Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-02-02 · Heft 6 (2.2.1886) · p. Seite 91

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 6 (2.2.1886)
Date
1886-02-02
Page
Seite 91 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227609-3227616--43283-3263634
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

91 Art. 2 im belegten Sinne abgeändert, eventuell die Inden nach der Ansicht Windthorsts von der Beitragspflicht zu den Kosten der Realschule entbunden werden. Oesterreich -Ungarn. Wien, 11. Januar. In der heutigen Sitzung des niederösterreichischen Landtages stand eine Vorlage wegen Aufbesserung der Lehrergehälter auf der Tagesordnung. In der Debatte sprach Dumba, nachdem er für die Vorlage eingetreten, sein Bedauern darüber aus, daß das Verhalten eines Theiles der Lehrerschaft leider ein solches sei, daß die Sympathien der Bevölkerung für den Stand abnehmen müssen. Er sei gewiß nicht dagegen, daß der Lehrer, wie jeder andere Staatsbürger, seine politische Meinung habe; allein das sei mit dem Beruf der Lehrer nicht vereinbarlich, daß sie als Agitatoren und Hetzer auftreten. Es sei traurig zu sehen, wie ein Theil der Lehrer gerade als Hauptagitatoren im Lager Derjenigen sich befinde, welche gegen einzelne Racen und Confessionen fort und fort hetzen, welche, um es gerade heraus zu sagen, mit dem Antisemitismus unser Zeitalter schänden, aller Bildung und Culturbestrebung ins Gesicht schlagen und den Namen Oesterreichs im Auslande diskreditircn. Er glaube, daß Kirche und Schule nicht herabgezogeu werden sollten in den Pfuhl politischer Agitationen. Wien, 16. Januar. Das Konnte des Wiener Genossenschaftstages hat in seiner gestrigen Versammlung eine Resolution des Inhalts beschlossen, daß der Genossenschaftstag mit den Bestrebungen der Antisemiten nichts gemein haben wolle und gleichzeitig dem Vorgehen des antisemitischen Führers Ernst Schneider gegenüber, welcher im Genossenschaftstage bisher das Wort führte, seine Mißbilligung ausgesprochen. Brünn, 21. Jan. (Privatmitth.) Das geplante Proseminar für Rabbiner und jüdische Lehrer ist in ein neues Stadium getreten, indem der Minister sich bereit erklärt hat, es zu genehmigen, wenn die nöthigen Mittel ausgewiesen werden. Die Sache ist für die Zukunft des Judenthums von großer Tragweite, sie ist durchführbar, denn schon die bisherigen Leistungen ohne Organisation haben gezeigt, daß wir eine Reihe von Schülern herangebildet haben, die im Stande sind, die Bibel ex abrupto in den erzählenden Theilen zu übersetzen, acht Schüler find im Stande die Mischnah zu lesen und haben die hebräische Formenlehre vollständig bewältigt und einer, der früher schon bei dem Schreiber dieser Zeilen Unterricht genommen hat, kann bereits den Talmud lesen und ist im Stande, ohne jede Beihilfe selbst die schwierigeren Bibel -Commentare als Kimchi und Jbu Esra zu verstehen. Dabei ist der Unterricht zuerst nur von mir er theilt worden, der ich ohnehin durch meine Beschäftigung in» Staatsdienste vollauf zu thun habe und erst seit Oktober v. I. hat der Sekretär der hiesigen Gemeinde Dr. Oppenheim Aushilfe geleistet, indem er die Schüler übernahm, welche bereits die Elemente erlernt hatten, während ich die Thronen einzuführen unternahm und außerdem den Auserwählteren Unterricht in Mischnah und Talmud erlheilte. Dabei muß man bedenken, daß weder Stipendien vertheilt wurden, noch auch nur ein passendes Local zur Verfügung stand. Mit einem Worte: materielle Leistungen werden erst erwartet. Es handelt sich darum, einen Lehrer auzustellen, einen Stipendienfonds zu schaffen, einen detaillirten Lehrplan auszuarbeiten und vor Allem ruuß das Curatorium des mährischjüdischen Landes-Massafonds sich bewußt sein, dag jüdische Zwecke nicht erreicht werden durch Bertheilung von Gnadengaben an alte Schächter und Tempeldieuer, sondern daß man in erster Linie für den Bau des zukünftigen Judenthums die Grundlagen schaffen muß. Dr. Deutsch. Der Erlaß lautet: 1113 K. k. mährische Statthalterei! Seine Excelleuz der Herr Minister für Cultus und Unterricht hat mit dem Erlaß vom 2. Januar 1886 Z. 19DM über das unmittelbar hohen Ortes eillgebrachte Gesuch vom 6. Juni 1885 seine Geneigtheit eröffnet, Die Errichtung einer israelitischen theologischen Schule in Brünn zu genehmigen, es mußte jedoch der gestellte diesfällige Antrag durch Vorlage eines Errichtungsstatutes u»»d Lehrplanes ergänzt werden. Bei der Verfassung dieser Beläge ist sich an die in der kaiserlichen Verordnung vom 27. Juni 850 R.-G. Bl. No. 609 festgesetzten Grundsätze insbesondere bezüglich der Sicherstellung des Bestandes der Anstalt zu halten und mußte, da sich dieselbe den Ausführungen des geehrten Rabbinats gemäß an Mittelschulen und Lehrerbildungsanstalten in der Art anzulehuen hätte, daß deren israelitische Schüler zugleich den Unterricht an der neuen Lehranstalt genießen, auf dieses Berhältniß und die aus demselben sich ergebenden Wechselwirkungen Bedacht genommen werden. Indem das geehrte Rabbinat verstä»rdigt wird, sehe ich der Vorlage eines Crrichtuugsstatutes und Lehrplanes für die zu errichtende Lehranstalt entgegen. Brünn, den 13. Jan. 1886. Für den k. k. Statthalter Winkler. Bulgarien. Bonn, 22. Januar. Wenn die früher gegebenen Nachrichten über ein jüdisches Bataillon aus Sofia und dessen tapferes Verhalten in: bulgarisch-serbischen Kriege von einem Correspondenten der „Köln. Ztg." als erfuuben bezeichnet, worden, so bringt die jüngste Nummer der „Avch. isr." eine Correspondenz aus Sofia vom 6. Januar, »velche ansttihrlich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.