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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-03-02 · Heft 10 (2.3.1886) · p. Seite 155

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 10 (2.3.1886)
Date
1886-03-02
Page
Seite 155 (sequence 11)
Language
German
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155 dm Schrecken der Menschheit bildeten, verlieren mit der fortschreitenden Kultur an Heftigkeit und Bösartigkeit; eine Erfahrung, die man bei der Cholera macht und die man bei der Seuche des Antisemitismus auch jetzt in Ungarn machen kann. — Die Bemühungen des Herrn Albert Szterenyi, hier eine Reform-Gemeinde zu bilden, waren vergebens; er wurde mit seinem Projecte und seiner sogenannten Gemeinde vom Kultusminister abgewiesen. Belgien. Brüssel, 10. Februar. Zur Ergänzung unsrer jüngsten Korrespondenz theilen wir Folgendes mit: Dem „Temps" wird gemeldet, der hiesige Gemeinderath habe beschlossen, der Petition von Familienvätern, welche die Rückkehr der Geistlichen in die Gemeindeschulen verlangten, keine Folge zu geben. Die Folge dieses Beschlusses werde wahrscheinlich sein, daß das Ministerium den Staatsbeitrag von 400,000 Fr. für die Brüsseler Schulen streichen wird. — Es heißt dies nichts Anderes, als der radicale Brüsseler Stadtgemeinderath hat jeden Religionsunterricht aus den städtischen Schulen verbannt, und hält dies auch ferner aufrecht. Amerika. Baltimore, im Januar. Daß auch unter den russischen und polnischen Juden, die hier eingewandert sind, vielfach ein recht guter Geist herrscht und sich zu bethätigen anfängt, ist kürzlich auch hier bemerklich geworden. — Ein „Mendelssohn-Erziehungsverein " hat sich unter den hiesigen russischen und polnischen Juden gebildet. Zweck ist eine angemessene Erziehung für alle fremde Juden, welche die Wohlthaten des Vereins beanspruchen. Es wurde eine Schule gegründet zum Unterricht im Deutschen, Hebräischen und besonders Englischen. Ferner wird ein Raum eingerichtet, in welchem englische, deutsche und hebräische Tagesblätter zum Lesen ausgelegt werden und endlich sollen in einem literarischen Club die Tagesfragen diskutirt werden. — Seit der bekannten Resolution der Rabbinerversammlung zu Pittsburg trägt man sich hier mit der Absicht, neben dem Rabbiner-Seminar zu Cincinnati ein zweites, verbunden mit der John Hopkin's Universität zu begründen. Man denkt sich dies mit vier Lehrstellen für Kohut, Morais, Jastrow und Wandus. Es kommt nur darauf an, genügende Geldmittel dafür zu finden und dies wird eben schwerlich gelingen. Palästina. Jerusalem, im Januar. Jnteressiren wird der Bericht über die Witterungsverhältnisse im Jahre 1885 in Jerusalem, den wir der „Warte des Tempels" entnehmen, einem der pietistischen christlichen Separatsekte aus Württemberg, die in Palästina Colonien unterhält, gewidmet ist. Die Witterungsverhältnisse in Jerusalem waren im verflossenen Jahre außergewöhnlich. Auf die ersten trockenen Monate des Jahrs folgte gegen Ende des Monats März der für die Saatfelder ersehnte Spätregen in reichlichstem Maße. Da dieser sehr lange anhielt, ward die Frühjährsreifesaison eine sehr ungünstige. Andererseits wurden die Cisternen der Stadt nun ganz gefüllt und der fast das ganze Jahr wasserleere Bach Kidron wurde zu einem Strome, was zu mancher Volksbelustigung Anlaß gab. Die anhaltenden Regengüsse belebten auch wieder die Hoffnung auf eine gedeihliche Ernte, eine Hoffnung, die bereits ganz geschwunden war. Am 12. März waren die Pfirsichbäume zur Blüte gekommen, an« 14. die Pflaumenbäume; am 19. trat Frost ein, wobei das Eis die Dicke des Fensterglases erlangte, so daß das frische Maulbeerlaub, die Pfirsichblüten u. s. w. erfroren, in dem benachbarten Betdschala (bei Bethlehem) auch die Feigen. Vom 22. März an folgten mehr als 3 Wochen lang Hagel, Gewitter und Sturm auf einander. Der arme Fellach lief fröstelnd und zähneklapperend durch die Straßen, seine Schuhe im Busen wohl geborgen haltend, damit die Nässe das schlecht gegerbte Leder nicht ganz unbrauchbar mache. Um die Osterzeit war das Unwetter so stark, das Reisende auf der Straße von Jaffa nach Jerusalem mehrere Fellachen vom Hagel betäubt oder vom Frost erstarrt für todt aufhvben. Im April wechselten Regen, Sirvkko und Bewölkung ab, der heitern Tage waren es darin nur wenige. Im Mai war es an den meisten Tagen heiter, an 3 Tagen kamen Gewitter und au 10 Tagen wehte der Sirokko. An den Sirrokkotagen stieg der Thermometer auf 25 und 26" R., er sank in de» Nächten kaum auf 20", mährend bei West- und Nordwind der Wärmegrad Mittags 18 bis 20, bei Nacht 13 bis 15" betrug-. Nach einem ausführlichen Jahresbericht des Herrn Lehrers Dück über die Witterung zu Jerusalem im Jahr 1884 mit Vergleichung der Witterung in Sarona bei Jaffa und in Stuttgart war die größte Wärme in Jerusalem nur 3" C. höher gewesen als in Stuttgart, und das Minimum bloß um 4,5" verschieden. Da der Sirokko von April bis Juni sich häufig einstellte, wurde die gewonnene Hoffnung auf eine gute Ernte ganz zu Schanden. Der Erntebericht aus Sarona z. B. hat traurig gelautet. Wir entnehmen den Wetterberichten aus Jerusalem noch, daß im Monat Oktober an 14 Tagen der Sirokko geweht hat und daß man den ganzen November bis zum letzten io*

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