Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 12 (16.3.1886)
- Date
- 1886-03-16
- Page
- Seite 187 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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187 Gesellschaft thätigen Factoren besprochen. Jnr zweiten Hefte giebt er uns „Cultus und Recht aus der (vorchristlichen) Vergangenheit Frankreichs", zuletzt „die Treue in deutschen Sprüchen und Sprüchwörtern", dazwischen, anknüpfend an Ratzinger und Riehl, dann an Schmoller, Skizzen, die uns speciell interessiren, wie die Abtheilung „confessionelle Vornrtheile" und „Einiges über Eduard Lasker", eine Abhandlung, die auch separat erschienen ist und die wir im vorigen Jahrgang besprochen haben. Sicherlich tragen diese „Studien und Streifzüge" zur Reinigung und Klärung der geistigen Atmosphäre unserer Zeit bei, welche durch Parteileidenschaft, Einseitigkeit und Uekerhebung mit so vielen Dünsten angefüllt worden. — Wir haben aus dem vorigen Jahre noch die dem Jahresbericht des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau vorangeschickte Abhandlung: „Reime und Gedichte des Abraham Jbn Esra von Dr. David Rosin" (Breslau, Ichottländer 1885) nachzuholen. Sie ist als Heft I einer umfassenden Arbeit anzusehen, deren weitere Ausführung hoffentlich nicht lange auf sich warten läßt. So viel auch schon über die poetischen Schriften des genannten Autors geschrieben worden, so besitzen wir doch noch keine vollständige Ausgabe selbst der noch vorhandenen Poesien desselben, da erst neuerdings eine Ergänzung aufgefunden worden. Di-. Rosin schickt die von Abraham Jbn Esra selbst geschaffene Uebersicht der in Spanien üblichen hebräischem Versmaße voraus, deren 15 aufgeführt werden, die also eine vielfache Abwechselung darboten. Es folgen dann in der ersten Abthcilung „außergottesdienstliche Poesie", und zwar -r) Reime und Verse im Anfänge oder am Schlüsse der literarischen Arbeiten Abraham Jbn Esra's, wie z. B. vor und hinter seinem Commentar zu Kohelet, Klageliedern, Esther, Jesajah und besonders „gereimteEinleitung zum Pentateuch-Commentar", immer kritisch verbesserter Text und Uebersetzung. Im letzteren behandelt der Autor die verschiedenen Auslegungsweisen der Heilgen Schrift in kritischer Weise. Wirklichen poetischen Werth können wir diesen Poesien nicht zuschreiben; sie sind vielmehr nüchterne Aussprüche, eingekleidet in das Versmaß; nur hier und da wird der Gedanke durch ein Bild oder einen Vergleich belebt. Aber sie sind wichtig, weil sie uns die Ansichten Abraham Jbn Esra's recht prägnant vorführen und uns über seine Schicksale, namentlich die Stätten, wo er auf seinen Wanderungen längere Zeit seinen Wohnsitz aufgeschlagen und seine Schriften verfaßt hat, Aufschlüsse geben. Man sieht, wir stehen erst am Anfänge der umfassenden Ar- 1 beiten Rosin's. — „Der Pentateuch für den Schulgebrauch.! Urtext, Uebersetzung neben dem einzelnen Worte oder Satze,! Erklärung und Präparation. Nebst einem Anhänge: Das! Wichtigste aus der hebräischen Elementar- und Formenlehre. Bon Di. H. Sondheimer, Bezirks-Rabbiner in Heidelberg. Frankfurt a. M.. I. Kauffmann, 1886." Die Auswahl der! Stücke ist nach den Bestinimungen des großherzoglich badischen israelitischen Oberraths getroffen und nur durch einige Kapitel ergänzt. Der Zusammenhang ist überall gewahrt durch Inhaltsangabe aller Kapitel und durch Beigabe der Präparation zu allen nicht aufgenommenen, also nicht übersetzten Kapiteln. Die beigesügten Erklärungen sind passend für die Jugend abgefaßt, und die Elemente der hebräischen Grammatik am Schluffe des Werkes zweckmäßig. So wird dieses im Druck bestens ausgesührte Buch für den Unterricht im Pentateuch sowohl in der Schule, als beim Privatunterricht aufs Nützlichste verwendet werden. In beschränkterem Maße verfolgt dasselbe Ziel „Neue Präparation zu einer Auswahl von Kapiteln aus dem 1. Buche Mosis für den ersten Uebersetzungsunterricht in der jüdischen Religionsschule von Di-. W. Mattersdorf, Schuldirigent a. D. Gleiwitz, Selbstverlag." Außer daß sich dies Büchlein nur auf das 1. Buch Mosis beschränkt, bringt es auch nicht Text und Uebersetzung, sondern nur die hebräischen Wörter und deren Uebersetzung nach bestimmter Methode, die im Vorwort auseinandergesetzt ist. — Von dem „Leitfaden zum Religionsunterrichte der israelitischen Volks- und Bürgerschuljugend von E. Bondi (Brünn, Epstein. 1885)" ist die zweite verbesserte Auflage erschienen. Es wird darin, für die Jugend angemessen, die biblische Geschichte bis zur Zerstörung Jerusalems erzählt und mit jeder Erzählung die religiöse und sittliche Belehrung in etwas ausführlicher Weise hinzugefügt. Der Religivns- und biblische Geschichtsunterricht ist somit hier verbunden. Der Prediger Lion Wolfs in Berlin, der früher ein ausführliches Handbuch für Vorbeter über alle gottesdienstlichen Ceremonien verfaßt hat, sorgt noch weiter für dieselben, indem er soeben eine „Hochzeits-Agende" (Berlin, Selbstverlag, 1886) herausgegeben, in welcher er nicht bloß die Trauungsceremonie beschreibt, sondern auch Traureden und sogar Toaste und Tischreden mittheilt, dem fügt er auch eine „Trauung- Agende" in prächtiger Ausstattung hinzu. Seine Fürsorge geht so weit, daß er vor den Segenssprüchen noch Ansprachen für den Rabbiner an das Brautpaar abgefaßt hat. Immerhin wird das Büchlein vielen Vorbetern willkommen sein. — Wir schließen heute mit der Empfehlung eines auch typographisch schön ausgestatteten Büchleins: „Der Psalter im Auszuge metrisch bearbeitet von Dr. Julius Landsberger, Rabbiner an der Gemeinde Adath Jeschurun in Berlin (Berlin, Peiser, 1886)." Vierzig der schönsten Psalmen, metrisch bearbeitet, d. h. im Versmaß und Reim. Sehen wir von den schon oft besprochenen Mängeln jeder metrisch und gereimten Bearbeitung althebräischer Gesänge ab, so können wir das vorliegende Schriftchen nur loben, da die Verse fließend und dem neuern Geschmack angepaßt sind. Da die jetzige Welt die h. Schrift so selten zur Hand nimmt, und noch seltener sich in den Geist und damit in die Ausdrncks- 12*