Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 4 (19.1.1886)
- Date
- 1886-01-19
- Page
- Seite 60 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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60 richtsminister an erster Stelle zur Ernennung empfohlen, vr. Goldziher würde an die philosophische, nicht aber an die theologische Faeultät, also auch nicht als Nachfolger Rohling's ernannt werden. Bulgarien. Sophia, 3. Januar. (P. I. Z.) Zwei Tage vor der Heimkehr des Fürsten Alexander begab sich der Chacham Baschi in Begleitung der Vorsteher und anderer vornehmer Juden der hiesigen Gemeinde zu dem Minister-Präsidenten Karaweloff, um ihn zu bitten, die Glückwünsche der jüdischen Gemeinde Sophia und die patriotischen Gefühle sämmtlicher Inden Bulgariens dem Fürsten auszudrücken. Der Minister- Präsident, sehr erfreut über diese patriotische Kundgebung, versicherte der Deputation, daß er ihrem Wunsche entsprechen würde und sagte u. a.: „Das Vaterland wird es nie vergessen, daß die bulgarischen Juden in den Tagen der höchsten Gefahr patriotischen Opfermuth bekundet haben. In jenen schweren Tagen haben sich die Juden als treue Bulgaren gezeigt, das dankbare Vaterland erkennt sie dafür in den Tagen des Glückes und des Triumphes als bulgarische Bürger an. Ihr seid zu Bulgaren geworden in dem Augenblicke, da sich das Blut Eurer Söhne mit dem Blute unserer Kinder auf dem Schlachtfelde vermischt hat. Das auf diese Weise vergossene Blut — glaubt es mir — ist das beste Bereinigungsmittel." Die aus hundert Mitgliedern bestehende Deputation, mit dem Chacham Baschi an der Spitze, betheiligte sich auch an den Empfangsfeierlichkeiten zu Ehren des Fürsten Alexander. Belgien. Brüssel, im Dez. (Privatmitth.) Das Prinzip der freien Selbstverwaltung hat neben großen Vorzügen doch auch den Nachtheil, daß es eine sehr verschiedene Behandlung eines und desselben Gegenstandes in einem und demselben Lande herbeigeführt. Dies ist besonders in cultuellen Fragen der Fall, wenn das Volk des Landes in zwei entgegengesetzte religiöse Parteien gespalten ist. Wo dann in den Gemeinden die kirchliche Partei vorherrscht, werden die obschwebenden Fragen in klerikalem Sinne entschieden, in anderen Gemeinden, wo die liberale und dies heißt zumeist die radikale Richtung die Oberhand hat, werden die entgegengesetzten Maßregeln getroffen. Hierunter haben denn auch die anderen kleineren Religionsgenossenschaften zu leiden, welche mit dem großen Kampfe zwischen dem Katholizismus und dem Liberalismus garnichts zu schaffen haben, die jüdische und die protestantische. Sie unterliegen denselben Maßnahmen, während sie zu diesen garkeine Veranlassung gegeben haben. Dies haben wir in der Friedhofsfrage erlebt und dann wieder hinsichtlich des Religionsunterrichtes. Das von der liberalen Majorität erlassene Schulgesetz gravitirte bekanntlich nach der Seite der simultanen Communalschulen. Der Magistrat zu Brüssel verlangte deshalb die Aufhebung der jüdischen Elementarschule, indem er die dieser Schule gewährte städtische Subvention ihr entzog. Die jüdische Gemeinde gab nach, um so mehr, als in der an ihre Stelle tretenden Communalschule, wie das Gesetz facultativ zuließ, der Religionsunterricht vor oder nach den Schulstunden ertheilt werden durfte, wozu die jüdische Gemeinde die Lehrer zu bestellen hatte. Das neue Schulgesetz vom klerikalen Ministerium durchgesetzt, entzieht den Communalschulen die Staatsunterstützung und ermöglicht deshalb in den meisten Städten die Beseitigung der Simultanschulen und die Wiederherstellung der unter priesterlicher Aufsicht stehenden sg. freien Schulen. Als Contremine hat nun der hiesige Magistrat die Erlaubniß zur Ertheilung des Religionsunterrichtes in den Schulräumen zurückgezogen. In Folge dessen war die jüdische Gemeinde genöthigt, besondere Religionsschulen zu errichten, von denen die eine in den Räumlichkeiten der Synagoge untergebracht ist, die andere in einer Borstadt hergestellt worden. — Die Stadl Ostende hat dem israelitischen Consistorium angeboten, die Räumlichkeiten für eine Synagoge während der Badesaison herzustellen, wenn das Consistorium für eine angemessene Abhaltung des Gottesdienstes Sorge trägt. Da sehr oft die hohen Feiertage in die Badesaison fallen, so ist dieses Anerbieten in cultueller Beziehung von Wichtigkeit; bisher haben wir jedoch nicht gehört, daß das Consistorium Schritte zur Ausführung dieser Sache gethan habe. Amerika. Chicago, im Dez. Wie aus dem hier erscheinenden „Occident" hervorgeht, hat die Resolution der Rabbiner- Conferenz von Pittsburg insofern eine gewisse Aufregung hervorgerufen, daß fast alle Rabbiner in den Bereinigten Staaten sich darüber auslassen und theils für, theils gegen sie zu Felde ziehen. Die Mehrzahl derer, deren Äußerungen in die Oeffentlichkeit dringen, erklären sich gegen sie, besonders auch aus dem Grunde, weil sie, statt des Friedens und der Ansgleichung auf dem religiösen Gebiete, aus welchem sich schließlich doch jeder nach der von ihm gewonnenen religiösen -Ueberzeugung richtet, den Streit und die Spaltung befördern. In diesem Sinne steht auch die Mehrzahl der jüdischen Blätter nicht auf Seiten jener Conferenz. Wir geben dies eben nur als Thatsache. — Während des ablaufenden Jahres sind in Nordamerika 18535 Juden eingewandert. Bon diesen waren 11348 Russen, 4825 Oesterreicher, 1819 Deutsche und 397 Rumänen. Bon diesen Ankömmlingen verließen sofort New-Iork 7306, um sich nach verschiedenen Plätzen im Weste» zu begeben, während 10793 in New-Aork zurückblieben. In diesem Monate werden Rabbiner der Südstaaten in New Orleans eine Conferenz halten, ihr Zweck ist: neue Gemein-