Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 8 (16.2.1886)
- Date
- 1886-02-16
- Page
- Seite 125 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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125 Ihre Einbildungskraft, repräsentirt durch die Schlange, überredete sie, daß der bessere Standpunkt durch die Anstrengungen des Mannes gewonnen werden könne, und verpflichtete den Mann, aus seiner Trägheit herauszugehen und von seiner Intelligenz Gebrauch zu machen. Wir brauchen kaum auf die Künstlichkeit dieser Erklärung hinzudeuten, der noch dazu im weiteren Verlauf das Schriftwort widerspricht. Bewunderungswerth ist jedoch an dem Vortrage die Geislesfrische und Lebhaftigkeit des wohl achtzigjährigen Redners, der z. B. in einen edlen Enthusiasmus über die Schriftlehre von der Gottebenbildlichkeit des Menschen und von dessen Herrschaft über die Wesen der Erde verfällt. Als einen Pendant hierzu: „La femme juive“, eine Rede am ersten Tage Rosch Haschanah im Tempel zu Brüssel gehalten vom Großrabbiner J.H.Dreyfuß, vom Gemeindevorstand veröffentlicht. DerVerf. zeichnet in sehr anziehender Weise die Stellung des Weibes in der biblischen und talmudischen Zeit nach Beispielen und Texten als eine sehr würdige und das Weib ehrende, ohne daß dasselbe über die Grenzen seiner Natur und der damaligen Verhältnisse hinausging. fVorträge.j Der Mendelssohn-Verein in Leipzig hat zum Besten seiner Stiftung den vr. M. Brasch gewonnen, sechs Vorträge über Mendelssohn als Philosophen zu halten. Herr vr. Brasch hat sich als Herausgeber der philosophischen und ästhetischen Schriften Mendelssohns, die nächstens in zweiter Auflage erscheinen, bekannt gemacht. In dem einleitenden Bortrage, der bereits am 24. v. M. vor einem gewählten Publicum stattfand, sprach er über Aufklärung, Popularphilosophie und Humanismus im vorigen Jahrhundert. Im zweiten wird er das Leben und den Entwickelungsgang Moses Mendelssohn's behanoeln und in den folgenden die drei philosophischen Perioden Moses Mendelssohn's. Der fünfte jedoch wird ihn als Aesthetiker und Kritiker charakterisiren und seine literarischen Beziehungen, seine Freundschaften und seinen Briefwechsel behandeln. Hamburg, 25. Januar. (Literarische Notizen.) Purim-Almanach. Zweite Sammlung. (Hamburg, A. Goldschmidt.) Es ist eine alte, ehrwürdige Sitte, die Freuden des Purimfestes durch dramatische Schaustellungen und humoristische Vorträge zu erhöhen. „Was führen wir dieses Jahr an Purim auf?" so fragt gewiß jetzt schon mancher lebensfrohe Jüngling und manche Jungfrau in Israel. Nun, diese Frage wird Vielen zur vollen Zufriedenheit das genannte Büchlein beantworten. Es enthält einen hübschen, leicht darstellbaren Schwank in einem Act, und mehrere humoristische Scenen und Deklamationen von dem in Hamburg als Gelegenheitsdichter vortheilhast bekannten Solomon Goldschmidt. Den Freunden guten Humors sei, besonders zum bevorstehenden Purimfeste, das Büchlein aufs Beste empfohlen. Ierrillelon. Menah's Hochzeit. Episode aus einer Afrikareise. Bon Clara Biller. (Fortsetzung. ... Ich kehre nun zu Menah zurück, auf welche die Erwartung des Brautstandes eine seltsame Veränderung ausübte. Mir schien damals, daß sie Ebn Eschak bereits zu lieben beginne, obgleich sie ihn noch nicht gesehen und er nichts war, als eine selbstgeschaffene Vorstellung ihrer kindlichen Einbildungskraft. Für die Liebe — das sah ich voraus — war sie offenbar stark talentirt. Das Hangen und Bangen der Erwartung nebst dem ungewohnten Nähfleiß unter Molly's Direktion hatten Menah übrigens recht blaß gemacht. Damit sie nun nicht auf die unglückliche Idee käme, sich zur Brautwahl den Schminktopf von einer Nachbarin zu leihen — er wandert in Tanger oft straßenweit — dachte ich daran, durch weite Spaziergänge die natürliche Röthe auf den Wangen wieder herzustellen. Wie die meisten Orientalinnen war sie Feindin aller kräftigen, körperlichen Bewegungen, besonders während der heißen Tageszeit. Da ich aber gerade eine solche für besonders wirksam hielt, half ihr kein Sträuben. Auch mit Isaak hatte ich meine liebe Roth. Mittagszeit — Schlafenszeit, das stand bei ihm fest. Endlich hatte ich sie doch beisammen, und früh 11 Uhr machten wir uns auf den Weg. Dicht am Meere hin ging's, denn ich liebe den feuchten, heißen Odem, der um Mittagszeit am Strande weht. Wir hatten mit leinenen Tüchern den Kopf verhüllt und große Schirme aufgespannt. Außer unserm knappen Schatten war Alles hell und blendend: lichtgelber Sand, weißschimmernde Kalkfelsen, klarer Himmel, flimmerndes Wasser. Bei den Trümmern einer uralten Römerbrücke von Tanger vieja machten wir Halt. Nur ein Bogen steht noch aufrecht und umschließt wie ein gemauerter Rahmen einen Durchblick auf's Meer. Dicht bei der Brücke war ein Maulbeergebüsch. Menah, recht wie ein Kind, jauchzte über die reifen Beeren, die groß wie die schönsten Gartenhimbeeren an den Zweigen hingen. Isaak streckte sich sogleich in den