Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 8 (16.2.1886)
- Date
- 1886-02-16
- Page
- Seite 115 (sequence 3)
- Language
- German
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115 (40, 12): „Wer maß mit seiner Handhöhle die Wasser ab, ermaß die Himmel mit der Spanne, schöpft' in dem Drittel den Staub der Erde ab, und wog in der Wage Berge, Hügel in der Wagschale?" (22.): „Er ist es, fährt er fort, der thront ob dem Erdkreis, der ausspannt wie einen Schleier die Himmel, wie ein Zelt zum Wohnen sie ausbreitet." (26.): „Hebet zur Höh' eure Augen und schaut, wer hat diese geschaffen? Der herausführt nach der Zahl ihr Heer, Alle ruft beim Namen: vor der Allmachtsfülle und dem Kraftgewaltigen bleibet Keiner aus." (42, 5.): „So spricht der Gott, der Ewige, der die Hinuuel geschaffen, sie ausgespannt, der die Erde gebreitet mit ihren Sprossen, der Odem giebt dem Volk auf ihr und Geist den auf ihr Wandelnden." Bor diesem Weltschöpfer ist denn alles Irdische nichtig, der Prophet ruft aus (40, 15.): „Siehe, Völker sind wie ein Tropfen vom Eimer, wie ein Stäubchen der Wagschale geachtet, Länder, sieh, wie verfliegender Staub. All' die Völker sind wie nichts vor ihm, vom Nichts und Wesenlosem sind sie ihm geachtet. Er wandelt Fürsten zu Nichts, Erdenrichter macht er zu Wesenlosen, — noch waren sie nicht gepflanzt, noch nicht gesäet, noch nicht halt' in der Erde gewnrzelt ihr Stamm: da haucht' Er sie an und sie waren verdorrt, und wie Stoppeln trägt der Sturm sie dahin. Gott der Ewigkeit ist der Ewige, Schöpfer der Enden der Erde, ermattet nicht, ermüdet nicht, unergründlich ist seine Einsicht." Wie also Gott als Weltschöpfer und Weltregierer die Allmacht und die Allweisheit ist und die Vergeltung übt, so ist er auch die Allliebe. Der Prophet spricht (40, 10.): „Siehe der Herr, der Ewige, kommet mit Macht, sein Arm wirket ihm, siehe sein Lohn ist mit ihm, seine Vergeltung vor ihm. Wie ein Hirt wird er weiden die Heerde, mit seinem Arm die Lämmer sammeln, in seinem Busen sie tragen, Säugende sanft geleiten." „Er leiht dem Matten Kraft, dem Ohnmächtigen mehrt er Stärke." (41, 17.): „Die Leidenden und Armen suchen Wasser, es ist nichts da, ihre Zunge dorrt vor Durst: ich der Ewige erhöre sie, ich verlasse sie nicht, ich öffne auf nackten Höhen Ströme und in den Thälern Quellen, ich wandte die Wüste zum Wasserteiche, Steppenland zu Wasferquellen. Ich bringe in die Wüste Ceder, Akazie und Myrrhe und Oelbaum, ich setz' in die Steppe Cypresse, Platane.und Bnchsbaum zumal — auf daß sie sehen, erkennen, gewahren und begreifen zumal, daß des Ewigen Hand Solches gethan, der Heilige Israels es geschaffen." Im Angesicht solcher Erkenntnisse ruft der Prophet aus (40, 18.): „Wen: wollt ihr Gott vergleichen und welch Gebild ihm gleich stellen?" (25.): „Wem nun wollt ihr mich vergleichen, daß ich ähnlich sei?" — Um so mehr, setzt er dieser Lehre von Gott die Nichtigkeit der Götzen entgegen. Zu betonen ist hierbei, daß er jenen: weitverbreiteten auch im früheren Israel nicht seltenen Wahne entgegentritt, welcher den von den Nationen angebeteten Göttern neben dem Ewigen eine gewisse göttliche Existenz zuertheilte. Er erklärt sie allesammt für Nichtigkeiten, für gar nicht bestehend, so daß sie eben nur Götzenbilder sind, die ein Künstler hervorbringt und zwar aus todtem Material, das er auch zur Befriedigung gewöhnlicher Lebensbedürfnisse verwendet. Es ist eine feine und doch einschneidende Ironie, die der Prophet hierbei übt und die im Stande ist, die ganze Thorheit, den ganzen Unverstand, der in dieser Götzenbildnerei und Götzenanbetnng liegt, den Hörern und Lesern zum Bewußtsein zu bringen. So sagt er gleich nach der erhabenen Schilderung, die er von Gott entwirft (40, 10.): „Das Bild, ein Künstler goß es, ein Goldschmied uberzog's mit Golde, anschmiegend silberne Kettchen. Wer ärmer an Habe, wählt Holz, das nicht morsch wird, sucht einen weisen Künstler sich, ein Bild zu fertigen, das nicht wanke." Aber wie ein einsichtsvoller Redner, der weiß, daß, um einen Gedanken tiefer in die Seele des Hörers zu senken, er wiederholt und breiter ausgeführt werden muß, so kommt der Prophet immer wieder auf diese ironische Behandlung des Götzenthums zurück (41, 7.): „Der Künstler ermuthigt den Goldschmied, der Hammerglätter den Amboßschläger, spricht von der Löthung: gut ist sie, heftet's mit Nägeln, es soll nicht wanken," und darauf ruft er aus (41, 24): „Siehe, vom Nichts seid ihr, euer Wirken von Garuichts, Greuel erwählt man an Euch. Siehe, sie alle sind nichts, garnichts ihr Werk, Wind und Wesenloses ihre Gebilde!" 44, 12. führt er das Bild noch weiter aus; er sagt von den Künstlern: „Der behaut Eisen mit dem Schlägel, arbeitet mit der Kohlengluth, bildet es mit Hämmern, mit seinein starken Arm bearbeitet er es, auch hungert er, daß kraftlos, trinket kein Wasser, daß matt er wird. Der behaut Holz, spannt die Schnur, zeichnet es mit dem Zirkel und fertigt es nach Mannesgestalt, nach Menschenschönheit ein Haus zu bewohnen. Er fällte sich Cedern, nahm Steineiche und Eiche, traf die Wahl unter den Bäumen des Waldes, Esche hatte er gepflanzt und der Regen großgezogen. Es dient dem Menschen zum Brennen, er nimmt davon und wärmt sich, auch heizt er und bäckt Brod, auch macht er einen Gott und bückt sich, bereitet ein Götzenbild und wirft sich davor nieder. Deß Hälfte verbrannt' er im Feuer, durch die Hälfte verzehrt er Fleisch, brät Braten und sättigt sich, wärmt sich auch und spricht: Ach ich werde warm und spüre Feuer. Aber den Ueberrest macht er zun: Gotte, zu seinem Götzenbilde, wirft sich nieder davor und beugt sich, betet zu ihm mtö spricht: „rette mich, denn du bist mein Gott!" Sie erkennen nicht, sie sehen nicht ein, denn überzogen sind, daß sie nicht sehen, ihre Augen, daß es nicht verstehe, ihr Herz; nicht beherzigt er, nicht Erkenntniß, nicht Einsicht hat er zu sprechen: Deß eine Hälfte verbrannteich im Feuer, auch buk auf seinen Kohlen ich Brod, briet Fleisch, und deß Rest will ich zum Greuel machell, vor einem Holzklotz 8*