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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-01-12 · Heft 3 (12.1.1886) · p. Seite 41

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 3 (12.1.1886)
Date
1886-01-12
Page
Seite 41 (sequence 9)
Language
German
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41 Aus dem sich dicht die kleinen Buchen drängten; Es öffneten die Kelche weit die Blumen, In welche andre Blumen zärtlich Samen Herniederregneten; und durch die grüne» Berauschte, liebewarme Frühlingspracht Erklangen leichte, jugendliche Schritte, Ein glockenhelles Silberlachen und Geflüster. — Näher kam's: ein schlanker Jüngling, Der um ein reizend Mägdlein sanft den Arm Gelegt; dann steckt' er einen Ring ihr an Den Finger, flüsternd: „Meine süße Braut!" „Ich bin im Himmel!" war die Antwort; wieder Umfaßt er sie und weiter zogen sie Jn's Waldesdunkel. — Grüngolden kosten Käfer miteinander, Libellen jagten sich, vor Liebe zürnend Und bräutlich sich mit ihrer Flügel Schillern Berührend. Selbst die Schlange, farbenglänzend, Umschmiegte zärtlich den Gefährten. Nichts, Nichts war zu klein, zu schwach, zu häßlich, werthlos Das nicht in Liebestaumel hingerissen, Sich selbst verklärte. Ahasverus sprang auf, Sein Antlitz strahlte überirdisch leuchtend, Dann fiel er auf die Knie, weit die Arme Ausbreitend rief er laut: „Mein Gott! mein Gott! mein Gott! „Ich suchte Dich auf der ganzen Erde, „Ich suchte Dich durch Opfer und Entbehrung, „Durch Sünde und durch Wahnwitz suchte ich Dich! „Wie das Kind sucht der Mutter Stimme, „Wie das Reh folget der Mutter Spur! „Alle Leiden habe ich erduldet auf Erden, alles Weh habe ich getrunken! „Ich habe das Gute geliebt, ich habe dem Guten gedienet, „Auch in der Verirrung! „In der Wüste, im Schneesturm, in der Meerfluth suchte ich Gott. „Ich suchte ihn in der eignen Brust; Schmerz war mein Kelch, „Zweifel meine Speise, Finsterniß mein Tag! „Doch nun schauen meine Augen: Im Werden da ist Gott „Gott ist ewig Werden! „Was bin ich denn, daß ich Wohlthat begehre? Ich will nur anbeten „Gott; denn Er ist gut! „Ich will nun die Augen schließen, in die Grube legen mein Haupt, „Da ich Gott geschämt von Angesicht! „Ich will schmecken, wie süß der Tod ist! „Ich will vergehn, wie Herbstlaub vor schwellende» Knospen „Preis Dir, Jehovah!" Und sank in duft'ge Blumen, wie ein Reis, Das hin der Wind geschüttelt und verschied." yyiac fyiXcfyKcw.. Deutschland. Berlin, 29. Dez. (Privatmitth.) Das Jahr 1886 wird einen zweiten allgemeinen — dieses Mal — deutschen antisemitischen Kongreß bringen. Das theilte gestern Abend in einer Versammlung des D. A. B. (Deutschen Antisemitenbundes) der Herr Ex. Stadtverordnete Pickenbach mit. In der Versammlung, der wir, wie sie es verdient, gar keine Erwähnung thun würden, wenn nicht einzelne interessante Punkte berührt worden wären, trat — zum ersten Male in Berlin — ein Herr Dr. Capristano aus Kassel auf, der schreckliche Dinge zu erzählen wußte. Der Herr prophezeite für Deutschland das Schicksal Polens, für dessen Unglück er selbstredend die Juden verantwortlich machte. Er brachte noch vieles konfuse Zeug vor der Herr vr., der hierhergeeilt war, um ein „Verbrüderungssest der Antisemiten von Ost- und West-Deutschland" zu veranstalten. Das Fest wurde gestern Abend inscenirt. Ein neugeschaffenes Organ „Die Deutsche Volksstimme" soll die Hauptwaffe der vereinigten Antisemiten sein. Heftig wurde gegen die „Norddeutsche Allgem. Zeitung" polemisirt, der Jnconseqnenz wegen ihres bekannten Absagebriefes von jüngst vorgeworfen wurde. Ein Redner fand auch die „Post", „Kreuzzeitung", „Reichsbote", „Reichspost" rc. nicht antisemitisch genug. Verdientermaßen wurden aber die Verdienste dieser conservativen Zeitungen von der ganzen Versammlung anerkannt. Auf dem 2. Antisemitenkongreß, der hier in Berlin stattfinden soll, soll ein einheitliches Programm aufgestellt werden. Bei der nächsten Reichstagswahl in zwei Jahren sollen getrennt von den Conservativen eigene Kandidaten aufgestellt werden, mit „der Waffe des allgemeinen Stimmrechts in der Hand" will man siegen. Ferner theilte Pickenbach mit, daß er nicht im Wahlkreis des verst. Straßmann kandidiren werde. Er gedenke vom 1. Januar ab „ohne Glacehandschuhe" die Agitation zu betreiben. Natürlich wurde auch gegen den letzteren Verstorbenen noch geschimpft, nicht einmal das „äs inortrÜL nil nisi bene*

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