Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 12 (16.3.1886)
- Date
- 1886-03-16
- Page
- Seite 188 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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188 weise derselben versenkt, so ist jede Gabe willkommen, die besonders die Frauen und die Jugend dem unvergänglichen Erbgute Israels etwas näher bringt. Eines hätten wir gewünscht, nämlich, daß die Reime nicht immer so gewöhnlich seien, wie sie hier angebracht worden. Bonn, 7. März. (Literarische Notizen.) Dr. M. Bock in Bukarest hat am 1. Febr. die erste Nummer einer neuen Zeitschrift in rumänischer Sprache erscheinen lassen, von welcher alle 14 Tage ein Heft ausgegeben wird: Rovistu Israelita. Das Ziel derselben ist die Besserung der Verhältnisse der dortigen Israeliten. — Der Hauptlehrer M. Deutschländer und der Schulvorsteher Berger in Hamburg beabsichtigen eine Wochenschrift belletristischen Inhalts als eine Art „Israelitisches Familienblatt" herauszugeben. Das Blatt, jeder religiösen Polemik sich enthaltend, soll an erster Stelle Erzählungen und Gedichte, historische Skizzen und Biographien enthalten, an zweiter Stelle eine knappe Chronik der Zeit, Pädagogisches und Bücherkritiken. Wir wünschen dem Unternehmen ein reichhaltiges Material und in diesem Falle eine weite Verbreitung. — Bon der auch in unserem Blatte ausführlich besprochenen Schrift des Di-. Kopp aus den Proceßakten Rohling gegen Bloch ist bereits die zweite Auflage erschienen. — Frankfurt a. M., im März. (Vorträge.) Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur sprach am Mittj woch Herr Rabbiner Di-. Horovitz über die jüdischen Aerzte! in Frankfurt bis zur französischen Revolution. Im Jahre 1358, 9 Jahre nach dem zweiten Untergange der Gemeinde, ließ sich hier Jakob von Basel nieder, der als ein Meister der Heilkunde galt. 1396 wurde als städtischer Wundarzt Salomon Flesch aus Regensburg angestellt, dem vom Rathe nicht nur eine Besoldung an Geld bewilligt wurde, sondern auch „6 Ellen Tuch von derselben Farbe und demselben Stoffe, wie die christlichen Aerzte tragen". Eine ganze Reihe berühmter Aerzte wird bis zum Beginn des 17. Jahrh. erwähnt. Auch israelitische Frauen betrieben die Heilkunst und zeichneten sich besonders in der Augenheilkunde aus. Gegen die allgemeine Zulassung der jüdischen Aerzte führten ihre christlichen Collegen und die Geistlichen Klage, was die Einsetzung einer besonderen Prüfungs-Kommission für jene zur Folge hatte. Als die Juden nach Niederwerfung des Fcttmilch'schen Aufstandes 1616 wieder feierlich in die Stadt eingezogen waren, wurde die Gemeinde hauptsächlich unter Leitung von Jakob Uri Schiff und Josef Hahn mit besonderer Berücksichtigung der Prinzipien der Humanität neu organisirt, und auch ein Gemeindearzt angestellt, der die Armen unentgeltlich zu behandeln hatte. Für diesen Posten wurde Josef Salomon del Medigo gewählt. Derselbe war 1591 in Candia geboren. Ein anderer berühmter Arzt war Abraham Wallich, der in Padua studirt hatte und medizinische Schriften hebräisch schrieb. Di-. Simonis gab eine hebräische Bibel mit lateinischen Glossen heraus, und der Arzt Anselm Worms verfaßte ein mathematisches Lehrbuch in hebräischer Sprache mit einer lateinisch geschriebenen Einleitung. Da verschiedene Schritte, die Juden nicht mehr promoviren zu lassen, erfolglos blieben, so setzte der Rath gegen Ende des 18. Jahrh. die Zahl der jüdischen Aerzte, welche ihre Praxis betreiben durften, auf drei fest. 100 Jahre vorher hatten fünf hier praktizirt. Auf Protest der jüdischen Gemeinde wurde später noch ein vierter zugestanden, und der Prozeß über diese Frage schwebte noch, als die französische Revolution hereinbrach und alle Beschränkungen der Juden hinwegschwemmte. VomNeckar, im Febr. (Neckar-Zeitung.) (Kunstgeschichtliches.) Ein jüdischer Bildhauer. In einem Bericht aus Laupheim über die im Monat Januar d. I. daselbst abgehaltene Mendelssohn-Feier wird auch darauf hingewiesen, daß sich dessen Portrait-Medaillon auf der östlichen Giebelseite des dortigen neuen isr. Schulhauses vorfinde. Dieses gelungene Werk stammt aus den Händen eines Künstlers, welcher am 3. Januar 1822 in Sontheim bei Heilbronn geboren wurde. Sein Name ist Albert Güldenstein und sein Aufenthaltsort schon seit 1849 Stuttgart. Er war zuerst Graveur in der Bruckmann'schen Silberwarenfabrik. Nach mehreren Jahren begab er sich als Ciseleur nach München l in das Atelier des berühmten Professors Schwanthaler da-! selbst, welcher ihn zur Ausführung von Bildhauerarbeiten verwendete. 1843 kehrte Güldenstem nach Stuttgart zurück und modellirte in der dortigen Kunstschule unter Professor Theodor von Wagner ein Relief, eine Scene ans der Süudfluth darstellend, was ihm ein Staatsstipendium zu einer Reise nach Berlin verschaffte, die er zur Bewerbung um de» von Michael Beer für Bildhauer israelitischer Religion behufs ihrer weiteren Ausbildung in Italien ausgesetzten Preis unternahm. Er erhielt solchen im Jahr 1845 und trat 1847 die Reise nach Rom an. In Italien vollendete er eine Thiergruppe, wozu er den Auftrag von König Wilhelm erhalte» hatte. Von seinen Arbeiten sind zu nennen: drei durch große Naturwahrheit ausgezeichnete Thiergruppen für die Wilhelma bei Stuttgart, (Hirsch, von Wölfen angefallen, Bären- und Schweinehatz), eine Triumphfontaine des Kaiser- Napoleon III., Sculpture» der Kreditbank in Zürich und der Figurenschmuck des Brunnens für die Villa des Kronprinzen bei Berg-Cannstatt.?') ') Ein Bruder dieses Bildhauers war der verstorbene Rabbiner Güldenstein in Buchau am Federsee, ein wahrhaft humaner und tüchtiger Seelsorger. Er nahm an der Rabbinecversammlung zu Frankfurt a. M (1845) thätigen Antheil. In unsrer Erinnerung lebt er als unser erster Correspondent, der gleich nach Erscheinen des ersten Heftes unsres „isr. Predigt- und Schulmagazins" einen begeisterten Brief an uns richtet-'. Er studierte damals (1831) jüdische Theologie in Tübingen. Wie oft sprach er seine Freude über die schönen Erfolge seines Bruders, des Bildhauers, aus! Red.