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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-01-12 · Heft 3 (12.1.1886) · p. Seite 38

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 3 (12.1.1886)
Date
1886-01-12
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
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38 eine Partei im Auge, sondern die Judenheit im Ganzen. Dem gemäßigten Fortschritte huldigend, ist ihre Kritik vom Geiste der Mäßigung beseelt und in einem vornehmen Tone gehalten. Sie will überzeugen und verbinden und nicht obstoßen und trennen. Die A. Ztg d. I. hat ferner nie Juden und Judenthum als isolirte Existenzeu betrachtet, sondern als Glieder und Theile der Völker und Nationen, unter welchen sie wohnen, als Theile der Menschheit. Die zahlreichen politischen und socialen Fragen, die im Laufe dieses halben Jahrhunderts anftauchten, wurden daher von diesem Standpunkt aus geprüft. Die Correspondenz, seien es Originalberichte, sei es, daß sie aus bewährten öffentlichen Organen entnommen ist, giebt ein Bild der Gesammtjndenheit nach allen Richtungen und Bestrebungen hin auf dem ganzen Erdenrund. Aus den angeführten Gründen wird ein Historiker, der über diese Zeit schreibt oder schreiben wird, die A. Z. d. I. zu Rathe ziehen müssen. Mit stets wachsamem Auge wird die jüdische Wissenschaft in allen ihren Disciplinen gepflegt, und cs giebt kaum eine nennenswerthe Erscheinung, die in derselben nicht berücksichtigt wird, und es ist hervorzuhebcn, daß auch die Werke christlicher Gelehrten, die sich ganz oder theilweise mit Fragen, die Juden und Judenthum betreffen, beschäftigen, eingehend besprochen werden. Wir erinnern in dieser Beziehung an die Besprechung des in letzter Zeit erschienenen Bandes von Mommscns römischer Geschichte. Das Feuilleton strebt den Wünschen weiterer Kreise, die bei der Lectüre Erholung suchen, zu entsprechen. Was aber besonders betont werden muß, ist, daß die Artikel, die aus der Feder des Redacteurs fließen, im besten Sinne nach französischen Mustern geschrieben sind: klar, deutlich, verständlich, durchsichtig, beruhend auf dem tiefen Untergrund wahrhafter Wissenschaft und großer Erfahrung, sodaß der Leser mit Behagen in die Anschauungen des Autors cingesponnen wird. Dies mit wenigen, nicht erschöpfenden Worten. Der Werth und die Bedeutung der allgemeinen Zeitung des Judenthums für Gegenwart und Zukunft, und dies die Ursache ihres fünfzigjährigen Bestandes. Ich habe zwar von Niemandem ein Mandat, aber ich darf sagen, daß Tausende und Tausende hinter mir stehen und mit mir in dem jetzigen Momente dem Redacteur, der von Anfang an bis auf den heutigen Tag die A. Z. d. I. zu dem gemacht, was sie ist, ein herzliches und kräftiges p;n zurufen; und er wird mir wohl erlauben, ihm diesen Wunsch in seinem eigenen Heim darzubringen. G. Wolf. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 30. Dezember. In Nr. 48 v. I. bemerkten wir, daß wir mehrere Beispiele von der Art geben wollten, wie gegenwärtig, mehr selbst als in den verflossenen Jahren, deutsche Gelehrte mißliebige Aeußerungen über die Juden thun, welche die Befangenheit dieser Männer in Borurtheilen bezeugen. Wir beschäftigten uns an der angeführten Stelle mit dem Professor Schaarschmidt in den „Philosophischen Monatsheften" und holen heute ein anderes Beispiel nach. Es ist nicht sowohl der Schriftsteller, mit dem wir uns beschäftige» müssen, der unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, als die Stelle, an welcher er sich expcctorirt. Es liegt uns die Nr. 45 der „Blätter für Literarische Unterhaltung", also eines Blattes vor, das sonst eine liberale Färbung trägt, für deren Echtheit ein Redacteur wie Hofrath von Gottschall und ein Verleger wie F. A. Brockhaus Bürgschaft abgeben sollten, das jedoch schon mehrere Male Aeußerungen judenfeindlicher Gesinnung Raum gegeben hat. Vielleicht erinnern sich manche Leser aus dem Jahrgang 1880 eines gewissen Dr. Otto Henue-Am Rhyn, der eine „Culturgeschichte des Judenthums von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart" geschrieben, zu welcher er nicht blos eine völlige Unkenntniß des gesammten jüdischen Schriftthums von der Genesis an, sondern auch die bittersten Vorurtheile gegen Juden und Judenthum mitbrachte, wie sich schon in der Besprechung der alten Hebräer in seichtester, aber offenbarster Weise kund that (s. Jahrg. 1880, S. 436. 483). Derselbe Herr giebt nun an der angeführten Stelle „Culturgeschichtliches" d. h. Rezensionen über mehrere Schriften, die er unter diese Rubrik zählt. Hierunter auch eine über das im vorigen Jahre erschienene Schriftchen: „Gedanken einer Jüdin über das Judenthum in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft". Dasselbe ist uns unbekannt geblieben und wir haben es hier nur mit der Besprechung des Herrn H. A. R. zu thun. Ihm mißfällt nicht sowohl die in jener Flugschrift ausgedrückte „Unzufriedenheit jener Jüdin mit ihrer Nationalität und Religion", sondern auch die Antwort eines Freundes, die „eine unbedingte Lobpreisung des Judenthums" enthält. Er fügt hinzu: „So sehr man als Humanist gegen jede Anfeindung der Juden gestimmt ist: so wenig kann man einer Ueberhebung derselben Beifall zollen oder ihrer Phantasie von einer Mission des Judenthums mehr als den Werth eines frommen Wunsches zuerkennnen. Durch Absonderung vom großen Ganzen bildet sich niemand zum Missionar, und was i diese sonderbaren Schwärmer unter den Nichtjuden befördern > wollen, den Monotheismus nämlich, das ist auch ohne jüdische! Einwirkung längst die Richtung aller aufgeklärten und humanen | Christen, wie er schon diejenige der griechischen und römischen! Philosophen war. Ter Verfasser zielt allerdings mehr aus eine

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