Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1886)
- Date
- 1886-01-05
- Page
- Seite 30 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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30 sicher und Lehrer aufmerksam, dasselbe unter ihre Jugend zu verbreiten. Ferner: „Zum 100 jährigen Todestage Moses Mendelssohn's. Moses Mendelssohn und seine Familie" von vr. Adols Kohut, (Dresden, Pierson, 1886.) In anziehender Weise und mit guter Beherrschung des Materials geht der Verfasser viel mehr auf die Charakterzüge Mendelssohn's, die Beziehungen zu seinen Zeitgenossen, auf seine ganze Persönlichkeit und seine Familie, die Musiker und die Maler, die von ihm abstammten, ein, als aus seine Werke. Ein schönes Portrait mit Facsimile ziert das trefflich ausgestattete Buch. — Von den rühmlich bekannten Kalendern Paul Moser's sind auch sehr nutzbare Ausgaben im zehnten Jahrgang für 1886 erschienen. Wir heben besonders den „Notiz-Kalender als Schreibunterlage" (Folio) hervor, welcher viele für die Corresspondenz wichtige Beilagen bringt und in seiner schönen und angemessenen Ausstattung alle bezüglichen Wünsche erfüllt. — Der Expremierminister Gladstone ist in eine Polemik über die mosaische Schöpfungsgeschichte gerathen. Bekanntlich hat derselbe drei Lieblingsneigungen: Die homerischen Gesänge, theologische Diskussionen und Bäumefällen. Die zweite hatte ihn zu einer Abhandlung über die mosaische Schöpfungsgeschichte veranlaßt, in welcher er besonders die Folgereihe in der Schöpfung: Wasserwesen, Luftwesen, Landwesen und Menschen als auch in der gegenwärtigen Wissenschaft geltende Thatsachen hervorhob. Ihm trat im Dezemberheft des Nineteenth Century Prof. Huxley, Präsident der Londoner k. Akademie der Wissenschaften, entgegen, indem er nachwies, was in jedem Handbuch der Paläontologie und Geologie jetzt zu finden ist, daß diese Schöpfungsreihe nach den Fossilien- Ablagerungen sich nicht aufrecht erhalten ließe. Auf diesen Streit lassen wir uns hier nicht näher ein. Unseren Lesern ist es bekannt, daß wir die in der mosaischen Schöpfungsgeschichte ausgesprochenen Wahrheiten von einem höheren Standpunkte ausfassen, als die Buchstabengläubigen. Charakteristisch für die Stellung Huxley's sind seine Schlußworte. „Der Antagonismus zwischen Wissenschaft und Religion ist ein gemachter, gemacht von kurzsichtigen Frommen, welche die Religion mit der Theologie, die auch nur eine Unterwissenschaft bildet, verwechseln. Gemacht ferner von ebenso kurzsichtigen Wissenschaftlern, die vergessen, daß die Wissenschaft sich nur innerhalb wahrnehmbarer Dinge bewegt. Was darüber hinausgeht, sind Einbildungen, Hoffnungen, Wünsche, Unwissenheit. Im achten Jahrhundert vor Christus haben jüdische Propheten, die mitten in einer götzendienerischen, polytheistischen Welt lebten, Religionsbegriffe geschaffen, die wundervolle Kunstwerke sind, gleich denen des Phidias oder Aristoteles: „Was verlangt Gott von Dir? Handle gerecht, übe Mitleid und Demuth!" Wenn eine sogenannte Religion diese großen Aussprüche verkümmern will, so verstümmelt und verfinstert sie das vollendete Religions-Ideal. Der Antagonismus besteht nicht zwischen Wissenschaft und Religion, sondern zwischen Wissenschaft. einerseits, heidnischen Ueberbleibseln und fauler Philosophie andererseits, die die Religion ersticken. Ich für meinen Theil hoffe übrigens, daß dieser Antagonismus ewig dauert, damit die Wissenschaft fortfahre, die Menschheit von der Last falscher Wissenschaften zu befreien, welche ihnen im Namen der Religion auferlegt wird." Ieuillelon. Vermischtes. Juden und Japanesen. In Petermann's geograph. Mittheilungen heißt es im Literaturbericht der Nr. 12 (1885) über Besprechung von „Baelz, die körperlichen Eigenschaften der Japaner. II. Theil (Mittheil. d. deutschen Ges. f. Natur- und Völkerkunde Ostasiens, 1885, Heft 32.)": „ Bestätigt wird die häufig gemachte Beobachtung, daß der vornehme japanische Gesichtstypus sehr dem jüdischen ähnlich ist, und der Verfasser glaubt daraus schließen zu dürfen, daß der feine Japaner und der Jude von einem gemeinsamen Urvolk, den Accadiern abstammen." Wir haben doch eine recht ausgedehnte Verwandtschaft! (Die obige Mittheilung giebt doch zu einer Beobachtung Veranlassung. Wenn man früher irgend eine Aehnlichkeit und deshalb Verwandtschaft mit den Juden entdeckt haben wollte, führte man dies auf die Abstammung von den zehn Stämmen zurück; so die Afghanen, die Indianer und sogar nach einer in England recht verbreiteten und selbst von einer Gesellschaft, die ein Journal herausgab, verbreiteten Meinung, die Engländer. Jetzt hingegen geht man auf eine unvordenkliche Zeit zurück und nimmt ein Urvolk als gemeinsame Urwurzel an, das man für die einen Volksstämme Accadier, für die anderen Turaner nennt. Redaktion.) Amerikanischer Humbug. Die Firma Pesach L Greenblatt in San Francisco, welche in Südcalifornia den Johannisbrodbaum zu cultiviren strebt, will dort ein Neu-Palästina gründen. Sie hat Millionen von Circularen auf Hebräisch, Jüdisch-Deutsch, Russisch, Polnisch, Türkisch, Ungarisch und in anderen Sprachen drucken