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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-03-23 · Heft 13 (23.3.1886) · p. Seite 202

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 13 (23.3.1886)
Date
1886-03-23
Page
Seite 202 (sequence 10)
Language
German
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m gefallen. Die Resultate dieser Sitzung sind unbekannt geblieben; dem Vernehmen nach soll die Verhandlung eine günstige gewesen sein. Was diese Commission betrifft, so beschäftigt sie sich vorläufig mit der Sammlung, Ordnung und Prüfung des riesigen Materials, welches ihr in der Frage für die Erweiterung der Niederlassungsrechte der Inden zu Gebote steht. Die „Commission" soll bereits die Gutachten sämmtlicher Gouverneure Rußlands in erwähnter Frage erhalten haben, von denen sämmtliche Gouverneure des „Ansiedlungsrayons" für die „Aufhebung" desselben, die übrigen meist für dessen Beibehaltung sich ausgesprochen haben. Da diese Frage eine baldige Beantwortung erheischt, so wird sie möglicher Weise außer der Reihe schon in der nächstfolgenden Generalsitzung erledigt werden. Dem Dr. Kantor'schen „Hajom" zufolge, wird dieser Tage in Plenar-Versammlung des Senats die Klage der Kinder jüdischer Soldaten, die vor 1874 im Heere gedient haben und nach der jüngsten Verfügung aus der Residenz ausgewiesen werden sollten, zur Verhandlung kommen und zwar zum letzten Male. Jetzt eben gelangt der neueste Erlaß aus dem Conseil des Ministeriums der Volksaufklärung vom 15. Dez. 1885 Nr. 18 568 zur Veröffentlichung, wonach den israelitischen Lehrerinnen, die bereits eine höhere pädagogische Lehranstalt absolvirten, die Erlaubniß ertheilt worden, Töchterschulen, doch nur für jüdische Mädchen, zu eröffnen; dafür ist diese Concession allen jüd. Lehrern von nun an entzogen worden. — Laut Nachricht des „Hamelitz" ist von Seiten des Kiew'schen Curators ein Befehl ergangen, das jüdische Lehrerseminar zu Schitomir bis spätestens 1. Juli er. zu schließen, und seine Zöglinge sollen nach dem Wilna'schen jüd. Lehrerinstitut übergeführt werden. Von den 35 600 Rbl., die diesem Institute jährlich aus der Lichtsteuer zur Verfügung standen, werden 20 jüd. Elementarschulen eröffnet werden. — Dem „Nowoski" schreibt man aus Dünaburg: Es wird daselbst demnächst eine jüd. dreiklassige Gewerbeschule eröffnet, die von der „Gesellschaft zur Verbreitung der Gewerbethätigkeit und des Landbaues unter den Juden Rußlands (Petersburg, Vorsitzender Poliakow) zum Andenken an die Krönung Ihrer Kais. Majestäten gegründet wurde und sollen den Zöglingen, außer der allgemeinen Elementarbildung, praktische Kenntnisse in der Drechslerei, Tischlerei, Schlosserei beigebracht werden. Die genannte Gesellschaft hat eine jährliche Subsidie von 1000 Rbl. dazu angewiesen. — „Hamelitz" berichtet, daß vr. L. Mandelstamm als Dozent an die Universität zu Kasan berufen worden ist. Abermals eine Auszeichnung, die in Rußland selten einem Juden verliehen wird. — Der „Woschod" schreibt, daß die „militärisch-medicinischeAkademie" zu Petersburg in den letzten Tagen vom Kriegsministerium eine dringende Zuschrift erhielt, worin verordnet wird: die jüd. Studirendeu, die bereits hier den Studien-Cursus beendet und noch kein Examen für die Reife bestanden haben, zur späteren Prüfung nicht eher zuzulaffen, als bis sie von diesem Ministerium die Erlaubniß dazu erhalten, damit, wie in der Akademie, so im Dienste, die Zahl der militärischen Aerzte nicht über 5°/o steige. Diese Akademie wurde im Schuljahre 1885 unter 832 Studenten von 47 Juden besucht und zwar befinden sich im I. Curs — 8, int II. —11, im III. — 6, im IV. — 8, im V. — 4 und int VI, 10 Juden. — Unter den 91 Zuhörerinnen der Petersburger weiblichen medizinischen Facultät sind 42 Israelitinnen, von denen 3 die jüd. Religion verlassen haben. Das Gymnasium für Mädchen in Kowno zählte im vorigen Jahre 206 jüdische und 178 christliche Schülerinnen, und dieses Jahr besuchen 195 jüdische und 216 christliche Mädchen dasselbe. — In Turek wird Anfangs Sommer von unserem bewährten Freunde Herrn I. S. Lubliner eine dreiklassige Schule für jüdische Knaben in seinem eigenen Hause mit Bewilligung des Kalischen Curators ins Leben gerufen. In dieser Schule, welche auch das „ Cheder" ersetzen soll, wird das Thora- und Talmudstudium u. s. w. und zwar klassenweise gepflegt, und die Kinder von 7 —14 Jahren sollen im Hebräischen, jüdischer Geschichte und dergl. und im Profanen in den russ. Gymnasialfächern vorschriftsmäßig unterrichtet werden. Sie soll eine Art Neligionsschule nach deutschem Muster sein, daher werden zwei deutsche Religionslehrer (Juden) angestellt. Wir begrüßen dieses Unternehmen um so freudiger, als es in Polen in seiner Art das erste sein wird, und wünschen in jeder Stadt Polens von gleich begabten Männern recht zahlreiche Nachahmung! — Turek, 2. März. (Privatmitth.) Unseren Glaubensgenossen in Finnland droht ein neues Unheil. Wie man ofsiciell aus der Hauptstadt Helsingfors au die Petersburger „Nvwosty" schreibt, fängt man a», sich wieder mit der „Judenfrage" hier zu beschäftigen, und zwar handelt es sich um die „gesetzliche Stellung der finnischen Juden". Die Regierungskreise wollen mit einem Worte momentan den Juden überall in Finnland, in Städten, wie auf dem flachen Lande, zu wohnen und Gewerbe zu treiben verbieten, weil mau eine andere als die bisher übliche Auslegung der Gesetze betreffs der Juden fand. Wir gehen auf den Kern der Sache ei». Diese antisemitische Agitation stützt sich auf die ersten Paragraphen der schwedischen Verfassung von 1772, in welchen bestimmt wird, daß alle Reichsangehörigen dem christlichen Bekenntnisse angehören müssen. Kein Jude durfte im Lande wohnen; als dann am Ende des 18. Jahrhunderts die Verfassung auch die Verhältnisse der Juden regelte, wurde de» Letzteren durch ein Gesetz vom 26. Januar 1782 (nicht 1779) gestattet, blos in Stockholm und in höchstens zwei oder drei größeren schwedischen Städten sich niederzulassen und Syna-

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