Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 12 (16.3.1886)
- Date
- 1886-03-16
- Page
- Seite 180 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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180 Beiträgen. An Geschenken gingen im verflossenen Jahre 3408 Mk. ein. Das Vereinsvermögen beziffert sich auf ca. 27100 Mk. 193 Knaben würden mit Kleidern versehen. — In Königsberg i. P. feierte das dortige „Israelitische Waisenhaus für Stadt und Provinz" das 25 jährige Bestehen, wozu eine „Festschrift zur Erinnerung" vom Vorstande ausgegeben ward. Es bewirkt stets ein erhebendes Gefühl, wenn man eine überaus segensreich wirkende Anstalt aus kleinem Anfang zu immer größerem Umfange anwachsen sieht. Ja, wenn ein solches Unternehmen auch nur mit geringen Mitteln, aber mit voller Energie und Begeisterung begonnen wird, so kann man eines steten Wachsthums gewiß sein. Nur da schlägt es fehl, wo die Mittel gar nicht vorhanden, oder wo der Eifer bald wieder erlischt. Im Jahre 1861 sammelten zwei Männer einige Gelder, und brachten vier Waisenkinder als Pensionäre unter. Jetzt besitzt die Anstalt ein ansehnliches Gebäude in welchem 25 Waisenkinder beiderlei Geschlechts, natürlich in getrennten Flügeln, unterhalten und erzogen werden. Einnahmen und Ausgaben balancirten sich für 1885 auf Mk. 14 792 und das Vermögen beziffert sich auf Mk. 141 485. Möge die Anstalt auch weiterhin in ihren Mitteln und ihrer Wirksamkeit wachsen. — Ueber eine 25 jährige Thätigkeit hat auch gegenwärtig der „Israelitische Unterstützungsverein zu Worms" zu berichten. Dem Verein ist es vollständig gelungen, die Hausbettelei auf das geringste Maaß zu reduciren, und für die Armen der Stadt und Umgegend genügend zu sorgen. Er hat ein bestimmtes Lokal und eine bestimmte Tageszeit für die Vertheilung der Gaben festgestellt, welche durch die Mitglieder einer Commission geschieht. Bemerkenswerth ist jedoch, daß die Einnahmen des Vereins in diesen 25 Jahren sich nicht viel geändert haben. 1861 kamen Mk. 2 555 ein und 1885 Mk. 2685. In einzelnen Jahren überstieg die Einnahme 3000 Mk. Hiernach richteten sich nun auch die Ausgaben. Der Fond beträgt Mk. 8624. Der Bericht hat leider zu beklagen, daß eine große Zahl Gemeindemitglieder sich des Beitritts enthalten, sich also die Wohlthaten des Vereins gefallen lassen, ohne die Lasten desselben zu tragen. — Der Israelitische Unterstützungsverein zu Wiesbaden, der seit dem Jahre 1872 die löbliche Gewohnheit angenommen, einen Jahresbericht zu veröffentlichen, hat dagegen die Freude, im letzten Jahre allein 29 neue Mitglieder gewonnen zu haben. Er wendete im vorigen Jahre 2851 M. zu Wohlthätigkeitszwecken an und konnte doch noch 1200 M. dem Grundstöcke hinzufügen, der jetzt Mk. 8032 beträgt. Im vorigen Jahre erhielten die Armen der Stadt Mk 1023, die der Umgegend Mk. 248; dagegen arme und kranke Fremde Mk. 1570. — In erfreulichem Wachsthum befindet sich auch das jüdische Kurhospital im See-Sool- und Moorbade Colberg. Es hatten im verflossenen Jahre 180 Personen die Aufnahme in das Hospital nachgesucht, von welchen 98 ganz unentgeltlich ausgenommen und verpflegt wurden. Die Einnahmen betrugen Mk. 8141, die Ausgaben Mk. 7 246. Außerdem erhielt das Hospital ein Kapital von lOOOO Mk. von Herrn Jacob Israel in Berlin bei Gelegenheit seines 50 jährigen Geschäftsjubiläums. Dadurch ist der Fond auf Mk. 21100 gestiegen. — Einen ganz speciellen Zweck verfolgt der israelitische Armen-Holz-Vereiu in Homburg vor d. Höhe. Seit 1818 fährt er jährlich fort, die Armen mit Feuerung zu versehen, die freilich jetzt nicht mehr in Holz, sondern in Steinkohlen besteht. Die Einnahmen beliefen sich 1885 auf Mk. 910, die Ausgaben auf Mk. 601. Das Vermögen des Vereins stieg auf Mk. 5489. In der Einleitung des Jahresberichtes spricht sich der Vorstand dahin aus, daß er, ermuthigt durch den schönen Fortgang des Vereins, an Unternehmungen zu anderweitigen Wohlthätigkeitszwecken denke. — Eines der schönsten Zeugnisse für den Wohlthätigkeitssinn unserer Zeit ist das „allgemeine österreichische israelitische Taubstummeninstitut" in Wien, das soeben seinen 32. Bericht ausgegeben hat. Wir brauchen zum Lobe dieser Anstalt, welche Vorbild und Lehrmeisterin für andere ähnliche Institute geworden, nichts mehr zu sagen, da wir ihr in diesen Blättern eine stete Aufmerksamkeit gewidmet haben. Mancherlei Spenden hat dieser Bericht auch für das verflossene Jahr zu verzeichnen und ist es endlich dahin gekommen, daß 15 Provinzialgemeinden einen Jahresbeitrag leisten. So balanciren Einnahmen und Ausgaben mit Florins 35 429. An der Spitze des Instituts steht immer noch der Direktor Herr Joel Deutsch, kaiserlicher Rath, der dasselbe begründet und mit so vielem Erfolge bis jetzt geleitet hat. Es schieden in diesem Jahre 23 Zöglinge aus, wogegen 19 ausgenommen wurden. Die Zahl der Zöglinge betrug 94 und zwar 59 Knaben und 35 Mädchen, 7 derselben entstammen dem Auslande.— Was ein auf Gegenseitigkeit begründeter Verein zu leisten vermag, das bezeugt der „Zion" in Pest. Er hielt am 20. d. unter Vorsitz des Präses Herrn H. Sinaiberger seine ordentliche Generalversammlung, in welcher die Bilanz und die Schlußrechnung, sowie der Jahresbericht zustimmend zur Kenntniß genommen wurden. Aus dem Berichte geht hervor, daß der Verein, der nun 35 Jahre besteht, seit seiner im Jahre 1875 erfolgten Umgestaltung an Popularität derart zugenommen hat, daß die Zahl der Mitglieder von 1100 auf 3200 und der Reservefond von 59000 fl. auf 129000 fl. gestiegen sind. Während dieser Zeit wurden für direkte Bedürfnisse der Mitglieder 408 600 fl., hiervon als Bestattungs-Beitrag a 500 fl. an 376 Wittwett 188 OoO fl. verausgabt und dem Reservefond 73 300 fl. zugeführt. Im letzten Triennium sind 142 100 fl. für Mitglieder Bedürfnisse, 73500 fl. für Bestattungs-Beitrag ausbezahlt und der Reservefonds ist um 2100 vermehrt worden.