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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-02-23 · Heft 9 (23.2.1886) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 9 (23.2.1886)
Date
1886-02-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich.! Preis vierteljährig 3 Mark. Abonne- 1 ment in Deutschland (Postzeitungsliste! Nr. 115») und Oesterreich bei allen I i Postämtern, außerdem durch den Buch-! Handel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Wlippson in Bonn. GXpeöition: Leipzig, Woßpleth 18. In redaetionellen Angelegenheiten wende man sich an Vr. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 50. Jahrgang. Leipzig, den 23. Februar 1886. Nr. 0. IrrKsU. Leitende Artikel: Die kosmoreligiösen Beziehungen bei Jesaias II. — Zur Judenfrage, nach den Akten des Processes Rohling-Bloch. — Literarischer Wochenbericht.— Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Frankfurt a. M-, Danzig, Siegen, Posen. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. — Frankreich: Paris. — Rußland: Moskau, Petersburg. — Mazedonien: Salonichi. — Marokko: Paris. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Menah's Hochzeit. Bonn, 17. Februar. Die Kosmoreligiösen Deziehungen bei Jesaias II. II. Bei den erhabenen Vorstellungen von der Gottheit, wie wir sie den Propheten russprechen und dem Herzen des Volkes einsenken sehen, und bei seiner nachhaltigen, theils zum Verstände sprechenden, theils ironischen Bekämpfung des Götzenthums und der Götzenbildnerei, fragen wir nach der Weise, wie er sich das Verhältniß dieser Gottheit zu Israel dachte? Wir erkennen da, daß der Prophet die Gottheit, in ihrer Fürsorge für ihre Menschheit, diese zur wahren Erkenntniß, zu den reinen Begriffen von Gott, mit welchen die Sittlichkeit, die Gerechtigkeit und die Liebe aufs Innigste und Unmittelbarste verbunden sind, führen will, und zwar nicht durch Zwang und Verlockung, wie die späteren Religionen es betrieben haben, sondern — auf dem Wege der geistigen Entwickelung, durch die Kraft der Wahrheit selbst, wenn sie sich in den geschichtlichen Vorgängen offenbart. Hierzu sollte, wie es der Prophet anschaute, Israel der Gottheit zum Werkzeug für die ganze Menschheit dienen. Diesem Israel war die reine Lehre von Gott und das Gesetz der Sittlichkeit, der Gerechtigkeit, und Liebe kundgethan und eingewurzelt, und hierdurch sollte es derLehrer des ganzen Menschengeschlechts sein und werden. Aber auch dieses Israel wurde zu Zeiten seiner Bestimmung untreu, siel von Gott ab, entartete in sittlicher Beziehung als Nation. Dafür wurde es gezüchtigt, von seinen Feinden besiegt, in die Gefangenschaft geführt, verspottet und verhöhnt und mißhandelt. Doch nicht vernichtet wurde es, sondern durch seine Züchtigung zu Gott zurückgebracht, geläutert und nun durch eine große sichtliche Rettung wieder erhoben und nach seinem Lande wieder zurückgekührt. Diese Aufrichtung, diese Erhebung und Rettung vor den Augen der Völker, welche mit Staunen das von ihnen verachtete und mißhandelte Volk aus dem Staube zur Höhe, zum Gipfel der Menschheit emporgehoben sehen, wird den Nationen die Augen öffnen, in ihnen die Erkenntniß der göttlichen Waltung wecken, sie in der Lehre Israels die Wahrheit und das Heil erkennen machen. Wird doch Israel selbst erst auf dem Wege dieser durch die Vorsehung geleiteten Entwickelung zu diesem Ziele geführt sein. Auch in ihm verfiel die noch unreife Nation, trotz der Lehre und trotz aller großen Erlebnisse, immer wieder in das der rohe» menschlichen Natur und dem ungebildeten Geiste nähere Heidenthum. Das Geschick mußte das Amt der Erziehung übernehmen, und unter schweren Kämpfen und Leiden verdichtete sich der Kern des Volkes zu treuen Anhängern der Gotteslehre, bis zum völligen Ausscheiden aller polytheistischen Denkweise und götzendienerischen Gelüste. Auf demselben Wege sollen die Völker zu dem erhabenen Ziele, zur wahren Gotteserkenntniß, zum Reiche des Rechts und der Liebe, des allgemeinen Friedens gelangen. Israel ist das hierzu erkorene Werkzeug, und an der wunderbaren Wandelung seines Geschickes werden den Völkern die Augen geöffnet. Aber zur Herstellung des geschichtlichen Vorganges erwählt Gott einen Helden aus der Mitte der Völker, einen Sieger, der Sturz und Untergang über die dem Uebermuthe und der Entartung anheimgefallenen Völker bringt, die Fesseln Js-

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