Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-02-16 · Heft 8 (16.2.1886) · p. Seite 124

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 8 (16.2.1886)
Date
1886-02-16
Page
Seite 124 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3227609-3227618--43318-3263671
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

124 Herren Hvfprediger Stöcker und Prof. Wagner der Sozialdemokrat Tischler Berndt das Wort ergriffen hatte. „Zum ersten Male seit den 8 Jahren ihres Bestehens!" seufzt das „D. Tgbl." „Ach, der Tod verschlingt die Besten!" — Die galizische Judenheit hat einen großen Verlust erlitten. Am 5. d. verschied in Wien der Reichstagsabgeordnete Bankier Nathan v. Kallir im 65. Lebensjahre. Näheres in der nächsten Nr. — Aus Adelebsen (Provinz Hannover) schreibt man uns: Am 1. Februar waren es 25 Jahre, seitdem der Lehrer Blumenfeld in der hiesigen Synagogen-Gemeinde wirkt. Die Gemeinde beging diesen Tag auf die festlichste Weise. Es fanden bei sehr zahlreicher Betheiligung Festgottesdienst, Festessen und Festball statt. Die Festrede hielt Herr Landrabbiner Dr. Guttmann aus Hildesheim und der Gottesdienst wurde von dem Cantor Nußbaum aus Göttingen geleitet. Dem Jubilar wurden von nah und fern sehr viele Beweise der Anerkennung und Verehrung zu Theil. Die Gemeinde sowohl als auch jetzige und frühere Schüler überreichten schöne und werthvolle Ehrengaben, die ganze Festlichkeit verlief in der schönsten und erhebendsten Weise, und die empfangenen Eindrücke werden gewiß noch lange in den Herzen der Theilnehmer lebendig bleiben. — Man schreibt uns aus Seelen: Der jüngst in Hamburg verstorbene Herr Phillip Simon, über dessen Hinscheiden dieses Blatt berichtete, war geboren in Bodenteich den 10. Dec. 1808, und in den Jahren von 1820 bis 1826 Zögling der Jacobson- Schule in Seesen. Aus Dankbarkeit gegen die Stätte seiner Bildung hat er dem Pensionsfonds der Jacobson-Schule testamentarisch ein Legat von 3000 Mk. vermacht. — Man schreibt aus Laupheim (Württemb.) vom 25. Jan. Gestern wurden dem isr. Kirchenvorsteher S. H. Steiner, der 25 Jahre durch das Vertrauen seiner Mitbürger im Amte steht und seit 23 Jahren als Nachfolger seines Vaters, der seiner Zeit mit der Civildienstmedaille dekorirt wurde, die isr. Stiftungspflege verwaltet, amtliche und private Anerkennungen zu theil. Die isr. Oberkirchenbehörde sprach in einem Erlaß ihren Glückwunsch aus, dem sich auch das Kgl. Oberamt anschloß. Das Kollegium drückte seinen Dank für die aufopfernde unentgeltliche Führung der Stiftungspflege noch in einer besonderen Adresse aus. — Bonn, 27. Januar. (Literarische Notizen.) Zur Feier des 100jährigen Todestages von Moses Mendelssohn erhielten wir noch die Rede, welche in der Synagoge zu Mannheim der Stadtrabbiner vr. M. Steckelmacher gehalten und die auf Veranlassung des Synagogen-Rathes veröffentlicht worden (Mannheim, Stern-Ellreich, 1886) und die Predigt des Oberrabbiners vr. M. S. Zuckermandel (Trier, Lintz), die derselbe zugleich zum Jubiläum des Kaisers und zur Gedächtnißfeier Mendelssohns in der Synagoge zu Trier gehalten, beide durch Form und Inhalt schöne Gedenksteine des edlen Weltweisen.' Hierher gehört auch: „Ein Jünger Moses Mendelssohns, Rede bei der Beerdigung des sel. Herrn Landrabbiners vr. L. Adler am 7. Januar 1886 von vr- N. Silber stein, Bezirksrabbiner in Wiesbaden, nebst einem Nachrufe des Landrabbiners vr. Prager aus Kassel (Kassel, Gotthelf, 1886)." Der Gedanke, den sel. Adler als echten Jünger Mendelssohns zu feiern, war ein glücklicher, der mit der eigenthümlichen Natur unsres sel. Freundes völlig im Einklang stand. — Wir fügen dem hinzu: „Der Prediger Salomon oder das Gotteswort auf der Höhe, ein Denkmal für den Vater der jüdischen Kanzelrede vr. Gotthold Salomon, am Schlußtage des 100. Jahres nach seiner Geburt, auf desselben Kanzel errichtet in einem homiletischen Bortrage von Prediger vr. David Leimdörfer" (Hamburg, Rudolphi, 1885). Wir können es nur dankbar anerkennen, daß vr. Leimdörfer das Andenken des verdienstvollen Salomon durch seine beredten Worte erneuete und feierte. Salomon wirkte auf mehrfachen Feldern des Judenthums in so anregender Weise und mit so vielem Erfolge, daß unsre schnell lebende Gegenwart, die so leicht der Vorgänger, auf deren Schultern sie steht, vergißt, immer einmal wieder darauf aufmerksam gemacht werden muß. — Wir erhalten aus Paris und Brüssel zwei wohl zu beachtende Broschüren. Die eine ist ein Separatabdruck eines Vortrages, welchen der altverdiente A. Frank (äs l'Institut) am 17. Dec. v. I. in der Generalversammlung der Loolete des vtnäss juives gehalten: Le peche originel et la femme, d’aprös le recit de la Genfese (Paris, Alcan-Levy, 1886). Der Redner sprach zuerst über die „Erbsünde", die Entstehungsgeschichte dieses christlichen Dogmas, welchem er die Texte unsrer Bibel entgegenstellt, die diesem Dogma geradezu widersprechen; dann handelt er über die Erzählung vom Garten Eden und dem Antheil der Frau in derselben. Hier ist es, wo wir mit dem Redner nicht übereinstimmen. Nach unsrer Ansicht, die wir in unserem Commentar zur Stelle ausführlich dargelegt, dürfen wir die Erzählung vom Paradiese nicht von der darauf folgenden über den Streit Abels und Kains trennen; beide sollen uns erklären, wie der Mensch aus dem ursprünglichen Zustande der Unschuld zur Sünde kam und kommt: die erstere zeigt als Motiv zur Sünde die Sinnlichkeit, die andere die Gesellschaft und die in dieser sich entwickelnden Verhältnisse. Beides giebt noch heute die Motive zur Sünde ab. Franck sieht den Zustand des Menschen im Garten Eden als „einen wenig beneidenswerthen" an, da er den Unterschied zwischen Gutem und Bösem, zwischen Schönem und Häßlichem noch nicht kannte, das Gefühl der Scham nicht besaß, Leben und Tod nicht zu unterscheiden wußte und die Intelligenz gar nicht kannte. Die Frau nun, nach Frank, ging mit ihrer lebhaften Sensitivität dem Verstände des Mannes voran und wünschte einen besseren Zustand.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.