Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1886)
- Date
- 1886-01-12
- Page
- Seite 45 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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- Beirut 1× ep/1047833
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45 am meisten frappirt, erhebt sich hier der Libanon zu den ausgedehnten Stöcken des Dschebel Sanum 2608 m, Dschebel et Kenniseh 2030 m nnd Dschebel et 53ärüf 2222 m in mehreren Terrassen, welche durch zahlreiche, von W. nach O. streichende, tief einschneidende Gräben und Thalschluchten gegliedert werden. Dem ganzen Gebirge ist der Charakter eines Plateaus in entschiedener Weise ausgeprägt. Vergebens sucht man hier die kühn aufragenden Zinnen, die Zackengekrönten Felsschneiden unserer Hochgebirge, überall begegnet man sanften ausdruckslosen Wellenlinien, die zu einer so beträchtlichen Unterschätzung der wirklichen Höhenverhältnisse Anlaß geben, daß selbst die über 3000 m hohen Culminationspunkte des Libanon im Effect der äußeren Erscheinung den erheblich niedrigeren Bergen des Pelopones oder der akrokeraunischen Ketten nachstehen. Was diesem Landschaftsbilde an Schwung der Contouren abgeht, das sucht es nun freilich durch die Pracht und Mannigfaltigkeit seiner Farben zu ersetzen. Schön, im vollsten Sinne des Wortes, ist das Panorama von Beirut ohne Frage, aber jene Begeisterung für die Erhabenheit und Majestät desselben, von welcher die poetischen Schilderungen des Sängers der Psalmen Zeugniß ablegen, wird der Kenner der Alpen heute schwerlich zu theilen bereit sein. Auch meine erste Excursion im Libanon, ein Ritt über den 1542 m hohen Paß von Beirut nach Schtora, welcher seit der Anlage einer ausgezeichneten Kunststraße, der vorzüglichsten im ganzen Orient, die Hauptverkehrsader zwischen dem Litorale von Phönizien und dem Inneren des Landes bildet, bot keine Veranlassung, mein diesbezügliches Urtheil zu ändern. Gerade diese Tour, gewöhnlich die einzige, welche der Reisende, der das heilige Land besucht, gelegentlch der Fahrt nach Damaskus kennen lernt, führt durch den landschaftlich einförmigsten Theil des Gebirges. Großartig ist auf dieser ganzen Route eigentlich nur ein Moment, derjenige, wo man, die Paßhöhe betretend, plötzlich auf die seltsame 700 m tiefe Thalfurche der Beka^a niederschaut, die, wie ein breiter Graben zwischen Libanon und Antilibanon eingesenkt, nach N. und S. in anscheinend unabsehbare Entfernung sich ausgedehnt. In der That ist diese eigenthümliche - Dislocationsspalte der Beku a die Fortsetzung der merkwürdigen Depression des Jordanthales der maasgebendste Charakterzug in dem Relief des ganzen syrischen Gebirgssystems. Meine nächste Bergfahrt im Libanon war die Ersteigung der TaumLt Niha 1850 m am 14. April auf meinem Uebergange von Maschrara im Leontesthale nach Saida. Die Taumüt Niha sind die erstere bedeutendere Erhebung des südlichen Libanon und eine der wenigen auffallenden Bergformen desselben Sie stellen ein sanftansteigendes Doppelhorn dar, das die Wahl des Namens „Zwillinge von Niha" durchaus gerechtfertigt erscheinen läßt. An der Südseite des' selben führt eine sehr beschwerliche Route über den Kamm der Kette. Wenn ich den Ausdruck „beschwerlich" hier gebrauche, so ist dies stets in dem Sinne zu verstehen, daß der Weg für Reitthiere Schwierigkeiten bietet. Denn der mit Alpenwanderungen vertraute Bergsteiger wird wohl im ganzen Libanon nirgends ein ernstliches Hinderniß finden. Erfahrung und Orientirung sind übrigens selbstverständlich auch für denjenigen, der im Libanon ohne Führer zu gehen beabsichtigt, unentbehrliche Eigenschaften und um so wichtiger, als man für größere Touren in der Hochregion nur selten geeignete Begleiter zu finden in der Lage sein dürfte. Auch die hier geschilderten Ersteigungen, d. h. von dem Punkte ab, wo ein Weiterkommen zu Pferde unmöglich wird, habe ich mit geringen Ausnahmen stets allein und ohne jede Begleitung ausführen müssen. Der Abfall gegen die Bekna zeigt die der Ostseite des Hauptkammes eigenthümliche Monotonie, die in dem Mangel jedweder Gliederung sich ausprägt. Dagegen sind die westlichen Abhänge gegen das mittelländische Meer zu reich an pittoresken Scenerien. Der landschaftliche Reiz der Gegend erscheint hier vor Allem durch den Gegensatz zweier verschiedener Formationsglieder bedingt, eines Sandsteins, der die Tiefe der Thäler und Wasserrisse bildet, und der den ersteren überlagernden Kalkmassen. Namentlich die wahrhaft großartige Schlucht von Dschezzin, in welcher die in den buntesten Farben vom grellsten Violett bis zum brennendsten Roth schimmernden Bänke des Sandsteins in einer Höhe von mehr als 400 m aufgeschlossen erscheinen, zählt mit Recht zu den Glanzpunkten von Mittel-Syrien. Als die interessanteste Route, die ich im Libanon zu begehen Gelegenheit hatte, möchte ich wohl jene bezeichnen, die von der Mündung des Nähr el Kelb bei Beirut über Reifun, Mezra "at kfar dubjan, Afka, ‘2Jfüva und den circa 2000 m hohen Paß von Ard *Akluk nach Bscherreh führt. Bei dem Aufstieg nach Mezra at kfar dubjlm kreuzt man alle Vegetalionszonen des subtropischen Küstenraumes. Aus dem Reiche der Dattelpalme und Sykomore erhebt sich durch die Zone der indischen Feigendistel und des Oleanderstrauches allmälig bis in das Niveau des Sandsteins, das im ganzen Libanon ’ die eigentliche Culturregion darstellt. Maulbeerbäume, Oliven, Feigen, Tabak und Weinreben bilden die Charakterpfianzen derselben. Jedes Fleckchen Erde ist angebaut. Oft sieht man inmitten steiler Felsabbrüche kleine Terrassen von Sandstein kleben, die im üppigsten Schmucke einer immergrünen Vegetation prangen. Tief eingerissene Schluchten, den Canons des amerikanischen Westens vergleichbar, die nicht selten von furchtbaren Felswänden umrahmt, auf weite Strecken dem Verkehr unüberwindliche Schranken entgegensetzen, bedingen hier überdies durch eine reiche, vielverzweigte Gliederung eine Mannigfaltigkeit des orographischen Reliefs, die in seltsamer Weise absticht von der Einförmigkeit der Hochregion.