Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 13 (23.3.1886)
- Date
- 1886-03-23
- Page
- Seite 199 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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199 nach Jahren in Bezug auf die Bewegung und Verkümmerung wenn er sieht, wie unser Pöbel Kanaans Volk entmenscht!" der Gemüther so sagen könne wie Klopstock in seiner „Ode an Kaiser Josef": „Wen faßt des Mitleids Schauer nicht, (Lebhafter Beifall links, Redner wird von allen Seiten beglückwünscht.) (%>4A'K\x\xyywac fytX Deutschland. Berlin, 10. März. Die hiesige jüdische Gemeinde, welche eine Vermehrung des Synagogeudienstes namentlich für die Tage des Neujahrs- und Versöhnungsfestes in Aussicht genommen hat, beabsichtigt nun auch die Berufung noch eines Predigers, da die jetzt wirkenden Rabbiner und Prediger nicht mehr ausreichen. (Siehe Anzeige in dieser Nr.) — Der „B. B. - C." berichtet: Die Herzensgüte und die liebevolle Aufmerksamkeit der Kaiserin wird durch einen liebenswürdigen Zug illustrirt, der zugleich beweist, wie sehr die Monarchin gemeinnütziges Wirken zu schätzen und zu lohnen weiß. Bei dem diesjährigen Ordensfeste vermißte die Kaiserin unter den anwesenden Damen Frau Lina Morgenstern, die ebenfalls Inhaberin zweier Orden ist. Einige Tage darauf sandte sie ihre Palastdame Gräfin Hacke in die Wohnung der Frau Morgenstern, um zu erfahren, ans welcher Veranlassung diese dem Feste ferngeblieben sei. Als nun der Kaiserin gen eidet wurde, daß Frau M. seit einiger Zeit in leidendem Zustande sich befinde, ordnete sie sofort sorgsamste Pflege an und ließ der Patientin sagen, daß sie einen Aufenthalt in Italien für dringend nothwendig erachte; zugleich erklärte die Kaiserin in hochherziger Weise, sie werde es sich nicht nehmen lassen, alle daraus entstehenden Kosten aus ihrer Privat-Schatulle zu tragen. Frau Morgenstern hat dieses edle Anerbieten um so freudiger angenommen, als auch ihr Arzt schon längst einen Aufenthalt in Italien als bestes Curmittel empfohlen hatte, und wird demnächst, begleitet von ihrer jüngsten Tochter, in den sonnigen Gefilden des Südens Heilung von ihren Leiden suchen. Leipzig, im März. (Privatmitth.) Bekanntlich hatte ein Gericht Ruhestörer, welche die Vorlesung aus der Thora unterbrochen hatten, freigesprochen, da ein Rabbiner begutachtet hatte, die Vorlesung gehöre nicht zum eigentlichen Gottesdienst!!, eine Ansicht, die aufs leichteste schon durch die erforderliche Anwesenheit des Minjan als irrig sich erweist. Das Reichsgericht hat dagegen entschieden. Die Vorlesung eines Abschnitts der „Thora" (des Pentateuchs) vor versammelter jüdischer Gemeinde, im Anschluß an vorausgehendes und nachfolgendes Gebet, ist, wenn die betr. Gemeinde thatsächlich diese Thoravorlesung als einen Bestandtheil ihres j Gottesdienstes auffaßt, nach einem Urtheil des Reichsgerichts 3. Straff., vom 7. Januar 1886, auch rechtlich als einen Theil des jüdischen Gottesdienstes zu erachten und eine Störung dieser Thoravorlesung als Störung des Gottesdienstes aus § 167 des Str.-G.-B. zu bestrafen. Stuttgart, 6. März. (Privatmitth.) Die verstorbenen Elias Pslaum'schen Eheleute haben eine Stiftung gemacht, deren Erträgniß alljährlich am 11. Juli, dem Todestage der Stifterin, durch die israel. Oberkirchenbehörde an solche Israel. Gemeinden Württembergs vertheilt wird, die die Mittel zur Erhaltung ihres Kultus und Religionsunterrichts nicht aufbringen können. Frankfurt a. M., 7. März. Zur Bestätigung dessen, was in vor. Nr. aus Königsberg über die Absperrung Rußlands gegen ausländische jüdische Kaufleute berichtet worden, bringt die „Frkft. Ztg." folgende Zuschrift: Es dürfte allgemein interessiren, daß der hiesige russische Generalkonsul einem angesehenen Frankfurter Kaufmann, israelitischer Konfession, das Visa seines Passes nach Petersburg mit der Erklärung verweigert hat, daß laut höherer Weisung keinem ausländischen Israeliten ein Paß nach Petersburg visirt werden dürfe. Diese Maßregel scheint erst seit ganz kurzer Zeit in Kraft getreten zu sein. Nürnberg, im März. (Privatmitth.) Mit Recht wird der Mangel an Stipendien für jüdische Jünglinge tief beklagt. Bei den Christen dahier existiren deren so viele, besonders fürTheologie-Studirende, daß Viele damit ihre ganzen Studien durchzumachen vermögen, ohne den Geldbeutel ihrer Eltern stark in Anspruch nehmen zu müssen. Um so mehr ist rühmlich zu berichten, daß der kürzlich hier verstorbene Hopfenhändler Obermeyer einen Betrag von über 30000 Mark für gedachte Zwecke testamentirte, die bereits an den Vorstand der hiesigen Cultusgemeinde zur Verwaltung überantwortet sind. Gehet hin und thut ein Gleiches, möchten wir unseren Reichen zurufen. Bei dieser Gelegenheit sei auch berichtet, daß der hundertjährige Geburtstag Mendelssohns in der hiesigen Synagoge gefeiert worden, wobei unser allverehrter Rabbiner, Herr vr. Ziemlich, eine sachgemäße, erhebende Rede gehalten hat. Daß auch Fürth den Manen Mendelssohns den schuldigen Tribut gebracht, kann um so sicherer vorausgesetzt werden, als seiner Zeit der damalige Rabbiner in Fürth, R. Hirsch