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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-02-23 · Heft 9 (23.2.1886) · p. Seite 130

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 9 (23.2.1886)
Date
1886-02-23
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 raels bricht und dasselbe nach seiner Heimath zurückschickt, wo es in glänzender Weise wieder ersteht und zum Haupt der Völker wird, welche zum Heiligthum des einzigen Gottes strömen, in dessen Erkenntniß und Anbetung. Dieser „Gesalbte" ist Cyrus. Wer die obige Auseinandersetzung liest, denkt vielleicht: dies sind Vorstellungen, welche die neueren Lehrer des Judenthums vortragen, nachdem sie das Momentane und Zeitliche davon verwischt haben, dieses Zeitliche, das bei dem Propheten aus seiner Tendenz hervorgegangen, die Getreuen der Gotteslehre zum Verlassen Babyloniens und zur Rückkehr nach Palästina zu bewegen. Man wird meinen, daß wir unsere eigene Anschauungsweise dem Propheten insinuirt haben. Sehen wir uns daher bei diesem selbst um und zwar immer noch in den ersten fünf Kapiteln seines Buches. — Ueberall knüpft er an die höchsten Lehren über Gott sofort den Hinweis auf Israel und dessen Beruf. In diesem hatte sich eine große Verzagtheit verbreitet, es war irre geworden an sich selbst, an seinem Schicksal, an seiner Rettung, seiner Befreiung. Daraus mußte es erlöst werden, sollte es sich überhaupt zur Rückkehr nach Palästina bestimmen. Diese Verzagtheit bekämpft der Prophet schon in seiner ersten Rede. Nachdem er die „Allmachtsfülle" Gottes an dem Beispiele des Sternenheeres geschildert, fährt er (40, 27.) fort: „Warum sprichst du, Jakob, redest, Israel: Mein Weg ist verborgen dem Ewigen, meinem_Gotte geht mein Recht vorüber (d. h. er kümmert sich nicht darum)? Erkanntest du's nicht, hörtest du's nicht'? Gott der Ewigkeit ist der Ewige, Schöpfer der Enden der Erde, ermattet nicht, ermüdet nicht, unergründlich ist seine Einsicht. Er leiht dem Matten Kraft, dem Ohnmächtigen mehrt er Stärke." Und nun geht er auf das Verhältniß selbst ein (41, 8.): „Du aber Israel, mein Knecht, Jakob, der ich dich erkor, Samen Abrahams, meines Freundes! Der ich dich ergriff von den Enden der Erde, und von ihren Säumen dich berief und sprach zu dir: Mein Knecht bist du, dich erkor ich, dich verschmäht' ich nicht. Fürchte nichts, denn mit dir bin ich, zage nicht, denn ich bin dein Gott, ich kräft'ge dich, auch helf' ich dir, auch stütz' ich dich mit meiner siegenden Rechten. Siehe, sie werden zu Schanden, sie werden zur Schmach, Alle die wider dich zürnten, sie werden zu Nichts und gehen unter, die Männer, die wider dich stritten; du wirst sie suchen, und findest sie nicht, die Männer, die wider dich kämpften, sie werden zu Nichts und zu Garnichts, die Männer, die wider dich kriegten. Denn ich, der Ewige, dein Gott, ich stärke deine Rechte, der zu dir spricht: du, fürchte nichts, ich helfe dir." Das sind Worte, welche durch die ganze spätere Geschichte Israels klingen und die noch heute für die Gegenwart gelten, wie vor 24 Jahrhunderten. Darum fährt er fort: „Fürchte nichts, Wurm Jakob, Häuflein Israel, ich helfe dir, spricht der Ewige, und dein Erlöser ist der Heilige Israels." Daran knüpft er die Verheißung, wie Israel gestärkt wird und seine Feinde vom Sturmwind zerstreut werden; wie Gott ihm die Wege ebnen und die Steppe fruchtbar machen werde: „Auf daß sie (die Völker) sehen, erkennen, gewahren und begreifen zumal, daß des Ewigen Hand solches gethan, der Heilige Israels es geschaffen." Der Beruf und die Bestimmung Israels wird in der folgenden Rede (Kap. 42) klar gezeichnet und zugleich, auf welche Weise Israel für die Völker wirken werde: „Siehe, mein Knecht, den ick stütze, mein Erkorner, an dem Gefallen meine Seele hat: meinen Geist legt' ich auf ihn, das Recht soll er den Völkern bringen. Nicht schreiet er, nicht ruft er laut, läßt draußen seine Stimme nicht vernehmen. Geknicktes Rohr zerbricht er nicht, glimmenden Docht verlöscht er nicht: mit Wahrheit soll das Recht er bringen. Nicht müde wird er, nicht entkräftet, bis daß auf Erden er das Recht gegründet und seiner Lehre die Länder harren. So spricht der Gott, der Ewige,, der die Himmel geschaffen, sie ausgespannt, der die Erde gebreitet mit ihren Sprossen, der Odem giebt dem Volk auf ihr, und Geist den auf ihr Wandelnden: Ich, der Ewige, habe dich berufen im Heile, ich fasse deine Hand, ich wahre dich, ich mache dich zum Bund der Völker, zum Lichte der Nationen, blinde Augen zu öffnen, aus dem Kerker Gefangene zu führen, aus dem Hause der Haft die in Finsterniß wohnen." Deutlicher und bestimmter konnte der Beruf Israels, Erkenntniß und Recht durch die ganze Menschheit zu verbreiten, so wie die Art dieser Wirksamkeit durch die Kraft der Wahrheit nicht ausgedrückt werden. Daher sagt er noch (V. 16.): „Daß ich Blinde führe auf Wegen, die sie nicht kannten, auf Pfaden, die sie nicht kannten, leite; Finsterniß mache ich vor ihnen zu Licht, Krümmungen zur Ebene." Allerdings bot sich Israel zu diesem hohen Berufe nicht immer willig dar und stellte selbst Hindernisse dem göttlichen Lichte entgegen. Dies mußte selbst dem Begeistertsten offenkundig sein und die Frage in ihm aufsteigen lassen, wie es komme, daß trotz dieser Verirrungen Israel zu diesem Berufe befähigt bliebe. Darum ruft der Prophet (V. 18.) aus: „Ihr Tauben hört, ihr Blinden blickt auf, um zu sehen. Wer ist blind, wenn nicht mein Knecht, taub, wie mein Bote, den ich sandte? Du schautest Vieles, aber wahrtest es nicht; offen die Ohren, hörte er nicht. Dem Ewigen gesiels um seiner Gnade willen, daß größer und herrlicher die Lehre er mache." Aber gerade darum mußte auch die Züchtigung, mußte die Zeit tiefster Erniedrigung für Israel eintreten, daß es „ein beraubtes, geplündertes Volk", in Gefangenschaft gerathen, zur Beute geworden." Aber hierdurch geläutert, naht sich ihm jetzt die erlösende Hand Gottes. (43, 2.) „So du durch Wasser schreitest, ich bin mit dir, durch Ströme, sie werden dich nicht überfluthen. So du durch Feuer gehest, du versengst dich nicht, die Flamme

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