Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 9 (23.2.1886)
- Date
- 1886-02-23
- Page
- Seite 139 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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139 die Herren Abgeordneten, uns in die Lage zu versetzen, daß wir ihre Neigungen und Ueberzeugungen in Betreff der Lösung kennen lernen, sonst ist es unmöglich, für sie oder gegen sie Stellung zu nehmen." (Man sieht, Herr Hermann hat große Lust, die Juden zu maltraitiren, wenn ihm Jemand sagen könnte, wie dies in honoriger Weise geschehen könnte!) — Der Minister des Innern forderte die Stadtgemeinde Preßburg auf, die mit 4500 Gulden bezifferten Kosten der im Jahre 1883 aus Anlaß der vorgekommenen antisemitischen Excesse nothwendige Militär-Intervention sofort zu bezahlen. (Auch eine Strafe für die antisemitischen Gelüste dieser Stadt!) Wien, 11. Febr. Zufolge einer Meldung aus Krakau haben einige Tausend ausgewiesene Polen, darunter Hüttenarbeiter, Greise und Wittwen, die Aufforderung erhalten, Ende dieses Monats Oberschlesieu zu verlassen, nachdem sie vergebens um Aufschub bis zum Frühjahr gebeten hatten. Viele erklärten nur der Gewalt zu rveichen, da die Meisten sich in großem Elende befinden. Frankreich. Paris, 4. Februar. (Boss. Ztg.) In der Sitzung der „Acadeinie des Inscriptions“ am 29. Januar machte Mr. A. Bertrand folgende wichtige Mittheilung: Das Grab der Könige von Juda, jetzt „Obur el Moluk" genannt, befindet sich nun in dem Besitze Frankreichs. Die Erben von Emile und Isaak Pereire haben dieses Monument auf Veranlassung von Fölicien de Saulcy angekauft und der französischen Nation zum Geschenk gemacht. Die Donationsakte lautet: „Indem wir (die Erben von E. und I. Pereire) dieses Monument dem Staate überweisen, stellen wir die ausdrückliche Bedingung, daß es seiner jetzigen Bestimmung (als Gebetsort) erhalten bleibe und in Zukunft keinerlei Aenderungen erleide. Zum Gedächtniß an unsere Schenkung wird auf unsere Kosten in der westlichen Vorhalle dieses Baumonuments eine Jnschrifttafel angebracht, durch welche die Namen der Donatoren, des Gelehrtes Mr. F. de Saulcy, des Mr. Patrimonio, vormaligen französischen Consuls in Jerusalem, durch welchen der Ankauf des Monuments für unsere (Pereire'sche) Familie erfolgt ist, sowie des Architekten Mauß, französischen Regierungsbaumeisters, welcher dieses Baudenkmal wiederhergestellt hat, verewigt werden sollen. Diese Inschrift soll folgenden Wortlaut haben in hebräischer und in arabischer Sprache: „Obur el Moluk. Monument, käuflich erworben im Jahre 1878 durch Emile und Isaak Pereire, um es der Wissenschaft und der Verehrung der gläubigen Kinder Israels zu erhalten, auf den Rath von F. de Saulcy, membre de l’Institut, und durch die Mitwirkung des Mr. Patrimonio, französischen Consuls in Jerusalem, und restaurirt von dem französischen Regierungsbaumeister M. Mauß. Frankreich geschenkt von der Fainilie Pereire im Jahre MDCCCLXXXV." Paris, im Februar. Das eben ausgegebene Januarbulletin der Alliance isr. univ. theilt mit, daß Baron Hirsch, wie seit mehreren Jahren, auch in diesem das Defizit für 1885 mit Frcs. 52,227 gedeckt hat. Es ist erklärlich, daß der Ausschuß des Centralcomites in der Gewißheit dieser Freigebigkeit die Ausgaben der Alliance so bemißt, daß ein Defizit von solcher Höhe verbleibt. Ist doch trotzdem eine besonnene Zurückhaltung in den Bewilligungen seitens der Alliance, an welche die Forderungen und Ansprüche sich immerfort häufen, geboten. So werden neuerdings von Nisch aus Unterstützungen für die in Pirot von den einrückenden Bulgaren ausgeplünderten Juden beansprucht und von mehreren großen Städten Westeuropas für die aus Preußen ausgewiesenen polnischen Juden, die nach den westeuropäischen und amerikanischen Ländern wandern. Möchten doch andere Finanzgrößen das Beispiel des Barons Hirsch, wenn auch in geringerem Maße, nachahmen. — Um wie viel nachdrücklicher könnte die Alliance ihre segensreiche Wirksamkeit dann ausdehnen. Rußland. Moskau, 5. Februar. Wie „Ssowremennyja Jswestija" mittheilte, wohnen 14,000 Israeliten beiderlei Geschlechts in den Hintergebäuden der Häuser in der Sarjada. Diese Israeliten verdienen zum großen Theil ihr Brod als Schuster, Schneider, Patronenmacher, einer sogar als Verfertiger von Heiligenbildern. Petersburg, im Februar. In einer Polemik mit der „Nowoje Wremja" über die Judenfrage läßt sich das offiziöse Organ des russischen auswärtigen Amtes, das „Journal de St. Petersbourg", in sehr bemerkenswerther Weise folgendermaßen vernehmen: Die „Nowoje Wremja" verliert bei ihren Beschuldigungen aus dem Auge, daß die Lage der Israeliten in unseren westlichen Provinzen in engem Zusammenhang mit den ihnen vorgeworfenen Fehlern steht und, daß bei einer rationelleren Bertheilung der jüdischen Bevölkerung, diese Fehler von selbst sich abschwächen werden. Da die Juden bei Coneentrirung der jüdischen Elemente auf einzelne Provinzen nicht genügenden Brod-Erwerb finden, so ist es ganz natürlich, daß sie bei ihrem ausgesprochenen Hang zum Handel Alles versuchen, um sich einen, zudem noch kärglichen Gewinn zu sichern. Durch Jahrhunderte hindurch sind diese Gewohnheiten der zudem in kultureller Hinsicht niedrig stehenden jüdischen Bevölkerung der westlichen Provinzen gleichsam in Fleisch und Blut übergegangen. Bon dem Augenblick nn, wo die Israeliten einen integrirendeu Theil unserer Bevölkerung bilden und russische Unterthanen sind, liegt's da etwa nicht im Jn-