Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 11 (9.3.1886)
- Date
- 1886-03-09
- Page
- Seite 165 (sequence 5)
- Language
- German
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165 gesetzten Jnspicirung zu „verreisen", obgleich er nicht nur von derselben amtlich unterrichtet war, sondern ich auch ausdrücklich nach dort geschrieben, daß es sich meinerseits nur darum handele, der Prüfung beizuwohnen, ohne persönlich irgendwie in den Gang derselben einzugreifen. Die Bitte des Vorstandes, auch trotz der Abwesenheit des Lehrers die Jnspicirung vorzunehmen, glaubte ich aus sachlichen wie persönlichen Gründen ablehnen zu müssen, es dem Vorstande überlassend, seine und des Verbandes Autorität diesem Lehrer gegenüber zu wahren. Inzwischen ist die Stelle zur Neubesetzung ausgeschrieben worden, ob in Folge Entlassung oder Kündigung des Lehrers selbst, weiß ich nicht. Ohne in dem vorjährigen Jnspectionsplane aufgeführt zu sein, sind noch die Schulen zu Tapiau, welche Gemeinden im abgelaufenen Jahre dem Verbände beigetreten sind, inspicirt worden. Der Jnspectionsplan für das laufende Schuljahr umfaßt 26 Gemeinden. An den diesjährigen Jnspicirungen waren außer mir 7 Mitglieder unserer Schulinspection betheiligt, und zwar die Herren Ahrenfeld, Rülf, Scherbel, Sturmann, Tonn, Weinberg, Wolffberg, und es ist mir eine Freude, meinen Herren Mitarbeitern nicht nur für die diensteifrige Hingebung, mit der sie der Aufforderung Folge leisten, meinen Dank auszusprechen, sondern auch für die sachgemäße Ausführung ihres Commissariums mein Compliment zu machen. Die Berichte, die die Herren mir erstattet, zeugen von einem tiefen Verständnisse der Zielte, die wir durch die Jnspection anstreben und enthalten reiche Winke zur Erreichung derselben. Ebenso darf ich den Gemeinden wie deren Vertretungen das Zeugniß ausstellen, daß sie diese Jnspicirung der Schule mit dem wärmsten Interesse verfolgen und sich fast durchgehends bemühen, dieselbe fruchtbar zu machen. Den Jnspicienten als den Gast der Gemeinde betrachtend und ihn mit persönlichen Aufmerksamkeiten überhäufend, zeigen sie das Interesse an der Jnspicirung noch dadurch in höherem Maaße, daß ein großer Theil der Gemeinde, Männer und Frauen, derselben beiwohnt und ihren Gang mit Aufmerksamkeit verfolgt. Gerade hierdurch ist dem Jnspicienten Gelegenheit gegeben, berechtigte Wünsche zum Ausdrucke zu bringen und der Gemeinde wirkungsvoll an das Herz zu legen. Ich kann sagen, die Schulinspicirungen haben sich in unserer Provinz bereits eingebürgert, und kommt man ihnen mit vollem Vertrauen und voller Würdigung ihrer Bedeutung, ihres Einflusses entgegen. Dieses Entgegenkommens bedürfen wir aber in hervorragendem Maaße. Denn die seit langer Zeit eingewurzelten, wenn auch ost durch die Verhältnisse hervorgerufenen Schäden, gegen die wir ankämpfen, können selbst durch monatliche Jnspicirungen nicht im Handumdrehen beseitigt werden, und so wollen wir uns nicht verhehlen, daß die Arbeit eine gar schwere, die vereinten Kräfte der Gemeinden, Vorstände, Eltern und Lehrer erfordernde ist und wir nur schrittweise vorwärts gelangen können. Und so, meine Herren, werden sie nicht erwarten, daß das Bild unserer Schulen, wie ich es, die gedruckte Tabelle erläuternd. Ihnen nunmehr zu geben beabsichtige, heute schon ein helles, freundliches und befriedigenderes sein werde. Von den 16 diesmal in Betracht kommenden Orten sind nur 6 in der Lage und seit Jahren gewohnt, einen wirklichen Lehrer zu besitzen, indeß die überwiegende Mehrzahl auf „Nothbehelf" angewiesen sind. Es wäre aber Unrecht, wollte ich verschweigen, daß gar mancher dieser „Zufallslehrer" durch reiches hebräisches Wissen, durch außergewöhnliche Begabung im Vereine mit Bildungsfähigkeit und ernstem Streben Vortreffliches leistet und selbst durch die Macht des Wortes auf die jugendlichen Gemüther einzuwirken weiß. Aber es sind dies immerhin Ausnahmen. Im Allgemeinen haben wir es hier mit einem Faktor zu thun, auf den wir noch für unübersehbare Zeit angewiesen sein werden, außer wenn eine toree majeure, wie die gegenwärtige Regierungs-! Maßregel, hier einen Wandel schafft, eine Maßregel, deren! Härte zunächst einen etwaigen Nutzen bei Weitem übersteigt! und die uns für den Augenblick Calamitäten bereitet. Dazu! kommt, daß es nicht immer gerade die Untüchtigsten jener! Lehrerkategorie sind, die das Schicksal der Landesverweisung ereilt, indeß gar Mancher, der geradezu einen Schaden bedeutet, in Folge rechtzeitig erlangten Jndigenats unbehelligt weiter amtirt. Im Uebrigen verweise ich hierüber auf den Bericht der „Commission zur Gründung eines Lehrerseminars", aus dem sie ersehen werden, wie die Erfüllung dieses langersehnten Wunsches, von dem wir gründliche Abhülfe erhoffen, sich nunmehr ihrer Realsirung genähert hat. Was die „Schulaufsicht (IV) betrifft, so finden wir eine eigentliche Schulcommission oder einen speciellen „Schul- Vorsteher" nur in 8 von diesen 16 Gemeinden, an zwei Orten soll auf unsere Anregung hin eine solche Einrichtung für das gegenwärtige Jahr ins Leben treten, in den übrigen Orten ruht die Beaufsichtigung der Schule direct in den Händen des Gemeindevorstandes, der sie mit größerem oder geringerem Interesse wahrnimmt. Wenn ich auch gerade in zwei Gemeinden, die einer nominellen Schulaufsicht entbehren, vortreffliche Leistungen vorgefunden habe, der Lehrer selbst eine gewissenhafte Controle übt: der einheitlichen und gleichmäßigen Durchführung dieser Institution, die, neben der Controle des Lehrers, die der verständige Lehrer gern anerkennt, in erster Reihe dem Lehrer wirksam zur Seite stehen soll, muß unsere besondere Aufmerksamkeit nach wie vor gewidmet sein. Wahrhaft erfreulich ist die Betheiligung der Jugend am Unterrichte. Von 322 als schulpflichtig angegebenen Kindern besuchen 317 die Ortsschule, haben zwei ausreichenden Privat-