Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 4 (19.1.1886)
- Date
- 1886-01-19
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
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59 Kirchenrath Dr. Wassermann führte in seiner Predigt auch den schwäbischen Dichter Philipp Karl Conz an, der auf Mendelssohn ein lyrisch-didaktisches Gedicht schrieb und ihn den Stolz Europas nannte. Mehrere Tagesblätter bringen längere Artikel über Mendelssohn. Saarwellingen, 5. Januar. (Eingesandt.) Die Wahl eines passenden Conferenzortes ist bei den meisten jüdischen Lehrervereinen ein sehr heikeler Punkt. Allen Wünschen kann man da nicht gerecht werden. Die Folge ist, daß die entfernt wohnenden Lehrer die Conferenz nicht besuchen. Ohne Zweifel muß aber die Wirksamkeit der betr. Vereine dadurch partiell beeinträchtigt werden. — Der „ Verein israel. Lehrer Südwest-Deutschlands" hat deshalb in seinem Vereinsgebiete die Einrichtung von Specialverbänden angeregt, welche auf ihren in den jedesmaligen Ferien abzuhaltenden Conferenzen, abgesehen von der Beschlußfassung über die bei der Hauptconferenz zu stellenden Anträge, über die der letzteren vorliegenden Fragen vorher verhandeln sollen. — Tie erste derartige Specialconferenz fand am 27. Dez. v. I. zu Hoppstätten unter dem Vorsitze des dortigen Lehrers Herrn Eppstein statt. Gegenstände der Tagesordnung waren: 1) Vorschläge zur Abhaltung einer angemessenen Mendelssohnfeier. 2) In wie weit können die Vereinszwecke durch die Presse gefördert werden? 3) Ueber das Verhältniß zum Nachbarcollegen, bezw. über die Vornahme von Amtshandlungen in dem Amtsbezirke eines anderen Lehrers. 4) Von der Berechtigung des Lehrers zur Vollziehung des Trauaktes. Da die Beschlüsse dieser Conferenz bei der Hauptconferenz wieder zur Berathung kommen, so können dieselben erst nach Ablauf der letzteren veröffentlicht werden. — Die Gemeinde zu Hoppstätten hat es verstanden, den betheiligten Lehrern den Conferenztag zu einem wahren Festtage zu gestalten. Die wahrhaft herzliche Aufnahme, welche wir dort fanden; das seltene Verständniß für die Aufgabe des jüdischen Lehrers und die innige Antheilnahme an dem meist so traurigen Lose desselben, welche die Gemeinde zu Hoppstätten, insbesondere der erste Vorsteher derselben, Herr Ebois Weil, bewiesen — hat gewiß in dem Herzen jedes Conferenzbesuchers den Wunsch erweckt: Möchte es jedem tüchtigen Lehrer vergönnt sein, in einer Gemeinde wirken zu können, welche der Gemeinde zu Hoppstätten gleicht! Scheuer. Wittmund, 4. Jan. (Privatmitth.) Heute am 100jähr. Todestage unseres großen Philosophen Moses Mendelssohn wird sich jeder seiner Bibelübersetzung erinnern. Aber auch unserer Flecken ist die Geburtsstätte eines Mannes, der noch früher, schon im Jahre 1679, die Bibel ins Deutsche übertrug. Derselbe R. Jekatiel Blitz wohnte in einem kleinen Dorfe Altfunnixsiel in der Nähe Wittmund's in Ostfriesland und ist auf dem hiesigen Friedhofe, der weit über 200 Jahre alt sein soll, beerdigt.*) Oesterreich-Ungarn. Wien, 8. Januar. Der vom Abte Karl im niederösterreichischen Landtage eingebrachte Antrag, den katholischen Pfarrern eine Virilstimme im Ortsschulrathe einzuräumen, wurde vom Abg. Baron Königswarter dahin erweitert, daß auch den protestantischen Pastoren und den jüdischen Rabbinern eine Virilstimine gewährt wird. Cardinal Ganglbauer und der Antragsteller Abt Karl erklärten sich damit einverstanden. Pest, 28. Dezember. (Privatmitth.) In Angelegenheit der neuen Gemeinde, welche der frühere Neu-Pester Rabbiner Szterenyi hier bilden will, hat der Kultus- und Unterrichtsminister an die Hauptstadt eine Zuschrift gerichtet, in welcher er erklärt, daß die israel. Landeskanzlei die Bildung der neuen Gemeinde vom Standpunkte der allgemeinen Organisation, der Professorenkörper des Landes-Rabbinersemiuars aber vom dogmatischen Standpunkte bemängelt. Der Minister fordert daher den derzeitigen Präsidenten der neuen Gemeinde Dr. Samuel Herczfeld auf, sich bezüglich beider Momente zu äußern. Bis dahin bleibt die Genehmigung der Statuten der Gemeinde in snsxermo. Wer Herrn von Trefort kennt, wird von diesem Vorgehen nicht überrascht sein. Herr von Trefort hat vor längerer Zeit angeordnet, daß die jüdischen Schüler, welche die Gymnasien besuchen, sich dem Stundenplan zu fügen und wie alle übrigen Schüler auch an Sabbath- und Feiertagen zu schreiben haben. Auf Vorstellung mehrerer Eltern, daß ihre Kinder vom Schreiben am Sabbath dispensirt werden mögen, hat Herr von Trefort durch Rundschreiben vom 12. Dezember v. I. versucht, daß derartige Gesuche wegen Dispens vom Schreiben am Sabbath direkt au ihn zu richten sind, zugleich aber auch versichert, daß nur die Söhne von Rabbinern oder solche Schüler, welche sich dem Rabbinerstand widmen wollen, auf Dispens zu rechnen haben. Herr Dr. Jgu. Gold ziher, Privatdocent für orientalische Sprachen an der hiesigen Universität und Secretär der hiesigen israelitischen Gemeinde, wurde als Professor für orientalische Sprachen an der Prager Universität dem österreichischen Unter» *) Diese jüdisch-deutsche Uebersetzung mir einem hebräische» und jüdisch-deutschem Borwort vom Ueber eher und einem jüdisch-deutsche» vom Drucker und einem Diplom de» polnischen Königs Johann Solimski III. (1677) sowie Aprobationeu vieler Rabbiner erschien in Amsterdam 1879 toi. und ihr beigegeben Leon de Banolas zu Josua, Richter und den Büchern Tamuelis ins Indisch-Deutsche übersetzt. Redaktion. 4: