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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-03-02 · Heft 10 (2.3.1886) · p. Seite 156

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 10 (2.3.1886)
Date
1886-03-02
Page
Seite 156 (sequence 12)
Language
German
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156 Tage desselben vergeblich auf den Frühregen gewartet habe. In den letzten Tagen dieses Monats hat die merkwürdige Naturerscheinung eines massenhaften Sternschnuppenfalls stattgefunden. Es waren mit einem Blick 3, 4 und 5 dieser schießenden Sterne zu sehen. Einige Beobachter zählten ihrer vierhundert in einer Viertelstunde. Der Anblick dieser Meteore war durch einen krystallhellen Himmel begünstigt. Viele derselben waren glänzend wie eine Rakete und hinterließen einen Schweif, der erst allmählig verschwand; andere waren kurz und schnell vorübergehend. Auf die Muhamedaner haben diese schießenden Sterne einen mächtigen Einfluß geübt. Am folgenden Tag nach der Naturerscheiuung bedeckte sich der Himmel mit Gewölke. Am 1. Dez. fiel ein stärkerer, anhaltender Regen. 2. Gesundheitliches. Der Gesundheitszustand war ein ziemlich guter. Nur in den Monaten Januar, Februar und März herrschten Fieber und andere Krankheiten. Aeltere Leute litten öfters an Katarrh. Bei den Kindern kam viel Keuchhusten vor, wie in Jerusalem, so auch in Haifa. Paris, im Januar. Das Januarbulletin der ^llianos isr. univ. bringt einen Bericht aus dem zweiten Semester 1885 der israelitischen Ackerbauschule zu Jaffa. Man ersieht daraus mit Befriedigung die ausgezeichneten Erfolge dieser Schule, die allerdings einer ausdauernden Pflege bedarf. Es ist damit ein Beispiel gegeben, wie man auch in anderen Ländern verfahren sollte, um die Erziehung und Heranziehung jüdischer junger Leute zur Landwirthschaft zu bewerkstelligen. Hierbei ist zu bemerken, daß die Ernte im Jahre 1885 unter einer mittleren geblieben, so daß die Einnahmen dadurch gemindert worden. Die Ausgaben beliefen sich auf Jrcs. 48,972, worunter die Ernährung und der Unterhalt der 36 Zöglinge Frcs. 10,362 betrugen. Die Einnahmen für die Produkte der Anstalt betrugen Frcs- 26,422, so daß ein Zuschuß von Frcs. 22,549 erforderlich war, wovon jedoch noch eine Einnahme von ca. Frcs. 2500 für die Orangen, die noch auf den Bäumen sind, abzuziehen sind. Die Zuschüsse mindern sich so von Jahr zu Jahr, »z. B. gegen 1884 um ca. 4000 Frcs. Man kann daher der Zeit entgegensetzen, wo sie ganz aufhören und für die Zöglinge und das Personal noch reichliche Benefizen erlangt werden. Im Jahre 1885 verließen zwölf Zöglinge die Anstalt, worunter 6 Gärtner, die jetzt in den israelitischen Colonien verwendet werden, 1 Tischler, der jetzt in Krakau bei seiner Familie etablirt ist, 1 Böttcher, der jetzt in Jaffa arbeitet und 4, die nach einigen Monaten als unpassend ihren Familien zurückgeschickt werden mußten. Bonn, 21. Februar. (Notizen.) Man schreibt aus Amsterdam: Vor einiger Zeit verstarb hier Herr I. E. Teixeira de Mattos, welcher viele Legate zu Gunsten jüdischer wohlthätiger Anstalten hinterlassen hat. Jetzt hat sein Schwager und seine Schwester, Dr. Mendez de Bon und Frau, zur Gründung eines Asyls für Greise zu Ehren des Verstorbenen ein Kapital von 100,000 fl. gespendet; die Leitung soll dem Vorstande der portugiesischen Gemeinde übergeben werden. — In Dublin wurde Herr de Groot, Vorsteher der israelitischen Gemeinde daselbst, zum Mitgliede der „Friedenskommission" dieser Stadt ernannt. Bei dieser Gelegenheit wurde demselben von einer großen Zahl Kaufleute ein Bankett veranstaltet und ein kostbares Geschenk, bestehend in einem silbernen Thee- und Kaffeeservice und einer massiven Vase, überreicht. Das Comits bestand aus Männern aller Confessionen und politischen Parteien. — Ein jüdischer Ingenieur (Italiener), Angela Luzzatti aus Asti in Piemont, der bis nach Siam gelangte, hat sich die Gunst der brittisch-indischen Behörden und des siamesischen Ministeriums erworben, und ist ihm die Erlaubniß ertheilt worden, die reichen Eisen-, Blei-, Gold- und Diamantminen auszunutzen und hat sich hierzu bereits eine Finanzgesellschaft gegründet. — Man schreibt aus Frankfurt a. Main: Musikdirektor Ed. Eliason ist am 17. Februar hier aus dem Leben geschieden. Heute Abend sollte sein Concert stattfinden, und heute Morgen trifft uns die Trauerkunde von seinem Tode! Ed. Eliason war 1811 in Frankenthal in der bayerischen Pfalz geboren; er studirte Komposition bei Rink und Violine bei dem berühmten Violinvirtuosen und Komponisten Baillot in Paris, dessen ,Nvtdoäs äs violon“ das offizielle Schulwerk des Pariser Konservatoriums wurde. Eliason ging später nach England, wo er eine Zeit lang Musikdirektor am Drurylane-Theater in London war. Nach Deutschland zurückgekehrt, trat er 1842 in das Orchester des Frankfurter Theaters ein, wo er lange Jahre als eine von dessen Stützen wirkte. Im Jahre 1877 wurde er unter Devrient pensionirt. Eliason genoß immer den Ruf eines bedeutenden Violinvirtuosen und Musikers und seine alljährlichen Concerte zeichneten sich stets durch feine Wahl der Nummern und wirklich künstlerisches Arrangement aus. Im Leben war Eliason ein sehr zugänglicher Charakter und seinen Genossen und Bekannten ein treuer ergebener Freund. (Nach den uns gewordenen zuverlässigen Informationen war Eliason 1808 zu Dürkheim a. d. Haardt geboren und wurde am 19. dss. auf dem israelitischen Friedhofe zu Frankfurt beerdigt. Redakt.)

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