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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-03-16 · Heft 12 (16.3.1886) · p. Seite 181

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 12 (16.3.1886)
Date
1886-03-16
Page
Seite 181 (sequence 5)
Language
German
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181 Das verflossene Verwaltungsjahr zeigt eine Einnahme von 68100 fl., welcher 54900fl. als Ausgaben, darunter LZ 000 fl. für Bestattungs-Beitrag, 8500 fl. für Medikamente, 3900 fl. für Berpflegsgelder und 1990 fl. für außerordentliche Unterstützungen, gegenüberstehen. Der Reservefond erhöhte sich um 13000 fl. Und so schließen wir unseren diesmaligen Bericht mit einem Vereine, der sich über ganz Deutschland erstreckt, ein Erzeugniß des modernen Geistes in Herstellung und Organisation zu den weitgreifendsten Wohlthätigkeitszwecken. Unsere Leser wissen, welche Schwierigkeiten mit der Unfallversicherung Staat und Gesellschaft zu überwinden haben. Jedenfalls ist es erkannt worden, daß dieselbe am ehesten durch die Bereinigung von Berufsgenossen durchgeführt werden kann. Und eine solche Unfallsversicherungs-Anstalt für die jüdischen Lehrer im Falle von Krankheit oder Invalidität und für deren Wittwen und Waisen ist die 1864 gegründete Achawa. Der 21. Rechenschaftsbericht für das Jahr 1885 liegt vor uns und wir entnehmen dem Vorwort folgende Stelle. „Unserem Berichte für das abgelaufene Jahr 1885 können wir zu unserer großen Genugthunng die Bemerkung vorausschicken, daß sich die Thätigkeit unseres Vereins immer erfreulicher und segensvoller entfaltet. An Jahresunterstützungen (Pensionen) vertheilten wir die Summe von Mk. 8060 unter 53 Petenten mit 65 Theilen zu Mk. 124, während die im Laufe des Jahres aus dem Reservefond verabreichte Summe Mk, 850 betrug. Die zur Vertheilung gelangte Gesammtsumme betrug demnach am Ende des Jahres Mk. 8910 (gegen Mk. 8520 im Jahre 1884.) Von den aus dem Reservefond oder mit Jahrespensioncn Unterstützten entfallen auf Anhalt .... 1 Preußen: Baden .... 8 Prov. Brandenburg . 2 Bayern .... 17 „ Hannover . . 3 Großherz. Hessen . 8 „ Hessen-Nassau . 17 Hamburg .... 1 „ Rheinland . . 2 Koburg .... 1 „ Sachsen ... 1 Lippe.3 „ Schlesien... 2 „ Schleswig-Holstein 1 „ Westphaleu . . 2 69 In den 21 Jahren ihres Bestehens hatte somit die Achawa die Summe von Mk. 108188 zur Vertheilung gebracht (s. vorj. Ber.) Nach Abzug der obenerwähnten zu Pensionen verwendeten Mk. 8060, die auf Rechnung des Jahres 1886 zu stellen sind, beträgt das Vereinsvermögen heute Mk. 138 316. — Unter den uns überwiesenen Gaben haben wir mit besonderem Danke zweier Legate zu gedenke», welche ein hochherziger Gönner der Achawa, der am 28. Januar 1885 in Bamberg verstorbene Lehrer, Herr Selig mann Heßlein, unserer Bereinskasse bestimmte. Das eine im Betrage von Mk. 2000 wird erst nach dem Ableben einiger Verwandten des Erblassers der Achawa zufallen, das andere im Betrage von Mk. 5060 gelangte nach Abzug der Erbschaftssteuer am 4. Juni vorigen Jahres zur Auszahlung." Außerdem fielen dem Vereine noch viele Spenden von geringerem Betrage zu." — Mögen Leser und Berichterstatter sich recht bald wieder auf diesem Gebiete treffen! Der Lieg des Rechtes. Vier Jahre im Kerker — drei Male vor dem Schwurgericht — drei Male zum Tode verurtheilt — und dennoch freigesprochen, ja in ehrenvollster Weise freigesprochen! Aus Krakau kommt die Nachricht, daß das Ehepaar Ritter heute in Folge Auftrages des Cassationshofes freigelassen worden ist. Die Eheleute Ritter sind bekanntlich von dem Krakauer Schwurgerichte dreimal wegen Mordes zum Tode verurtheilt worden. Zweimal hob der Cassationshof dieses Erkenntniß auf und ordnete eine neue Verhandlung an. Wie aus der Enthaftung der Angeklagten hervorgeht, hat der Oberste Gerichtshof nunmehr dieselben freigesprochen. Dieses Erkenntniß, das in geheimer Sitzung gefällt wurde, konnte nach der Strafproceß-Ordnung nur einstimmig und mit Zustimmung des General-Prokurators erfolgen. Die Eheleute Ritter wurden am 10. März 1882 in Haft genommen; nahezu vier Jahre also haben sie die Leiden des Gefängnisses und die Aufregungen der gerichtlichen Procedur erduldet, bis der Sieg des Rechtes ihnen die Freiheit gebracht hat. Ueber den Freispruch wird ans Wien telegraphirt: Die Plenarversammlung des Obersten Gerichtshofes, in welcher diese Entscheidung gefällt wurde, fand unter dem Vorsitze des zweiten Präsidenten Dr. v. Stremayr statt. Die nicht öffentliche Verhandlung währte bis in die späten Nachmittagsstunden. Der Vertreter der Generalprokuratur Hofrath Simonovics beantragte die Cassirung des Urtheiles und den sofortigen Freispruch. Er wies auf die vielfachen Widersprüche in den Aussagen der Belastungszeugen, auf die Unstichhaltigkeit des Beweismateriales hin und begründete im Uebrigen seinen Antrag in gleicher Weise, wie er es bereits aus Anlaß der Plenarversammlung gethan hatte, in welcher der zum zweiten Male über die Eheleute Ritter gefällte Schuldspruch Gegenstand der Berathung war. Zum sofortigen Freispruche ist die Einstimmig-

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