Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 6 (2.2.1886)
- Date
- 1886-02-02
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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88 testen, entzogen haben, welche Kinder mit ihren Ellern die das Schriftwort fixirt zu werden, weil dereinst die Angelegen- Stadt verlassen mußten. cheit, welche uns am meisten beschäftigte, ein Blatt, wenn Als wir neulich in der Schule das Chanukah- (Weihe)- auch wiederum kein erfreuliches, in der mit Thränen geschriefest, verbunden mit einer Beschenkung der Kinder, in der benen Geschichte unseres Volkes bilden wird. Möge endlich würdigsten und weihevollsten Weise feierten, da waren nur das Trostwort der heiligen Schrift an unserem Volke sich benoch 52 Kinder in den drei Klassen der Schule vorhanden, thätigen und bestätigen: „Die mit Thränen säen, werden welche an dieser Feier theilnahmen. Eine reiche und erfolgmit Freuden erndten." reiche Thätigkeit liegt hinter uns, die es wohl verdient, durch Deutschland. Bonn, 24. Januar. (Privatmitth.) Noch täglich langen bei dem Redacteur dieser Zeitung die herzlichsten Glückwünsche zum 50. Jahrgang aus Nah und Fern an. Für alle diese Zeichen der Zuneigung und Achtung danken wir aufs Innigste. Am wohlthuendsten waren für uns die Aeußerungen der ehrwürdigen Veteranen, die diesem Blatte folgten von seiner ersten Nummer an bis heute, wie Herr Oberkirchenrath Di', v. Wassermann in Stuttgart, Rabbiner Dr. Levi in Gießen, Stadtrabbiner Dr. Schwabacher in Odessa u. A. Waren sie doch die Mitstrebenden, Mitarbeiter und Mitkämpfer durch eine vielbewegte Zeit, und lebt in ihnen das Bewußtsein alles Dessen, was geschehen und was erforderlich war an Glaubensmuth und Ausdauer, um gemeinsam zur Gegenwart vorzudringen. Unter den uns gewidmeten Adressen heben wir die in ausgezeichnetem Hebräisch verfaßten des Herrn Schuldirectors Hillel Kahane in Bottuschani (Rumänien) und des „Vereins zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland" in Petersburg, der uns zu seinem Ehrenmitgliede ernannte, dankbar hervor. Uns gelten alle diese Kundgebungen.als Zeugnisse für die Liebe zu der heiligen Sache, welche diese Zeitung zu vertreten sich bemüht. Berlin, 20. Januar. (Privatmitth.) Es war vorauszusehen, daß die Verhandlungen und der Beschluß der Reichstagsmehrheit über die Ausweisungen von den conservativeu und nationalliberalen Blättern aufs Heftigste angegriffen werden würden. Dies ist denn nun auch in vollem Maße geschehen. Die „Kreuzzeitung" kann sich nicht genug wundern, daß man einen solchen Lärm um „Polen und Juden" machen könne; der Stöcker'sche „Reichsbote" gebraucht in seinem Ergüsse nicht weniger als neunmal die Worte: Juden und jüdisch. Nun, die Verachtung des Menschen in „Polen und Juden" ist nicht geringer, als die Verachtung, die wir für den Junker in dem Kreuzzeituugsmenschen und in dem Reichsbotenmenschen der frommen Herren hegen. — Gestatten Sie mir. ein von Ihnen in dieser Zeitung oft bearbeitete Feld einmal zu betreten. Nichts findet man häufiger bei Schriftstellern, als die Bewunderung der hellenischen Freiheit und das Lob der Hellenen, als des politisch höchsten Volkes des Alterthumes, wo sie dann im Gegensatz das israelitische Volk als politisch völlig unentwickelt bezeichnen. Nun, die hellenische Freiheit war so groß, daß es dem athenischen Bürger gestattet war, seinen Sklaven bei der geringsten Veranlassung aufs Grausamste zu foltern. Es geschah dies oft, nicht etwa um ein Geständniß eines eignen Vergehens zu erhalten, sondern schon um eine bloße Auskunft über irgend einen Vorfall zu erlangen. Wer dies bezweifelt, lese z. B. nur „Schlossers Weltgeschichte", IV. Ausgabe, Bd. II, S. 0. Nach dem jüdischen Gesetze hingegen erhielt ein Sklave (auch ein nichthebräischer), sobald sein Herr ihm ein Glied verletzte, z. B. einen Zahn ausschlug, seine volle Freiheit (2 Mos. 21, 26. 27. Kiddusch. 24, 1 ff.). So war dem athenischen Bürger die Freiheit gewährt, seine Sklaven aufs Aeußerste zu mißhandeln, während der Israelit nicht die Freiheit besaß, seinen Mitmenschen im Sklaven zu mißhandeln, weil diesem sonst die Freiheit ohne irgend eine Entschädigungspflicht zugestanden war. Auf welcher Seite liegt hier der Begriff und die Entwickelung der wahren Freiheit? auf welcher Seite die Humanität, das Menschenrecht und die Menschenwürde? - In der gestrigen Sitzung des deutschen Reichstages, in der Verhandlung über den Colonialetat, nahm auch der Abg. Stöcker das Wort. Er sprach sich über die Frage ans, ob die protestantischen oder die katholischen Missionäre in Afrika toleranter seien. Dann wandte er sich gegen den Abg. Wörmann, warf sich gewaltig in die Brust und sprach: „Herr Wörmann braucht sich nicht zu wundern, daß das Publikum über seine Aeußerungen unruhig geworden ist; er verdankt es seinen eigenen Aeußerungen vom vorigen Jahre. Da hieß es: „Sollen wir ans reiner Liebe zu den Negern, die doch noch nicht unsere Brüder sind, einen großen Geschäftszweig unterbinden? Ich glanbe daß es hier und da,