Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 9 (23.2.1886)
- Date
- 1886-02-23
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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183 auf eine Schrift von Achille Laurent: „Uolatlcms Kistoriques äes aifairss äs 8/ris äspuis 1840—1842. Paris 1846. Bd. II S. 388 ff." Aber weder an der angeführten Stelle, noch sonst im ganzen Buche, ist von einem Rabbi Moldavo oder von einem Moldavo schlechtweg die Rede. Rohling hat aus der langue moldavienne einen „Rabbi Moldavo" gemacht. Rohling beruft sich auch auf einen Rabbi Mendel in Kossow und dessen Schrift Gan naul, die in 20 Auflagen, and) in Lemberg, erschienen sei, und welche keinen Zweifel über den rituellen Mord zulasse, führt auch eine Stelle aus derselben an. Dabei behauptet er, daß ihm das Buch abhanden gekommen und er bei der angestrengtesten Suche kein Exemplar mehr habe bekommen können. Da das Buch von einem österreichischen Rabbiner, in österreichischen Städten gedruckt sein sollte, ersuchte die Rathskammer das k. k. Ministerium des Innern, der Sache nachzuforfchen. Das Resultat war, daß Rabbi Mendel Hager nur ein einziges Buch von der harmlosesten Natur unter dem Namen Ahavath Schalom, „Friedensliebe", verfaßt habe, das von Rohling angeführte Buch gar nicht existire. Ein ähnliches Falsum beging er mit einem August Fabius, einem überspannten, wenig gebildeten Stickwaaren-Fabrikanten in Lyon, den er allerdings zu einem „Großrabbiner" erhebt, dann zu einem „Rabbiner" und endlich zu einem „Prediger" degradirte, und der 1842 in der Synagoge zu Lyon eine „Schandpredigt gegen das Christenthum" gehalten haben soll. Er theilte darüber Briefe aus Lyon mit, die in Prag fabricirt worden.l) Alle Nebenumstände waren von Rohling erfunden. Bon dem gelehrten, aber wunderlichen O. G. Tychsen behauptete Rohling, daß im königl. Kammergerichte zu Berlin vom Jahre 1787 ein Gutachten sich befinde, „wodurch er die jüdische Behandlung der Christen als Götzendiener bezeugte." Bei dem Kammergerichte befand sich kein solches Gutachten, und Tychsen veröffentlichte 1788 ein Gutachten aus dem Jahre 1786, in welchem er das gerade Gegentheil von dem aussprach, was Rohling ihm untergeschoben. Um die Autorität von Franz Delitzsch und Dr. Wünsche in oen jüdischen Angelegenheiten abzuschwächen, behauptete Rohling, beide „seien bekannte Juden, welche sich eine protestantische Denomination beilegten" (sie!). Es war den beiden Gelehrten leicht, das Gegentheil durch die Taufscheine, sowohl die eigenen als die ihrer Eltern und Großeltern zu bekunden. — Mit solcher Geflissenheit überließ sich Rohling wissentlich der Unwahrheit, selbst in Dingen, in welchen eine Controle und Ueberführung jedem Gelehrten gar nicht schwierig war. Es wäre dies gewiß ein psychologisches Räthsel, wenn nicht der Zweck, den Rohling dabei verfolgte, so ganz an der Oberfläche läge. Er 1) Wer sich über die Broschüre unterrichten will, findet eine Besprechung in Nr. 4, Jahrg. I84r dieser Zeitung. wollte nur den Judenhaß aufs Aeußerste im ungebildeten und halbgebildeten Publicum wecken und verstärken, in welchem durch den Eifer der Bruderschaften, Vereine und Colporteure seine Schmähschriften eine außerordentliche Verbreitung fanden, und zu dem jede Remedur, jede Widerlegung, jeder Beweis der Unwahrheit und Fälschung doch nicht dringen würde. Schon aus diesen Beispielen wird man ermessen, auf welche Weise Rohling mit den hebräischen Texten umsprang. Dies ist der Inhalt des folgenden Abschnittes, des Hauptheiles der Schrift des Dr. Kopp. (Schluß folgt.) Literarischer Wochenbericht. Bonn, 2. Februar. Vor Kurzem halten wir die Behauptung eines Kulturhistorikers (?) zurückzuweisen, daß der monotheistische Gottesbegriff, wie er jetzt verbreitet sei, von den griechischen und römischen Philosophen herstamme. Einen gründlichen Beweis für das Gegentheil zu führen, l)ottcu wir uns schon 1861 in der Beilage 1 zum 1. Theile unsrer ausführlichen Darstellung der israelitischen Religionslehre: „Die Aussprüche der griechischen Philosophen über Gott" zu führen uns bemüht. Eine sehr gehaltvolle Bestätigung unsrer Ansichten über diesen Gegenstand finden wir in einer soeben mit dem Jahresbericht des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau ausgegebenen Abhandlung des Prof.Dr. I. Freude nthal: „Ueber die Theologie des Lenophanes", welche sich ebenso durch genaue Kenntniß der klassischen Literatur, wie durch kritischen Scharfsinn auszeichnet. Es ist nämlich eigeuthümlich, daß „in allen wesentlichen Punkten übereinstimmend, die Darsteller und Beurtheiler seiner Philosophie erklären, daß Xenophanes es gewesen sei, der an die Stelle einer vielfach getheilten, sündhaften, anthropomorphen Götterwelt den Begriff göttlicher Erhabenheit, Vollkommenheit und Unvergänglichkeit gesetzt, und daß er auch die Lehre vom einigeinzigen Gotte rn voller Klarheit der griechischen Welt als der erste Philosoph verkündet habe." Selbst Zeller in seiner „Philosophie der Griechen" stimmt dieser Ansicht bei.Hiergegen ist nun die Arbeit des Vers, gerichtet. Zunächst ist es das erste uns erhaltene Bruchstück des Lenophanischen Lehrgedichtes: „Ein Gott ist unter den Göttern und Menschen der größte", welches Dr. F. der Untersuchung unterzieht. *) Was uns betrifft, so stellten wir in der oben angeführten Abhandlung (S. 178) die Lehre des Xenophanes mit folgenden Worten dar: „Höher und bestimmter war der Jdeeengang der Eleatiker. Unter ihnen behauptete Xenophanes, daß nur ein Gott möglich sei, weil das vollkommenste Wesen nicht mehrmals sein kann, aber was ist ihm Gott? die materielle Welt: nach ihm ist die Welt Gott und Gott die Welt, denn alles Seiende ist Eines, und dieses Eine zugleich Gott. Daher dachte sich Xenophanes Gott kugelgestaltig, weil Gott sich überall gleich wäre." Wir beriefen uns dabei auf Aristoteles Metaph. I, 5 u. s. f.