Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 4 (19.1.1886)
- Date
- 1886-01-19
- Page
- Seite 62 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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diese. Da rief Rothenberg die Berliner Kaufmannswelt zum Masseneintritt in die Corporation auf, um ihr frisches Blut zuzuführen. Nach einem Saale in der Frankfurter Straße rief er die constituirende Versammlung zusammen, in der ihn Schulze-Delitzsch unterstützte. Der Kampf bei der nächsten Aeltestenwahl war heiß, Rothenberg setzte es durch, daß auch Handel und Industrie im Aeltesten-Collegium vertreten wurden. Der alte Stamm schloß endlich mit dem verhaßten Kampfverein seinen Frieden und heute bereitet man friedlich mit ihm zusammen die Wahlen vor. — Die Beerdigung des am 6. Januar cr. am Herzschlage in der von ihm begründeten Sanitätswache Blumenstraße 59. verstorbenen Kaufmann Jacob Rothenberg findet am Sonntag den 10. Januar er., Vormittags 11 Uhr, von der Leichenhalle des jüdischen Kirchhofes, Schönhauser Allee, statt. Die Mitglieder des Wahlvereins der deutschen Fortschrittspartei im IV. Berliner Reichstagswahlkreise, dessen Mitbegründer und Vorstandsmitglied Jacob Rothenberg war, wollen sich möglichst stark an der Begräbnißfeierlichkeit betheiligen. — Man schreibt uns „vom Rhein": Am 2. Januar feierte Herr Jacob Wolf sein 25jähriges Lehrerjubiläum in Düren. Die ganze Gemeinde, Jung und Alt, nahm freudigen Antheil an dem schönen Feste. Das war eine erhebende Feier, Lehrer und Gemeinde ehrend! Gratulationen folgten auf Gratulationen; alle wollten dem geliebten Lehrer den ihm gebührenden Dank und Anerkennnng zollen. Dann die Ueberreichung eines Ehrengeschenkes in Baar, und zwar ein ganz erhebliches. Was aber dem Ganzen die Krone aufsetzte, war die Uebergabe eines Gedenkblattes von Herrn Blumberg, Maler in Düren, angefertigt im Aufträge der Gemeinde, das ein Meisterwerk seiner Art zu nennen ist. Ich gestatte mir, eine kurze Beschreibung dieses Gedenkblattes zu geben. Dasselbe im architectonischen Renaissancestyl gehalten, stellt im Aufbau Folgendes dar: Das mittlere Bogenfeld wird von beiden Seiten von je 2 Säulen tragenden Hallen flankirt. In dem Raum der linken Halle ist der frühere Wirkungsort des Jubilars (Weißweiler), in der rechten Is e u i i vermischtes. Die Statue der Religionsfreiheit. Wir haben schon früher berichtet, daß eine solche von den jüdischen amerikanischen Bürgern der großen Republik zum Centenarium gewidmet worden. Die Statue ist die Schöpfung Ezekiel's des großen amerikanischen jüdischen Bildhauers, und stellt Amerika mit Halle Düren, beide Orte nach der Natur ausgenommen. — Die der Krönung des mittleren Bogens entsprechenden Arabesken mit Lorbeerkranz schmückt das wohlgetroffene Bild des Jubilars, umgeben von zwei weiblichen Figuren mit den Attributen der Schulgegenstände, welche erstere mit Hülfe von Kinderftguren die Jahreszahlen 1861—1886 bekränzen. Das Ganze ruht auf einer entsprechenden Verzierung, von welcher aus eine Doppeltreppe mit Vorbau als Aufgang zur mittleren Halle führt, die die Widmung für den Jubilar in kalligraphischer Ausführung trägt. Die Widmung lautet: Der Herr Lehrer Jacob Wolf zur Feier seiner 25 jährigen ehren- und verdienstvollen Thätigkeit an der hiesigen israelitischen Schule, von seinen früheren Schülerinnen, Schülern und Freunden ehrfurchtsvoll gewidmet. Den 2. Januar 1861. Düren, den 2. Januar 1886. Unter der Widmung in dem eigentlichen Bogen befindet sich der Vers 15, Abschnitt 4 der Sprüche der Väter in hebräischer uud deutscher Ausführung. — Links auf der Treppe weist eine würdige, männliche Gestalt seinen Sohn aus des würdigen Lehrers Verdienste hin. — Rechts sehen wir die Mutter ihre Tochter ebenfalls zur Hochachtung gegen den Lehrer ermahnend. — Am Kopfe der linken Seitenhalle ist das wohlgetroffene Portrait von Moses Mendelssohn uud am Fuße dasjenige von Cromieux. Am Kopfe der rechten Seitenhalle des Portrait von vr.Ludwig Philippson und am Fuße das Portrait von Sir Moses Montefiore. — Die Synagoge der Stadt Düren ist im ovalen Saum des Treppenhauses nach der Natur ausgenommen; unterhalb der Synagoge versinnbildlicht eine Quelle, die in einer Muschelschale mündet, die Religion — der Born des Lebens. Lieder, Reden und Declamationen trugen zur Hebung des Festes mit bei, und glauben wir, daß außer dem Jubilar alle Festtheilnehmer dieses Tages noch lange freundlichst gedenken werden, ganz besonders aber wird dieser denkwürdige Tag in den Herzen der Schüler und der Schülerinnen unvergeßlich bleiben für ihr ganzes Leben. leton. gegen einen die Religion repräsentirenden Jüngling wie zum Schutz ausgestrecktem Arme dar. Die linke Hand der Amerika ruht auf einer Gesetzesrolle der Ver. Staaten, welche allen ihren Söhnen religiöse Gleichheit giebt. Am Fuße befindet sich der amerik. Adler mit seinen Krallen am Halse der Schlange Intoleranz. Das Denkmal ist so weit fertig, daß es bald ausgestellt werden wird.