Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 12 (16.3.1886)
- Date
- 1886-03-16
- Page
- Seite 186 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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186 für den konservativen Candidaten gestimmt hatten. Unter den Wählern, welche für Durant gestimmt hatten, befanden sich einige Hannoveraner, welche behaupteten, daß sie, obwohl nicht naturalisirt, britische stimmberechtigte Bürger seien, weil sie selbst oder ihre Väter während der Zeit geboren wurden, wo Hannover (bis 1837) einen Bestandtheil der englischen Krone ausmachte. Die Wahlrichter Denmann und Field hielten sich nach langer Erwägung nicht für Competent, diese Frage auf eigene Faust zu entscheiden, und verwiesen dieselbe an den obersten Appellhof. Der Wahlproceß Jsaacson contra Durant, dessen Ausgang lediglich von der Entscheidung des Appellhofes über das Stimmrecht der Hannoveraner abhängt, hat die Frage angeregt, ob nicht eine Abänderung der Reformakte mit Bezug auf Ausländer nothmendig sei. Australien. Sydney, im Jan. (Privatmitth.) Bor 50 Jahren erhielten Sie, wie Sie wiederholt mitgetheilt haben, eine gedruckte Einladung von hier, durch welche die damals hier angesiedelten Juden zu einer Versammlung berufen wurden, in welcher über die Herstellung von Mazzoth berathen werden sollte. Seitdem haben die Dinge sich anders gestaltet. Die jüdische Bevölkerung ist sehr angewachsen; fast in allen Städten der großen Insel erheben sich ansehnliche Synagogen. Daher ist das Bedürfniß nach Mazzoth recht groß. Da hat sich nun eine Association zur Herstellung von Mazzoth hierselbst mit einem Kapital von 3 000 Lst. (bOOOO M.) gebildet, die in Cudal eine Mühle und Bäckerei unter strenger Aufsicht angelegt hat, welche ihre treffliche Waare von hier über ganz Australien und nach den Kolonien auf der Südsee versendet und einen bedeutenden Absatz findet. Bonn, 7. März. (Notizen.) Aus Berlin wird uns geschrieben: Der um die jüdische Literatur mannigfach verdiente vr. M. Steinschneider vollendet am 30. März d. I. sein siebzigstes Lebensjahr. — Aus Temesvar wird berichtet: Die israelitische Gemeinde der Vorstadt Fabrik, der von einer orthodoxen Fraktion viele Verlegenheiten bereitet worden, beschloß, sich als stutus-guo-Gemeinde zu constituiren. — In der Gemeinde Esern ö wurde am 24. d. M. der dortige israelitische Einwohner Jakob Schreyer zum Gemeinderichter gewählt. — Aus Fürth vom 28. wird geschrieben: Heute wurde hier unter regster Betheiligung der Bevölkerung, der städtischen und der staatlichen höheren Beamten unser nach kurzem Leiden im 58. Lebensjahre verschiedener Mitbürger Herr Jacob Mohr zu Grabe getragen. Der Verstorbene, seit mehr als 20 Jahren dem städtischen Gemeinderath als Schriftführer angehörig, fast ebensolang Verwaltungsmitglied der israelitischen Kultusgemeinde, Mitglied des Theater- Comitös und seit 1870 mit dem Ehrenamte eines Handelsrichters betraut, war ein Mann entschieden freisinniger Gesinnung, der sich durch sein unermüdliches Schaffen für das allgemeine Wohl Anerkennung und Dank seiner Mitbürger erworben hat. — Aus Wien berichtet man, daß der dortige Großhändler Leopold Freiherr v. Popper-Prodagy in San Remo 65 Jahre alt gestorben ist. — Derselbe, i. I. 1821 in Hlinik (Treucsiner Comitss) geboren, hat sich von kleine» Anfängen unter schweren Kämpfen zu einem bedeutende» Industriellen emporgeschwungen: er zählte zu den ersten Holzindustriellen Oesterreich-Ungarns, welcher ausgedehnte Waldungen in Ungarn und Galizien besaß und in seinen Holzsäge-Fabriken mehrere tausend Arbeiter beschäftigte. Er hatte stets ein lebhaftes Interesse für jüdische Angelegenheiten — im ungarischen Kongresse wurde er zum Bice-Präsidenten gewählt — und war wegen seiner Wohlthätigkeit in weiteren Kreisen bekannt. — Aus Pest wird uns geschrieben: In Neu-Pest starb den 1. d. M. die Wittwe Debora Klein in dem seltenen Alter von 116 Jahren. In ihren jungen Jahren verlor sie ihren Mann und war im Alter nicht mehr im Stande, sich seiner zu erinnern. In den letzten Jahren war sie an Geist und Körper völlig gebrochen und auf die Unterstützung guter Menschen angewiesen. — In Kaiserslautern wurde die neuerbaute Synagoge unter allgemeiner Theilnahme der Bevölkerung feierlich eingeweiht. Das sehr gelungene Gebäude gereicht der Stadt zur Zierde. Bonn, 24. Februar. (Literarische Notizen.) Im Jahre 1884 gab vr. Leonhardt FreundZ ein erstes Heft „Studien und Streifzüge aus socialwissenschaftlichen, juristischen und naturhistorischen Gebieten" (Leipzig, Fock) heraus, und diesem folgte jüngst ein zweites Heft (Leipzig, Pfau, 1885). Herr vr. Freund besitzt in den genanten Wissenszweigen eine außergewöhnliche Belesenheit, mit welcher er einen vorzüglichen Scharfblick verbindet, der, auf einer festen wissenschaftlichen Ueberzeugung fußend, die Vorzüge und Mängel eines Schriftstellers leicht herauszufinden und zu beurtheilen versteht. Was ihm jedoch abzugehen scheint, ist die Kraft, sich zu concentriren und seine Beobachtungen übersichtlich zu gruppiren. Wir erhalten von ihm deshalb eine Menge bemerkenswerther Apercus, welche die Lectüre seiner Schrift interessant und spannend machen, nicht aber ein klares und vollständiges Bild von dem Autor und dem Gegenstände, die er behandelt. Im ersten Hefte bespricht er zuerst Lorenz Stein und Rudolph Gneist, dann zur Formenlehre der Herrschaftsprincipien, wo er ebenfalls an eine.Schrift „Herrschaft und Priesterthum" anknüpft. Es werden darin alle in der I) Im vorigen Jahrgang S. 683 ist irrthümlich der Voruanic dieses Schriftstellers „Bernhardt" angegeben.