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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-02-23 · Heft 9 (23.2.1886) · p. Seite 131

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 9 (23.2.1886)
Date
1886-02-23
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
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131 zündet dich nicht an." Also verdiente Strafe, aber niemals Vernichtung; „dieweil du theuer bist in meinen Augen, geehrt und ich dich liebe." So soll Israel wieder aus allen Fernen gesammelt und zu seinem Lande zurückgeführt werden. Aus seiner Gnadenfülle vergiebt Gott Israel alle seine Verschuldungen, so viele ihrer vom Beginne des Volkes an waren (25.): „Ich, ich bin's, der deine Vergehen tilget um meinetwillen und deiner Sünden gedenke ich nicht" (44, 22.): „Ich habe vertilgt wie Wolke deine Vergehungen, wie Gewölk deine Sünden: kehre um zu mir, denn ich erlöse dich" — „denn an Israel verherrlicht er sich." Und wie Israel, so rettet er alle Menschenvölker; daher ruft der Prophet zum Schluffe dieser Rede aus: „Keiner ist Gott außer mir, Gott, gerecht und Retter, keiner außer mir. Wendet euch zu mir, auf daß ihr gerettet werdet, alle Enden der Erde, denn ich bin Gott und keiner mehr. Bei mir schwor ich, Heil ist aus meinem Munde gegangen, ein Wort, das nicht zurückkehrt: daß mir sich beugen werde jedes Knie, schwören jede Zunge. Nur bei dem Ewigen, spricht man von mir, ist Heil und Macht; zu ihm werden kommen und sich schämen Alle, die lvider ihn entbrennen: in dem Ewigen werden sie gerecht!" Auf diesem Wege sehen wir den Propheten die Berufung Israels als für die ganze Menschheit bestimmt und mit der Erkenntniß und dem Heile der ganzen Menschheit verbunden aus der Tiefe des Geistes und des Herzens verkünden. Niemand wird verkennen, daß er selbst diesen Beruf aufs Stärkste betont, irgend eine Ausschließlichkeit, irgend eine Beschränkung der göttlichen Wirksamkeit und Ziele nicht ausgesprochen, vielmehr ist der besondere Beruf Israels mit der allgemeinen Erleuchtung und Bersittlichung der ganzen Menschheit aufs Engste verknüpft. Der Prophet will zuerst den Gottesbegriff in seiner Höhe und Erhabenheit dem Bewußtsein des Volkes einsenken, dann Israel als Werkzeug Gottes für die Menschheit aufstellen, sein Geschick erklären und ihm dadurch Muth und Entschlossenheit einflößen. Gerade die Züchtigung, die über Israel verhängt war, soll einerseits dasselbe sühnen und läutern, andrerseits aber durch die wunderbare Rettung, die ihm bevorsteht, den Geist der Völker erleuchten. Dieses letztere Moment wird vom Propheten im Verlaufe seiner Reden näher erörtert. Aber schon jetzt ist die kosmoreligiöse Anschauung desselben unzweifelhaft dargethan. (Schluß folgt.) „Zur Iudenfrage nach den Äkten des processes Nohling-Moch. Von Or. Josef Kopp, Host und Gerichtsadvokat, Abgeordneter des n. ö. Landtages und des österr. Reichsraths." I. Eine überaus wichtige Schrift, deren Verbreitung wir aufs Wärmste wünschen und empfehlen! (Leipzig, Klinkhardt 1886). Unsre Leser wissen, daß, da Rohling allen Beweisen seiner lügenhaften Verleumdungen auf literarischem Wege, insbesondere durch Franz Delitzsch, gegenüber seine ihm zur Gewohnheit gewordenen Falsificationen in immer neuen Schriften fortsetzte, der Reichsrathsabgeordnete Rabbiner Dr. Bloch in Floridsdorf bei Wien in vier Artikeln das Verfahren Rohlings unumwunden kennzeichnete und ihn besonders des „Angebots des Meineids", zieh, mit der Aufforderung, ihn wegen Beleidigung anzuklagen. So sollte die Frage vor ein höheres Forum, das gerichtliche, gebracht werden, um sie vor den Augen der civilisirten Welt zur Entscheidung zu bringen. Rohling ging darauf ein und reichte seine Klage gegen Bloch bei dem k. k. Landgericht in Wien ein. Es lag nun dem Dr. Bloch ob, den Beweis der Wahrheit für seine beleidigenden Auslassungen zu führen. Es mußte mit großen Anstrengungen und Kosten ein reiches und überwältigendes Beweismaterial herbeigeschafft werden, besonders auch in ausführlichen Gutachten unparteiischer Sachverständiger. Alles war bereit. Der Termin des Schwurgerichtes war anberaumt. Da lief von Rohling ein Schreiben ein, in welchem er die Klage zurückzog. Der k. k. Professor der semitischen Alterthümer an der Universität Prag erklärte hiermit, daß die Beschuldigungen seines Gegners begründet und richtig seien, daß er nicht im Stande sei, die Wahrheit seiner Behauptungen, die Richtigkeit seiner Citate aufrecht zu erhalten; er gab durch die Zurücknahme seiner Anklage selbst das „Angebot des Meineides" zu. Hiermit konnte eine weitere Verhandlung nicht stattfinden und Rohling wurde zur Bezahlung sämmtlicher Kosten, die sich auf 40,000 (Salben1) belaufen sollen, verurtheilt. Man hörte nur yoch, daß Rohling einen längeren Urlaub genommen und erhalten und wegen der Kosten ein Begnadigungsgesuch an den Kaiser gerichtet habe. Der Vertheidiger des Dr. Bloch war der Hof- und Gerichtsadvokat, Reichsrathabgeordneter Dr. Josef Kopp, welcher mit einem außergewöhnlichen juristischen Scharfsinn eine anerkennungswerthe Unermüdlichkeit in der Herbeischaffung des geeigneten Materials verbunden hatte. Er sah ein, daß durch die Zurückziehuug der Klage doch nur ein indirecter Beweis gegen Rohling geführt worden. Späterhin, wenn dem größeren Publicum die näheren Umstände aus der Erinnerung gekommen , konnte der an Listen und Ausflüchten so reiche Rohling jene Zurückziehung der Klage mit zeitweisen Verhältnissen u. dgl. entschuldigen und seine schmähliche litera- 1) Aus Wien vom 10. Februar wird geschrieben: Das hiesige Landesgericht hat die Kosten des Processes Rohling gegen Rabbiner Bloch auf 40,000 Gulden festgesetzt. Diese hohen Kosten, welche gesetzmäßig Rohling zu tragen hat, erklären sich aus den zahlreichen Studienreisen, welche Kopp und Bloch zum Studium in ausländischen Bibliotheken unternehmen mußten, und aus den umfang reichen Gutachten, welche ausländische Capacitäten zu erstatten hatten und welche natürlich entsprechend honorirt werden mußten.

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