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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-01-01 · Heft 1 (1.1.1886) · p. Seite 7

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 1 (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 Moment mit Stillschweigen hinwegzuschleichen, namentlich vor einer solchen Versammlung. Gerade dadurch aber wurde so recht hervorgehoben, wie in der gegenwärtigen Culturepoche die Confession kein trennendes Moment mehr sein dürfe, wo es sich um die gesellschaftlichen, staatlichen und städtischen Interessen handelt, und daß, wenn die Religion die Pflichten auf diesen Gebieten zu erfüllen, als eine heilige Aufgabe jedes Individuums erklärt, sie auch nicht zum Vorwände von Hintansetzungen und Beschränkungen gemißbraucht werden dürfe. Das Judenthum hat diese Erklärung schon durch den Mund des Propheten Jeremias (Cap. 29.) und durch den anerkannten talmudischen Grundsatz Dina demalchutah Dina (Baba kama 113,1.) abgegeben und kann deshalb auch die nothwendige Folgerung verlangen. — Der bisherige Stadtverordnete Pickenbach ist bei der Stichwahl in der Minorität geblieben. Hiermit ist er aus der Stadtverordnetenversammlung verschwunden. Auch ein Stückchen Bankerutt des Antisemitismus. — Der als Stadtverordneter durchgefallene Pickenbach hat sein Abtreten von der Scene mit großem Effekte vollbracht: Im Centralverein der Conservativen hat Herr Pickenbach am Dienstag folgende Mittheilungen gemacht: Ein Verlangen habe er bei der Zusammensetzung der Stadtverordneten-Versammlung eigentlich nicht besonders gehabt, wiedergewählt zu werden, da er dadurch in seiner Agitationsthätigkeit durch gewisse Rücksichten gehemmt gewesen sei. Jetzt sei er im Stande, als „reiner Antisemit" für die Verbreitung des Antisemitismus zu wirken und die Rücksichten, die er bisher gegen sogenannte College» habe nehmen müssen, außer Acht zu lassen. Es werde jetzt die Veröffentlichung des Massenmaterials, welches ihm als Vorsitzenden des D. A. B. gegen Juden und Judengenossen zur Verfügung gestellt sei, erfolgen. Dazu sei er durch das Verhalten seiner Gegner gezwungen, welches es nöthig mache, dem Publikum die Augen durch erkennbarere Gründe als „nur sachliche" zu öffnen. Es müsse kräftiger als bisher für das Kaiserliche Deutschthum gekämpft werden. — Man kann sich denken, welch' ein Schreck alle Kreise „der Juden und Judengenossen" (das ist doch die Mehrheit, die den furchtbaren Pickenbach nun schon so oft hat durchfallen lassen —) ergriffen hat. Ein Pickenbach rückt mit seinem Dossier heran! als ob der Mann im Wahlkampfe selbst irgend etwas Compromittirendes seinen Gegnern erspart hätte! Nun, selbst auf die Gefahr des Wiedersehns hin! — Die Deutsch - Freisinnigen haben einen Antrag eingebracht, in welchem die Ausweisungen mit sehr starken Ausdrücken bezeichnet werden. — — Nachdem für die Polen jede Hoffnung geschwunden ist, die Ausweisungsinterpellation auf die Tagesordnung zu 4 bringen, hat der Abg. v. Jazdzewski folgenden selbständigen Antrag eingebracht: „Der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, in Ausführung des Artikels IV, No. 1 der Reichsverfassung, einen Gesetzentwurf baldigst vorzulegen, in welchem 1) fremden Unterthanen, sofern sie die öffentliche Ordnung und Sicherheit nicht gefährden, der freie und ungehinderte Aufenthalt innerhalb des Reichsgebietes gewährleistet, und in welchem 2) den Stipulationen der Wiener Verträge, welche den Bewohnern der ehemals polnischen Landestheile innerhalb des preußischen Staatsgebietes Freiheit des Verkehrs und Aufenthalts garantiren, gebührend Rechnung getragen wird." Breslau, 14. Dez. Zu den Ausweisungen wird der „Bresl. Ztg." aus dem Städtchen Kempen geschrieben: „Bon den hier ausgewiesenen russischen Staatsangehörigen, deren Kempen 47 Familien mit einer Kopfzahl von 240 aufzuweisen hatte, haben bereits 17 mit ihren Frauen und Kindern und 5 Familienvätern, die Familie zurücklassend, Preußen verlassen. Die übrigen 25 Familien haben Aufschub der Ausweisung erfleht und erhalten; 23 bis zum 1. Januar und 2 bis 1. März 1886. Es liegen jedoch noch einige weitere Gesuche um Aufschub vor, denen hoffentlich stattgegeben werden wird. Die meisten Ausgewiesenen haben ihr Eigenthum verkauft und sehen mit dumpfer Resignation ihrem Schicksal entgegen. Eine kleine Zahl der Ausgewiesenen hat ihr Vaterland wieder aufgesucht, nur 4 machten sich dort wieder ansässig, von den andern zogen 1 nach Holland, 1 nach Frankreich, 2 nach Anhalt und 9 nach England und Amerika. Ihrer Religion Nüch waren 4 Familien katholischen und 43 mosaischen Glaubens." Posen, 11. Dez. Die „Pos. Ztg." schreibt: Aus Bromberg sind bisher 110 Personen ausgewiesen worden; von diesen hat bis jetzt bereits der vierte Theil die preußischen Lande verlassen und sich nach dem Königreich Polen, Galizien rc. begeben. — Auf Vorstellung des Generalgouverneurs in Warschau haben neuerdings alle Eisenbahnverwaltungen sich dazu bereit erklärt, den aus Deutschland ausgewiesenen mittellosen russichen Unterthanen nebst ihrem Gepäck rc. freie Fahrt bis zu ihrem Heimathsort zu gewähren. Aus Schlesien, 17. Dezember, wird uns geschrieben: Wie aus Kattowitz gemeldet wird, sollen die mit AuSweisungsordre zum 1. Dezember versehenen russischen und österreichischen Staatsangehörigen, überwiegend jüdische Handwerker, jetzt zwangsweise an die Grenze geschafft werden. Es sind darunter eine ganze Anzahl von Familienvätern mit kleinen Kindern. AuS Ostpreußen, 20. Dezember. Aus Eydtkuhnen wird berichtet: Die Ausweisungen nehmen hier ihren Fortgang. In letzter Zeit haben wieder mehrere, darunter geachtete Kaufleute, welche hier seit vielen Jahren auf Grund

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