Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1886)
- Date
- 1886-01-05
- Page
- Seite 27 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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27 die unsere zu betrauen, ein Antrag, der von der General- Versammlung des Municipalausschusses auch einstimmig angenommen wurde. Darüber nun großer Lärm im Lager der Orthodoxen. Die orthodoxe Gemeinde betonte in einer an das Bürgermeisteramt gerichteten Eingabe, daß sie sich mit der neuen Congreß-Gemeinde nie und nimmer in eine diesbezügliche Verhandlung einzulassen gedenke und die Matriken selbst im Sinne der erflossenen Instruktion führen werde. So gelangte die ganze Angelegenheit vor den Verwaltungs- Ausschuß, der auf Antrag des Bürgermeisters mit Rücksicht darauf, daß bei beiden israelitischen Gemeinden das zur Führung der Matriken unbedingt erforderliche gegenseitige Vertraueu mangelt, daß ferner gegen die bisher bestandene separate Führung der Matriken keinerlei Anstand oder Unzukömmlichkeit vorkam — entschied, daß, vom 1. Januar 1886 angefangen, im Sinne des öfters erwähnten Statuts des Kultusministers eine jede der beiden israelitischen Gemeinden ihre eigenen Matriken separat zu führen berechtigt ist, mit der einzigen Beschränkung, daß die Matriken in ungarischer Sprache und mit den statutarisch vorgeschriebenen Rubriken zu führen sein werden. Gleichzeitig genehmigte auch der Verwaltungs-Ausschuß, daß die Matriken der Congreßgemeinde durch den Rabbiner vr. Julius David, jene der orthodoxen Gemeinde aber durch den Religionslehrer Wilhelm Grünsfeld geführt werden. Rußland. Petersburg, 20. Dez. (Privatmitth.) Oft genug ist es ausgesprochen worden, daß, wo das Prinzip der Gleichberechtigung nicht verwirklicht ist, kein Theil der Bevölkerung vor Benachtheiligung aus nationalen und confessionellen Gründen sicher ist. Nachdem die Juden in Rußland so oft und so schwer hierunter zu leiden hatten und haben, kommen jetzt auch die Lutheraner, und hier hält man jeden Deutschen für einen solchen, an die Reihe. Man will die irgend bedeutenden Staatsposten nur noch von russisch-orthodoxen Christen besetzt sein lassen; die deutschen Beamten werden geradezu entlassen. Als dem neuen Justizminister Manassein die Beamten seines Ressorts vorgestellt wurden und er darunter einen deutschen Namen hörte, gab er dem Inhaber desselben sofort dieOrdre, seine Entlassung einzureichen. Dies ist ein Beispiel für viele. Schon hat der einflußreiche Generalprocurator der Synode Pobedonoszew diesen Gedanken ausgesprochen, der, bei weiterer und dauernderer Durchführung, den russischen Bölkscharakter mit einer heftigen Intoleranz durchsetzen muß. Bekanntlich hat man in Deutschland die Meinung verbreitet, daß die russischen Juden zu den drückenden Ausnahmegesetzen Veranlassung geben; deutsche Reisende, z. B. der frühere Vielschreiber Kohl — eine rühmliche Ausnahme macht Joest — haben durch ihre gehässigen Berichte diese Meinung verstärkt. Wenn nun jetzt die Lutheraner ähnlichen Beschränkungen unterworfen werden und die russischorthodoxe Kirche die unbedingte Forderung für ein Staatsamt bildet, wird man da in Deutschland ebenfalls einen Rückschluß auf die Qualitäten der Lutheraner in Rußland ziehen? Odessa, im Dezember. Der „Wiener A. Z." wird aus Odessa eine dort befremdliche Nachricht übermittelt. „Wie der „Odessky Wiestnik" meldet, wird den in Rußland wohnenden jüdischen Kaufleuten nur die Führung von Exportgeschäften gestattet. In Folge dieser Verordnung werden vom 1. (13.) Januar an von der Behörde diejenigen jüdischen Geschäfte gesperrt werden, welche sowohl mit inländischen russischen Erzeugnissen, als auch mit ausländischen Maaren im Innern Handel treiben." Bulgarien. Triest, im Dezember. In der in Triest in griechischer Sprache erscheinenden „Hemera" finden wir die folgende Mittheilung : David Mistrakis, Stabskapitän in der besonderen Legion, welche die jüdischen Gemeinden von Sofia, Rustschuk, Varna, Schumla, Sistowv, Widdin und Silistria gestellt hatten, richtete an das israelitische Blatt von Pest das folgende Telegramm- Pirat, (2) 14. Dezember 1885. Unser erlauchter Fürst geruhte heute, unsere israelitische Legion dadurch zu ehren, daß er die goldene Medaille „Für Tapferkeit" mit eigener Hand an die Brust ihres Führers heftete, indem er an die Uebriggebliebenen die folgenden Worte richtete: „Eure gefallenen heldenhaften Kameraden haben bewiesen, daß sie die würdigen Nachkommen der Makkabäer waren, und Ihr selber habt in den Schlachten bei Sliwnitza, Dragoman und Pirot dargethan, daß Ihr an Mannesmuth und Vaterlandsliebe der ruhmreichen Armee Bulgariens in keiner Weise nachsteht!" Die israelitische Legion, die vor dem Kriege 500 Mann gezählt, war aber auch auf knapp 250 znsammengeschmolzen. (Ob die Bulgaren nun doch antisemitisch werden? Man hat es ja erlebt!) Schweden. Stockholm, 20. Dez. (Privatmitth.) Am Ausgangsabend des letzten Sabbath „Chanukah" wurde in unserer Gemeinde ein Fest abgehalten, ebenso bedeutungsvoll wie einfach. In einem größeren Schullokal waren ca. 80 israelitische Schulkinder versammelt, um das „Chanukah-Fest" zu feiern. 2*