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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-03-02 · Heft 10 (2.3.1886) · p. Seite 153

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 10 (2.3.1886)
Date
1886-03-02
Page
Seite 153 (sequence 9)
Language
German
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153 denn er giebt zu, daß es unter diesen Juden auch „wirklich Id. h. in ihrer Erwerbsweise, wirklich schädlich seien, oder nützliche Elemente" giebt. Und wie steht es nun mit seinem durch dieses Vorurtheil nur auf einen geringen Theil derallgemeinen Urtheil? Wir gestatten uns, die Beantwortung dieser Frage von anderswoher zu beziehen. selben falle, wollen wir von hier aus nicht näher beurtheilen. So viel geht wohl aus Obigem hervor, daß Herr ö. Putt- Von dem moralischen Niveau des russischen Bauern ent-! kammer in seiner Beurtheilung nicht aus irgend gründlicher wirft der ehemalige Präsident des Rostow'schen Landschafts-! Prüfung der Sache gesprochen, daß er den von den Judenamts, Herr Titow, in einer auf Staatskosten herausgegebenen j feinden immer wiederholten Anschuldigungen nachgegeben hat, Broschüre ein wahrhaft erschütterndes Bild, das dadurch an j daß vielmehr recht wesentliche Gründe dafür sprachen und Bedeutung nichts verliert, daß es sich nur auf ein Gouver-> sprechen, jene Juden nicht sammt und sonders in die Kanement bezieht, denn in den anderen Gouvernements sieht esI tegorie der Auszuweisenden hineinzubannen. — In der nicht besser aus. Der einst angeblich so sittenreine russische | Verhandlung über das Socialistengesetz hoben mehrere Bauer erscheint in dieser Schilderung vollkommen corrumpirt.1 socialdemokratische Redner den Unterschied hervor in der Trunksucht in erschreckendem Grade — selbst 13 und 14jäh- Behandlung der socialdem okratischen Agitatoren seitens der rige Mädchen werden als Gewohnheitstrinkerinnen angetroffen!j @1001^10011« und Polizei und im Verhalten derselben — Unzucht im Verkehr der Dorfjugend unter einander undI gegen Stöcker und die Judenhetzer, allgemeine geschlechtliche Sittenlosigkeit auch in den Kreisen! Stuttgart, 17. Februar. fPrivatmitth.) Die heutige der Verheiratheten, Kartenspiel in immer zunehmendem Maße,' Nummer des „Staatsanzeiger für Württemberg" veröffentlicht Putzsucht, Familienzänkereien, Schlägereien, Kindesmord, Räudas Rechnungsergebniß der „Israel. Centralkirchencasse" bereien und Händelsucht, Bestechlichkeit und Diebstahl, erschreckende Verbreitung von Geschlechtskrankheiten — das sind die einzelnen Züge in diesem düsteren Bilde. Der Autor erklärt diese Erscheinung zum Theil durch die engere Berührung der Bauern mit anderen Ständen, zum Theil dadurch, daß sie so vollständig sich selbst überlassen sind. Diese, jeden Menschenfreund betrübende Schilderung ist also gewissermaßen von officiöser Seite gegeben, da das be- Württembergs xro 1885. Die Einnahmen betrugen 64578 Mk., darunter 10900 Mk. Landesumlage, 7960 Beiträge der Gemeinden zu den Rabbinatsgehalten, 23180 Zuschuß der K. Staatscasse; die Ausgaben 55133 Mk, darunter 8006Mk. Berwaltungskosten, 23100Mk. Rabbinatsbesoldungen, 9428Mk. Gehaltsaufbesserungen für Lehrer und Vorsänger, 3702 Mk. Turnus- und Kirchenkosten. Das Vermögen beträgt 169970 Mk. — Die gelehrten Schulen Württembergs wurden im Jahre treffende Buch auf Staatskosten gedruckt ist. Nun vergleiche! 1885 von 6428 (= 72%) evangelischen, 2078 (= 23,2,I/(J) man die Schilderungen, welche aus den polnischen Theilen! katholischen und 402 (= 4,5%) israelitischen Schülern beunserer östlichen Provinzen über die Zustände in den untesucht. Die entsprechenden Zahlen bei den Realschulen sind ren Klassen, namentlich unter den polnischen Arbeitern und 5776 81,4% 997----- 14% 312=4,3%. Da die Zahl Handwerkern in den größeren Städten, in den Handels-und der israelitischen Einwohner Württembergs blos 13 000 .Hafenplätzen der Oeffentlichkeit übergeben worden sind, also 0,65% beträgt, so stellen diese eine 6—7 fache Zahl ihrer gerade aus den Städten, in welchen auch die polnischen > Schüler für die gelehrten Schulen. Juden häufig sind. Diese Schilderungen über die sittliche' Kassel, 20. Februar. In einer gestern Abend in Krauß' Verkommenheit jener Volksklassen lauten da ganz gleich mit I Saal abgehaltenen „antisemitischen Volksversammlung", wie den angeführten aus Rußland. Und nun werfe man einen j sie der dazu einladende hiesige „Deutsche Reformverein" in unbefangenen Blick auf den sittlichen Charakter jener polni-1 seiner Ankündigung selbst nannte, trat als Hauptredner Dr. Capistrano oder vielmehr — um das Kind beim rechten Namen zu nennen — Dr. Boekel aus Marburg auf. Zur großen Freude der Kasseler Judenvertilger machte Redner vor Beginn seines Bortrages über: „Die Judenfrage als Kampf ums Dasein für die deutsche Nation" den Anwesenden die Mittheilung, soeben davon benachrichtigt worden zu sein, daß der diesjährige deutsche antisemitische Kongreß in definitive scheu Juden. Mäßigkeit, Arbeitsamkeit, Sparsamkeit, vor Allem aber das innigste Familienleben, die Heiligkeit der Ehe, die aufopferungsfähigste Elternliebe zeichnen diese so oft geschmähten und verachteten polnischen Juden aus, und stellen sie der übrigen Bevölkerung zum Vorbilde hin. Die treue Anhänglichkeit an ihren Glauben, der Werth, den sie auf das Studium des religiösen Schriftthums legen, die Hochachtung, die sie vor allem Wissen, vor aller Intelligenz haben, der! Aussicht genommen sei und zu Pfingsten in Kassel abgehalten Bildungstrieb, der sie für ihre Kinder beherrscht und der in werde. Wir gratuliren! der nächsten und nachnächsten Generation so außergewöhn liche Früchte trägt, alles dies erhebt diese polnischen Juden in der großen Mehrzahl über das sittliche Niveau ihrer Umgebungen weit hinaus. Ob sie in wirthschaftlicher Beziehung, Oesterreich -Ungarn. Wien, 11. Februar. Eine der Wiener Ortsgruppen des Deutschen Schulvereins ist von Studenten der Wiener io

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