Samuel Oppenheimer, ein Enkel des bekannten Hoffactors, den Doctorgrad in Utrecht erhalten, wohnte dann längere Zeit in Ungarn und unterwarf sich einer Prüfung beim Decan der medicinischen Fakultät in Pest, die er mit gutem Erfolge bestand. Hierauf begab er sich nach Wien, um da seine Praxis auszuüben, aber die Wiener medicinische Fakultät sprach sich dagegen aus. Doch der Kaiser rescribirte 12. Februar 1766, daß Oppenheimer die Befugniß habe, sowohl hier als in den gesammten Erbländern die praxim medicam unbeschränkt auszuüben. — Wie man übrigens weiß, hob Josef II. den Eid de immauulala coüceptioue bei Gelegenheit der Promotion auf. Jeuittelon. Wir plaudern aus -er Schule, in Scher) u«d Ernst. Bon Mauert. (Nachdruck verboten.) II. Selbst unter Zugabe feuriger Phantasie kann sich die jetzige Lehrergeneration schwerlich ein zutreffendes Bild von dem Leben, Streben und Idealismus der Schüler Haindorf's aus den drei ersten Decennien machen. — Damit soll dem späteren gewiß kein Abbruch geschehen; denn die Zeiten und Verhältnisse wirken bestimmend auf die Menschen ein, — und da scheint es, daß je schwieriger und unfertiger das geistige Arbeitsfeld, desto größer die Lust und Kraftentfaltung. Ein Versuch, durch Photographien den Gestalten einen faß licheren Ausdruck zu geben, dürfte sich empfehlen, um die Einbildung zu beleben und zu fesseln. Damit aber auch die Zeit während der Zurechtschiebung der Camera obscura und zwischen der Aufnahme der einzelnen Bilder ausgenutzt werde, dürfen die erläuternden Erklärungen nicht fehlen als würzende Zuthaten, die gleichzeitig Ruhepunkte dem Auge gewähren. Diese Art ist nicht neu, hat doch der Großmeister Jean Paul die Manier der ab- und auflösenden Erklärung zwischen den Holzschnitten der Zehn Gebote des Katechismus mit Glück und Berständniß eingeführt. — Da zogen sie hin, die Schüler Haindorf's in die Gemeinden, — leicht dahin, weil sie: „omnia mea mecum porto“ all ihr Besttzthum, leichte Börse, leichte Bagage mit sich führten. Aber sie waren und bleiben die Pioniere der Cultur in den Gemeinden ihrer Bestimmung — und das soll nicht unter die Füße von der Vergangenheit bedeckt werden. — Ihr Arbeitsfeld glich einer verwilderten Bodenstäche, bewachsen mit Gestrüpp von Hambutten, Schleen, Dornen aller Art und knorrigen Baumwurzeln, und bei der Urbarmachung ritzte sich mancher Arbeitslustige an den Dornen die Finger blutig: dazu wurde die Arbeit durck) die Feinde alles Neuen sehr erschwert und bei der urtheilslosen Masse verdächtigt. Es wurde wacker gegen die „Neulinge", die „Fabriklehrer" gehetzt, — wie das zweite Bild zeigen wird. — Dagegen nahmen auch wohlwollende Männer der Bildung, Muster der „Gesetzestreue", sich nicht nur des Instituts warm an, sondern suchten auch die jungen Lehrer in Gemeinden ihres Bereiches oder Einflusses zu verpflanzen. Zu diesen Männern zählte in erster Linie der in weiten Kreisen des Rheinlandes in ehrendem, dankbarem Andenken stehende ehemalige Vorsteher von Kerpen, I. Kaufmann zu Blatzheim, später bis zu seinem Hinscheiden Vorsteher von Köln. Einen gleichen Sinn bethätigten Rabbineu weithin anerkannter Bedeutung für das Judenthum. Die Schüler Haindorf's hatten also viel, sehr viel zu thun. Nicht etwa vieles und geregeltes Lernen in den Vorbereitungsjahren wohl aber das in der Anstalt angesachte

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