Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-01-01 · Heft 1 (1.1.1886) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 1 (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227609-3227611--43197-3263543
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

10 ihrer Philister (früher Mitglieder des Corps) hier diesen Beschluß wieder aufgehoben. Oesterreich-Ungarn. Wien, 18. Dez. Man berichtet von hier: Die preußische Regierung hat das Gesuch der ausgewiesenen österreichischen Polen um Aufschub des Vollzuges der Ausweisungs-Ordre bis April abgelehnt. — Nach Mittheilungen aus Bulgarien sind die Plünderungen in Pirot, welche jedoch nicht blos jüdische Einwohner betroffen, von macedonischen Freiwilligen, unter denen viele frühere Räuber, begangen worden. Ein Lieutenant derselben ist gefesselt nach Sofia gebracht worden und die Schuldigen bleiben nicht ungestraft. Rußland. Petersburg. 18. Dezember. (Privatmitth.) Auf Verwenden des Warschauer General-Gouverneurs haben sämmtliche Eisenbahngesellschaften ihre Einwilligung gegeben, die aus Deutschland und Oesterreich ausgewiesenen russischen Unterthanen sammt ihrer Bagage bis zu ihrer Heimath gratis zu transportiren. — Nach den neuen Bestimmungen über den Getränkehandel ist es verboten. Schankwirthschaften in der Nähe von nicht-christlichen Bethäusern, wie neben christlichen, zu eröffnen. — Mit dem neuen Jahre wird hier unter der Redaktion des früheren Redacteurs des Rossky Jewrei, Dr. Krater, ein tägliches Blatt in hebräischer Sprache. Namens Hajom am zu erscheinen anfangen, wohl das erste Beispiel in der Geschichte der hebräischen Journalistik. Rumänien. Bukarest, 8. Dez. Das leitende Blatt der Regierungspartei warnt energisch vor Fortsetzung jener Agitationen, welche die Lage der rumänischen Jndenschaft zum Gegenstand internationaler Verhandlungen machen wollen. Das Blatt betont, daß die Zunahme der israelitischen Bevölkerung der Stadt seit 1870 um 28,667 Seelen, gegenüber der Abnahme der rumänisch-orthodoxen Stadtbevölkerung um 30,338 Seelen — der beste Gegenbeweis gegen die angebliche Bedrückung der rumänischen Juden sei. Bukarest, 9. Dez. Ueber obige Mittheilung schreibt ein Corresp. der „Franks. Ztg." Folgendes: Die „ Vointa national»" hat in gestriger Nummer einen Artikel über die Stellung der Juden in Rumänien veröffentlicht, von welchem man nicht recht weiß, ob er als eine nachträgliche Motivirung der jüngsten Ausweisungen oder aber als eine Vorbereitung für weitere Ausweisungen solcher Israeliten aufgefaßt werden soll, welche die rumänische Judenfrage in der ausländischen Presse zur Sprache bringen, oder aber die bürgerliche Gleichstellung aller Juden Rumäniens mit Hilfe des Auslandes erzwingen wolle. Der betreffende sagt nämlich, daß seit Beginn der Wirren auf der Balkanhalbinsel eine lebhafte Agitation unter den hiesigen Israeliten unterhalten worden sei, um die Judenfrage auf die Tagesordnung der zur Lösung der Balkanfrage in Aussicht genommenen Konferenz zu setzen. Zu diesem Zwecke habe man einzelne Vorfälle, welche weder der Regierung, noch dem Volke in seiner Gesammtheit zur Last fallen, dem Auslande gegenüber als die Konsequenzen einer allgemeinen Judenverfolgung geschildert. Vor einer Fortsetzung dieser Agitation mit aller Entschiedenheit warnend, erklärt „Vointa national«", daß Rumänien jenen Verpflichtungen vollinhaltlich nachgekommen sei, welche es den Garantiemächten des Berliner Vertrages gegenüber in Sachen der Judenemancipation übernommen habe, und das Blatt macht gegenüber der Klage wegen der angeblichen Existenzschwierigkeiten der rumänischen Israeliten darauf aufmerksam, daß seit 1870 die jüdische Bevölkerung der Städte Rumäniens sich in beständiger Zunahme befinde und um mehr als 28,000 Seelen sich vermehrt habe, während die orthodox-rumänische Bevölkerung der Stadtgemeinden im Lande um 30.000 Seelen gesunken sei. Schließlich erklärt der Artikel, daß von Seite Rumäniens der vollständigen Assimilirung der Israeliten und deren völliger Aufnahme in die rumänische Nation kein Hinderniß bereitet werden wird, sobald nur erst die Juden in Sprache und Sitten Rumänen geworden sind und als solche unter Bcrzichtleistung auf eine internationale Stellung ihre rumänische Nationalität vor den israelitischen Volkscharakter stellen. (Diese Ausführungen des rumänischen Regierungsblattes stimmen aber mit der Haltung der Kammern nicht überein. Red. der Frft. Ztg.) Wir fügen dem hinzu, daß in Obigem doch nur seitens der rumänischen Regierung eine Täuschung der öffentlichen Meinung in Europa bezweckt wird. Warum unterdrückt sonst die rumänische Regierung die jüdischen Schulen, in welchen der Unterricht im Rumänischen eifrigst betrieben wurde? Warum läßt sie die Naturalisation der, der rumänischen Sprache völlig mächtigen studirten Juden nicht zu? Redakt. d. A. Z. d. I.) Großbritannien. London, 18. Dez. Die nunmehr geschlossenen Wahlen haben sieben Juden ins Parlament gebracht, während im letzten Unterhause nur fünf saßen. Nur in der Legislaturperiode 1868 bis 74 waren deren acht. Die Namen der Gewählten sind: Arthur Cohen (liberal), Southwark; Sir Julian Goldsmid (liberal), St. Pancras; Samuel Montag»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.