Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1886)
- Date
- 1886-01-12
- Page
- Seite 44 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Beziehung wendete sich die Kommission an sämmtliche Gouverneure um Gutachten. Bisher sind blos die Gutachten über die erste Frage eingelangt. Die Mehrheit der Gouverneure hat sich für das unbeschränkte Ansiedlungsrecht der Juden im ganzen Reiche ausgesprochen. Warschau, im Dezember. In den halbamtlichen „Warschawskij Dnjewnik" wird berichtet, daß bis zum 15. November 2466 aus Preußen ausgewiesene Personen in Polen eingetroffen waren; darunter befanden sich 150 Juden. Nach der Darstellung des russischen Blattes sind die Ausgewiesenen solche Leute gewesen, die sich nicht im Besitz von Legitimationspapieren befunden haben. Ein sehr geringer Theil, meist russische Personen, seien einst in der Eigenschaft von Dienern und Dienerinnen über die Grenze gegangen. Bonn, 3. Januar. (Notizen.) Aus Wilna wird das Hinscheiden des gelehrten und reichen Matithjahu Straschnu gemeldet. Er wurde den 1. October 1817, am Hoschana Rabba, in Wilna geboren und war der Sohn des dortigen Kaufmanns Samuel Straschnu, der kritische Noten zum Midrasch Rabba verfaßte (Wilna 1843). Im Geiste des ebenso gelehrten wie gebildeten Vaters erzogen, lag Matithjahu als reicher Mann und Censor der Bank in Wilna mit Fleis und Eifer dem Studium der jüdischen Wissenschaft ob. Schon als junger Mann lieferte er werthvolle Beiträge zu jüdischen Zeitschriften. Große Gelehrsamkeit und immense Belesenheit bekunden seine Beiträge zu Finn's judnj mp (Wilna 1860.) Er verfaßte auch sehr lehrreiche Glossen zum Talmud, welche der jetzt in Wilna erscheinenden Talmudausgabe beigedruckt werden. Straschnu starb den 14. Dez. v. I. im Alter von 68 Jahren. Er hinterläßt eine bedeutende Bibliothek mit vielen werthvollen Handschriften. In seinem Testamente hat er 40,000 Rubel zu wohlthätigen Zwecken bestinimt. — Aus Pest wird uns geschrieben: Die israelitische Gemeinde Poks hat, den letzten Wunsch ihres jüngst verstorbenen Oberrabbiners Joel Unger erfüllend, dessen Schwiegersohn Sußmann Schreiber zu seinem Nackifolger ernannt. Schreiber, Verfasser des midraschischen Sammelwerkes „Jalkut Elieser", war früher Rabbiner in Hallas und gehört zu den eifrigsten Anhängern der Schomre Hadath-Partei. — Am 3. Januar feierte Dr. F. Cohn, der seit drei Jahren das Rabbinat von Bonn bekleidet, sein 25jähriges Amtsjubiläum. In dem feierlichen Gottesdienste, der zum Jubiläum unseres Kaisers als König von Preußen in der Synagoge abgehalten wurde, hatte er somit Veranlaffung, der beiden Jubeltage zu gedenken, was der Redner in sehr schöner Form zu thun verstand. Die Gemeinde feierte ihren Seelsorger durch eine Adresse und ein werthvolles Geschenk, so wie von allen Vereinen, auch dem Synagogenchor, Deputationen und Ehrengaben eintrafen. Möge es dem Jubilar vergönnt sein, seine unermüdliche Thätigkeit noch lange Zeiten hindurch der Gemeinde widmen zu können! — —. Mrs. Mathilde Levy und ihre Schwester Mrs. Brydges Williams haben ein Kapital von 4000 Lst. gespendet, um in dem großen Hospital von Charing Croß eine besondere Abtheilung für jüdische Frauen herzustellen. — Der Seifen- und Lichtfabrikant Hermann Süßmann in Colberg feierte mit seiner Gattin das Fest der goldenen Hochzeit, wozu S. M. der Kaiser die Ehe-Jubiläums-Medaille und ein Glückwunschschreiben gesandt hatte. Das Fest des ehrwürdigen Paares wurde von 10 Kindern, 27 Enkeln und 1 Urenkel mitgefeiert. — Ieuilleton. Dergfahrten im Libanon vnd Antilibanon. Bon I)r. Carl Diener in Wien. (Aus den „Mittheilungen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins", Nr. 23 vom 1. Dezember.) Auf einer Forschungsreise in Mittel-Syrien hatte ich im Laufe des verflossenen Frühjahrs zu einer Reihe größerer Bergfahrten in den Gebirgssystemen des Libanon und Antilibanon in ausreichendem Maaße Gelegenheit. Fehlt jenen Partieen zwar der Reiz, welcher der Erklimmung schwieriger Felszinnen oder Hochtouren oberhalb der Schneelinie eigen zu sein pflegt, so sind dieselben doch andererseits auch für den Touristen insoferne nicht ohne Interesse, als sie ein wenigstens in seiner Gipfelregion bisher nur wenig bekanntes Gebiet betreffen, das neben manchen gemeinsamen Charakterzügen doch noch vielfach tiefgreifende Unterschiede den europäischen Gebirgen gegenüber aufweist. So darf denn, hoffe ich, an dieser Stelle eine Schilderung, die aus dem gewohnten Bezirke unserer heimischen Alpen in den fernen, farbenprächtigen Orient hinüberführt, auf das freundliche Wohlwollen des Lesers rechnen. Am 28. März d. I. betrat ich in Beirut den Boden meines Excursionsgebietes. Ich kann nicht eben sagen, daß der erste Eindruck desselben auf mich ein besonders mächtiger war, als unser Schiff in der geräumigen St. Georgs-Bai vor Anker ging. Als ein langgestreckter kahler Rücken, der durch den fast vollständigen Mangel an geschlossenen Wäldern und Wiesen das an europäische Bergscenerien gewöhnte Auge