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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-01-01 · Heft 1 (1.1.1886) · p. Seite 12

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 1 (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 Nachmittags 5 Uhr, fand in der Wohnung des hiesigen Rabbiners, Herrn Dr. Bloch, die diesjährige Einbescheerung für arme Kinder zur Feier des Chanukkahfestes statt. Durch die Bemühungen einer Anzahl hiesiger Damen, an deren Spitze sich Frau Rabbiner vr. Bloch und Frau Malachowski gestellt hatten, war es gelungen, eine größere Summe, als im vorigen Jahre, zusammenzubringen, und da noch reichliche Geschenke an Kleidern und Wäsche hinzukamen, so konnten diesmal 40 Kinder — 20 Knaben und 20 Mädchen — bedacht werden. Bei der Auswahl der Kinder wurde nicht nur auf die Bedürftigkeit der Eltern, sondern auch auf den Fleiß und die gute Führung der Kinder gesehen, indem den Lehrern derselben eine entscheidende Stimme bei der Auslese zuerkannt wurde. Jedes Kind bekam einen Anzug, ein Paar Schuhe, vollständige Leibwäsche, eine Kopfbedeckung und außerdem das übliche Geschenk an Nüssen, Aepfeln und Pfefferkuchen. Die Freude war um so größer, als die Kleinen die Gaben zugleich als Prämien betrachten konnten. — Die Einbescheerung fand feierlich vor einem zahlreichen Publicum statt. Nach dem Gesang einiger großentheils von Herrn Kantor Schönfeld komponirten Lieder hielt Herr Rabbiner vr. Bloch eine ergreifende Ansprache an die Beschenkten und die Geberinnen, in welcher er besonders der weiblichen Mildthätigkeit r>as verdiente Lob spendete. Die Feier schloß mit einem Gesänge, nach welchem die Kleinen mit Chocolade und Kuchen bewirthet wurden, wobei die Kinder der anwesenden Wohlthäterinnen sie bedienten. — Aus Blieskastel vom 4. December wird vom Tode eines sehr angesehenen Bürgers Herrn Abraham Levi in seinem 76. Lebensjahre geschrieben: (Zweibrücker-Ztg.) Bon seiner Toleranz möge als Beispiel angeführt werden, daß er schon vor Jahren schriftlich niederlegte, im Falle seines Ablebens sollen bei seiner Leiche drei Männer bis zur Beerdigung die Wache halten, ein Israelit, ein Katholik und ein Protestant, brave Leute, die dann entsprechend zu honoriren seien. Da er im Leben keinen Unterschied unter den Konfessionen gemacht, wolle er dies auch im Tode nicht thun. Immer sah er in jedem Menschen ein Ebenbild seines Schöpfers, dem er dennoch als gesetzestreuer Israelit aufrichtig diente. — Aus Burgpreppach (Bayern) wird uns der Tod des dortigen Districtsrabbiners Hirsch und aus Saros-Palak (Ungarn) der des dortigen Rabbiners I. Beier gemeldet. — Ueber den Baron v. Hirsch, über dessen Beerdigung wir oben berichtet, schreibt die „Süddeutsche- Presse" (München) vom 10. d. M.: Im Schlosse Planegg ist gestern Morgen der königlich bayrische Hofbankier Joseph Freiherr v. Hirsch auf Gereuth, Chef des gleichnamigen hiesigen Bankhauses, im 81. Lebensjahre gestorben. Freiherr v. Hirsch wurde am 2. Juli 1805 zu Würzburg geboren. Nach Absolvirung seiner Studien und nachdem er zu seiner weiteren Ausbildung größere Reisen unternommen hatte, übernahm er im Jahre 1840 nach dem Ableben seines Vaters, des Hofbankiers Jacob v. Hirsch, die Leitung des Bankhauses und sämmtlicher Güter. Die Tüchtigkeit und Solidität des Hauses gewann ihm auch unter dem neuen Leiter immer weitere Kreise; das Bankhaus behauptete immer einen ersten Rang. Im Jahre 1848 wurde Freiherr v. Hirsch zum Hofbankier ernannt und in der Folge auch durch Verleihung des Freiherrntitels und anderer Auszeichnungen von seinem Landesherrn belohnt. Auch die Mitbürger des Freiherrn v. Hirsch wußten seine hohen Verdienste zu schätzen. Im Jahre 1854, zur Zeit der Cholera-Epidemie, trug er durch Errichtung von Spitälern aus eigenen Mitteln, durch Beihilfe und Spenden aller Art in hochherzigster Weise zur Linderung des Nothstandes bei. Auch sonst war er den Armen und Bedrängten ein stets gütiger Helfer. Neben seiner sonstigen Thätigkeit widmete sich der Feiherr v. Hirsch auch mit bestem Erfolge der Landwirthschaft; der mustergiltige Stand, in welchem sich die Güter der Familie zur Zeit befinden, ist von Autoritäten stets hervorgehoben worden. Freiherr v. Hirsch war württemberg'scher Consul, Curator und Administrator von mehreren Planegger Stiftungen, ferner Mitglied verschiedener industrieller und landwirthschaftlicher Gesellschaften. Der im Jahre 1828 mit seiner Gemalin Caroline, geborenen Wertheimber, geschlossenen Ehe sind vier Töchter und drei Söhne ensprossen. Der älteste dieser Söhne, Baron Moritz Hirsch, ist der bekannte Eisenbahnbau-Unternehmer. — Man schreibt aus Hamburg: Die hiesige Gemeinde hat einen herben Verlust durch den Tod des durch seine Philanthropie weit und breit bekannten Herrn Philipp Simon, Chef des großen Handlungshauscs Simon May & Co., der Dienstag das Zeitliche gesegnet, erlitten. Eine unabsehbare Wagenreihe folgte dem Sarge. Die Vorsteher der deutschisraelitischen Gesammtgemeinde, die Repräsentanten, die Direktion des israelitischen Tempel-Berbandes, Deputationen vieler Vereine, denen der bedeutende Mann angehörte, gaben ihm das Geleite. Vom Ausschuß der Alliance Israelite Universelle (Paris), die er als Präses hier vertrat, langte ein Beileidstelegramm an. In der Capelle sprach der Prediger, Herr vr. Leimdörfer, zu dem Schriftworte: „Sie kamen zur eingezäunten Tenne und veranstalteten eine große Trauer", von den hervorragenden Charaktereigenschaften des Verblichenen als Glied der Familie, der Gemeinde, des Judenthums und der menschlichen Gesellschaft, denen er als Musterbild der Gerechtigkeit, Bescheidenheit und Herzensgüte 77 Jahre vorangeleuchtet. Alle diese Eigenschaften schmückten wie Kronen seine Bahre, die wie eine Tenne die Reste eines reichen Fruchtertrages vom Lebensfelde eines gemeinnützig wirkenden Mannes birgt. In Aller Augen erglänzten Thränen bei den ergreifenden Worten des Redners. — Am Grabe wurde die Leiche von Herrn vr. Leimdörfer eingesegnet.

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