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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-03-02 · Heft 10 (2.3.1886) · p. Seite 147

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 10 (2.3.1886)
Date
1886-03-02
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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147 phet entschiedener zwischen den Getreuen und den Abtrünnigen, sagt jenen die gesegnetste glücklichste Zukunft, den letzteren Verderben und Untergang voraus. Aber die Rückkehrenden müssen im vollen göttlichen Geiste nicht blos die Anbetung Gottes in äußerlichen Ceremonien vollziehen, sondern in unbedingter Gerechtigkeit und Menschenliebe. Hierüber empfangen wir in diesen letzten Kapiteln noch die herrlichsten Aussprüche. Wie der Prophet im Anfang seiner Reden das rechte Gottesbewußtsein in den Geistern wecken wollte, so im letzten Abschnitt die Begriffe wahrer Sittlichkeit, des wahren Rechts, das zugleich die wahre Menschenliebe ist, zum Segen und zum reinsten Frieden führt. Aber an der zukünftigen Herrlichkeit und Heiligkeit Jerusalems werden alle Völker theiluehmen und diese nicht blos opfern, sondern auch Priester sein, d. h. also dem allgemeinen Religionsbnnde vollständig angehören. Dies wird oft genug wiederholt. So heißt es 60, 2.: „Siehe, die Finsterniß decket die Erde, Dunkel die Völker, aber dir wird aufstrahlen der Ewige und seine Herrlichkeit über dir sichtbar. Da ziehen Nationen deinem Lichte zu, Könige deinem aufstrahlenden Glanze; sie allesammt sammeln sich, kommen zu dir." Und am Schlüsse (66, 18.): „Gekommen ist's, zu versammeln all' die Völker und Zungen, daß sie kommen und schauen meine Herrlichkeit. Dann thue ich ein Zeichen an ihnen und sende von ihnen Gerettete zu den Völkern, den fernen Ländern, die meine Kunde nicht gehört und meine Herrlichkeit nicht gesehen, daß sie künden meine Herrlichkeit unter den Völkern. Und auch von ihnen werde ich zu Priestern und Levijim nehmen, spricht der Ewige. Und es geschieht, je von Monde zu Mond und je von Sabbath zu Sabbath wird kommen alles Fleisch, anzubeten vor mir, spricht der Ewige." So klingt die Verkündigung unseres Propheten mit echt kosmoreligiösen Hoffnungen aus, und so zeigt es sich, daß die universelle Tendenz der reinen Gotteserkenntniß für die gesammte Menschheit vollständig ausgesprochen war im Judenthume, mehr als ein halbes Jahrtausend vor dem Entstehen des Christenthums, mehr als ein ganzes Jahrtausend vor denr des Islam. Diese Religionen entnahmen also auch diese Begriffe dem Judenthume, wenn sie auch zu deren Verwirklichung andere Mittel verwendeten, als das Judenthum in Aussicht genommen hatte, s. Jes. 42, 1-4. - „Zur Iudenfrage nach den Akten des processes Uohling-Sloch. Von Dr. Josef Kopp, Hof- und Gerichtsadvokat, Abgeordneter des n. ö. Landtages und des österr. Reichsraths." II. Den Haupttheil des Buches nimmt nun „der Beweis der Wahrheit durch hebräische Texte" (von S. 43—155) ein, denn die HauPtsündeiURohling's sind eben an den, so zahlreich von ihm citirteu talmudisch rabbinischeu Aussprüchen begangen. Hier rechnete Rohling auf die Unkenntniß des großen Publicums, das die Richtigkeit seiner Citate, deren Uebersetzung und Auslegung nicht zu controliren vermochte und an sich schon geneigt war, die übelste Deutung anzunehmen. Herr Kopp hat hier nun einen Fleiß, eine Ausdauer, einen Scharfsinn, so echte psychologische Menschenkenntniß und eine solche Vertrautheit mit der Geschichte und deren richtigem Verstäudniß bewiesen, daß ihm nicht genug Anerkennung gezollt werden kann, nicht bloß vou den Bertheidigten, sondern von jedem Freunde der Wahrheit. Er behandelt den Gegenstand zuerst „im Allgemeinen", giebt hier die Entstehungsgeschichte des Talmuds und eine Charakteristik desselben und fügt eine Reihe von Aussprüchen talmudischer und rabbinischer Autoren hinzu, welche den Geist echter Humanität athmen. Auch hier hat er schon Gelegenheit, Rohlings Verfahren mit talmudischen Citaten zu kennzeichnen. Hervorzuheben ist, was hier über akum beigebracht wird. Von S. 64 an werden nun „im Besonderen" die Citate Rohling's geprüft. Herr Kopp gab sich die Mühe, diese Citate sachlich in Gruppen zu bringen, wie „Schädigung des Vermögens, Schädigung an Leib und Leben, Schädigung durch jüdische Richter, der Eid der Juden" u. s. w. Wir können hier in Einzelheiten nicht eingehen, sondern müssen auf das Buch selbst verweisen. Der Vers, verfährt so, daß er das Citat Rohlings anführt, dem Texte nach prüft, die richtige Uebersetzung der Sachverständigen und deren gutachtliche Erklärung giebt und seine eigenen, aus juristischem und historischem Wissen gezogenen Bemerkungen hinzufügt. Ueberall nun ergiebt es sich, daß Rohling die Texte corrumpirt, oft die wesentlichsten Ausdrücke ausläßt, den Worten die verkehrteste und falscheste Deutung giebt, bis er das Ungeheuerlichste ihnen insinuirt und dem Judenthume die inhumansten, feindseligsten Grundsätze untergeschoben hat. Diesen seinen Zweck zu erreichen, scheut er kein Mittel, keine wissentliche Textverfälschung, keine Verdrehung und Uebertreibung, keine Unwahrheit, die in der ausgesprochenen Bereitwilligkeit gipfelt, seine Aussagen amtseidlich zu beschwören. Man mußte voraussetzen, daß Jedweder schon durch die von Rohling zur äußersten Spitze getriebene Extravaganz zu der Ansicht hätte geführt werden müssen, daß dies Alles doch nicht wahr sein könne. Aber so tief sind die Borurtheile gegen Juden und Judenthum von Kindesbeinen an in die Seelen eingesenkt, von Schule, Kirche und Literatur großgezogen und gepflegt, daß das große Publicum, besonders die sog. gebildete Welt, sich geneigt zeigte, Rohling und Genossen Glauben zu schenken und von den Widerlegungen jüdischer und christlicher Gelehrten keine Notiz nahm. So haben sich diese Rohling'schen Schmähschriften zu einer „Schmach des Jahrhunderts" ge- 10*

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