Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1886)
- Date
- 1886-01-05
- Page
- Seite 29 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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29 Judenthums ausgenommen werden wollen, sie erläßt! Hierin liegt offenbar ein Widerspruch, dessen Ursache die Conferenz nicht in vortheilhaftem Lichte erscheinen läßt. —. Das politische Blatt „Union Signal" bemerkt, daß von den 60,000 Juden in New-Iork kein einziger Schankwirth von Alkoholgetränken ist. — Bonn, 27. Dezember. (Notizen.) Man schreibt aus Frankfurt a. M.: Montag, 21. Dezember, entschlief sanft Herr Jsaac St. Goar nach zurückgelegtem 82. Lebensjahre. Sein Gesundheitszustand hatte den sonst so thätigen Mann schon seit Jahren an das Zimmer gefesselt und ihn gezwungen, sich vom Geschäfte zurückzuziehen, obwohl er geistig bis zu seinem Lebensende ziemlich rüstig blieb. Er war der Mitbegründer eines der ältesten und berühmtesten deutschen Antiquariate und bei den Bibliophilen und Gelehrten des In- und Auslandes eine hochangesehene und beliebte Persönlichkeit. Er pflegte seiner Zeit namentlich die philologische Berlagsrichtung, und einst berühmte, nunmehr gänzlich vergriffene Werke, wie Forcellini, Totius Latinitatis Lexicon, Suidas et Bernhardy und Freytags großes arabisches Lexikon waren in ihrer ganzen Auflage in seinem Besitze. — Man schreibt uns aus Nassau: Am 4. d. M. fand in üblicher Weise die Einweihung der Synagoge in der isr. Cultusgemeinde Wallau unter allgemeiner Betheitigung seitens der Bevölkerung statt. Die Festrede hielt ihr Bezirksrabbiner vr. Silberstein von Wiesbaden, der auch am folgenden Sabbath (Sch. Chanucka) in der neuen Synagoge predigte. — Aus Straßnitz (Mähren) wird uns geschrieben: Unser Rabbiner, Herr Moses Feilbogen, der 38 Jahre in hiesiger Gemeinde segensreich gewirkt hat, ist den 13. d. M. im 79. Lebensjahre von hinnen geschieden. Der Verstorbene war ein Sohn des Rabbiners Jos. Feilbogen in Holleschau. — Aus Paks (Ungarn) wird gemeldet: Der hiesige Oberrabbiner Herr Joel Unger, ist am 19. d. M. im Alter von 86Jahren verschieden. R. Joel Unger, der über 45 Jahre in Paks amtirte, war ein vorzüglicher Talmudist und sehr tolerant; von dem Treiben der Schomre Hadath hat er sich stets fern gehalten. — Aus Pest wird uns geschrieben: Dem hiesigen Advocat vr. Geza Schulhof wurde in Anerkennung seines Wirkens und seiner „durch Förderung der vaterländischen Rechtsliteratur" erworbenen hervorragenden Verdienste taxfrei der ungarische Adel verliehen. Or. Schulhof, ein Sohn des den älteren Lesern dieser Zeitung bekannten Arztes aus Fünfkirchen, hat die Schrift des Redacteurs dieser Zeit. „Haben die Juden wirklich Jesus gekreuzigt?" ins Ungarische übersetzt. — Aus London wird mitgetheilt: Ihre K. Hoh. Prinzessin Louise besuchte vorige Woche in Begleitung von Mrs. Cyril Flower (Constance von Rothschild) die jüdische Hochschule für Mädchen in London. — Man schreibt aus München: Wie der „Frank. Kur." hört, hat der kürzlich verstorbene Hofbankier und württemb. Consul Jos. Frh. v. Hirsch für wohlthätige Stiftungen, auch zur Vertheilung an Arme, eine Summe von ca. 100000 Mk. letztwillig bestimmt. Diese Zuwendungen sollen theils der Stadt München, theils den Landgemeinden Planegg und Umgebung, theils den israelit. und anderen Wohlthätigkeitsanstalten in München zufallen. — Am 26. Dezember feierte Rabb. vr. S. Kaempf sein 40jähriges Amtsjubiläum in Prag. Bonn, 23. Dezember. (Literarische Notizen.) Bor dem Schluffe des Jahres haben wir noch die Freude, die 19. Lsg. des Werkes „Neuhebräisches undchaldäischesWörterbuch über die Talmudim und Midraschim. Von Rabbiner Prof, vr. I. Levy. Nebst Beiträgen von Prof. vr. H. L. Fleischer, Leipzig, Brockhaus 1885", zu erhalten. Dieselbe befaßt den Buchstaben p bis zu dem Worte yirup. An dem Inhalte dieser Lsg. bewährt es sich wieder, daß mit dem Fortschreiten des Werkes die Artikel immer reichhaltiger, die Auswahl der citirten Stellen immer zutreffender geworden, und daß der geehrte Professor sein gesundes Sprachurtheil und seinen richtigen Sinn und Takt in der Feststellung der Wortbedeutung und in der Auslegung der Stellen immer mehr bethätigt. Möge es ihm gewährt sein, den noch übrigen Theil seines großen und verdienstvollen Werkes zu Ende zu führen und den Abonnenten, das vollendete Werk in Händen zu haben. Der Schluß des Buchstaben und die noch drei übrigen werden noch mehrere Lieferungen füllen. — Die Revue des Etudes juives (Paris, Durlacher, 1885) hat, dem gegebenen Versprechen gemäß, ihre Lieferung von Nr. 22 für Oktober bis Dezember frühzeitig ausgegeben. Auch diese Lieferung hat einen reichen Inhalt. Der Schluß der Abhandlung: „Die Juden in Rom vor der öffentlichen Meinung und in der Literatur" von Hild, „talmudisch-archäologische Bemerkungen von I. Halövy", „Jüdische Erzählungen" von Israel Levy, von welchen der Zusammenhang mit ähnlichen Produkten anderer Literaturen besprochen wird; „Polycarp und die Juden von Smyrna" von Salomon Rainach, „Versuch über die geschlossene Nachtstunde" von Joseph Hirsch, die Fortsetzung der „bisher unedirten Briefe Salomon Agubi's an Peirese" und endlich „Dokumente zur Geschichte der Juden von England" von Moses Schwab bilden neben der bibliographischen llebersicht aus dem zweiten und dritten Quartal von Isidore Löb und einigen Recensionen den Inhalt des Heftes. — Zum hundertjährigen Todestage Moses Mendelssohn's sind mehrere Schriften erschienen. So die zweite vollständig umgearbeitete Auflage von „Moses Mendelssohn. Darstellung seines Lebens und Wirkens ". Bon vr. M. D e s s a u e r (Meiningen, Wagener 1886) mit Bild und Standtafel. Das Schriftchen, mit großer Wärme geschrieben, ist besonders für die Jugend empfehlenswerth und machen wir besonders Vor-