Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 50 (1886)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1886)
- Date
- 1886-01-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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5 Stelle unter denen, welche ihn einst mit Stolz zu den Ihren gezählt hatten. Zur Feier des herannahenden hundertjährigen Todestages Moses Mendelssohn's haben deutsche Männer sich vereinigt, diesem „Vorkämpfer der Blüthentage deutschen Geisteslebens" in seiner Geburtsstadt Dessau ein Denkmal zu errichten. Hoffentlich wird diesmal der Gedanke auch zur That werden. Die Nation trägt eine Ehrenschuld ab, wenn sie das Bild Moses Mendelssohn's, eines der wirksamsten deutschen Männer im 18. Jahrhundert, in den Kreis der deutschen Geisteshelden stellt als Muster „ hochstrebender Idealität und Willensstärken Gesinnungsadels." vr. Kaysekling. In einem andern Sinne äußert sich folgende uns zugekommene Correspondenz: Oppeln, 14. Dezember. „Eines schickt sich nicht für Alle". „Tugendhaften Männern setzt man kein Denkmal, ihre Werke sind ihre Denkmäler." An diesen Ausspruch eines Weisen vor 2000 Jahren erinnerte ich mich, als ich heute den Aufruf las, dem Verfasser des Phädon, Jerusalem re. rc., M. Mendelssohn, zu seinem hundertjährigen Sterbetage in seiner Geburtsstadt Dessau ein Monument zu errichten. M., der nicht als Kriegsheld, nicht als Diplomat, sondern als bescheidener, anspruchsloser Weiser nur durch das sanfte Wort der Belehrung auf die Menschheit zu wirken suchte, würde, seinem ganzen Naturell und Streben gemäß, gegen die intendirte Huldigung entschiedenen Widerspruch erheben. Aber seine Schriften, die sich leider nur in wenigen, seine sämmtlichen Werke vollends, die sich nur in verschwindend wenigen Kreisen befinden — nur die Pentateuch - und Psalmenübersetzung sind in jüdischen Familienkreisen zahlreich verbreitet — sollten in einer billigen Volksausgabe in zahlreichen Exemplaren der großen Menge leicht zugänglich gemacht werden. Dies wäre ein des Verewigten und all seiner Verehrer würdiges Denkmal. Humanitäre Redaktionen werden höflichst ersucht, diesen frommen Wunsch in ihren Blättern veröffentlichen zu wollen. vr. Wiener. Nachschrift der Redaction. Wir theilen die Ansicht des gesch. Corresp. und haben dieselbe z. B. nach dem Tode des unvergeßlichen Gabriel Rießer mit Erfolg geltend gemacht. Andere meinen, das Eine schlösse das Andere nicht aus. Redaction. Bonn, 17. Dez. 1885. Die Ausweisungen. IV.') Es scheint, als ob dieses Kapitel noch lange nicht von der Tagesordnung verschwinden wird. Denn so wie immer neue Berichte über die Fortdauer dieser Maßregel, die so viele Individuen und Familien aufs Härteste betrifft, einlaufen: beschäftigen sich die politischen und publizistischen Kreise immer von Neuem damit. Die bekannte Interpellation wird im Reichstage wohl nicht wieder zur Sprache kommen; dagegen haben die sozialdemokratischen Abgeordneten einen bezüglichen Antrag eingebracht und es frägt sich nur, ob und wann derselbe zur Verhandlung kommen werde. Neuerdings hat die „Kölni Ztg." (Nr.341) einen Leitartikel vom 9. Dezember gebracht, der die Ueberschrift führt „Deutschland für die Deutschen" und mit dem Losungswort endet: „Deutschland soll den Deutschen gehören." Niemand wird gegen diese Sätze etwas einzuwenden haben, nur daß sie eben in der Angelegenheit, welche der Artikel bespricht, garnichts bedeuten. Daß auch Ausländern in Deutschland zu verweilen und darin zu leben, gestattet sein soll, giebt die K. Z. selbst zu, gerade wie zahllose Deutsche in anderen Ländern verweilen und leben. Haben die europäischen Mächte doch das abgeschlossene China mit Waffengewalt gezwungen, auch Ausländern den Eingang in das „Reich der Mitte" zu verstatten, so wie daselbst zu wohnen und — sich zu bereichern. Niemand wird meinen, daß auf diesem Wege Deutschland aufhören werde, den Deutschen zu gehören. Rühmt man doch mit Recht den großen Kurfürsten, daß er den verjagten Hugenotten, Friedrich Wilhelm III., daß er den verjagten Zillerthalern eine Zufluchtsstätte in seinem Staate bewilligt habe. Hätten diese Fürsten dies nur gethan, weil sie sich von den Flüchtlingen Nutzen versprachen, so wäre nichts Rühmenswerthes daran. Aber jedenfalls haben sie bewiesen, daß sie nicht geglaubt, ihren eigenen Landeskindern und ihrem Deutschthum Schaden zuzufügen, wenn sie Tausenden von Fremdlingen den Schutz ihres Szepters angedeihen ließen. Andrerseits hat Deutschland Landstriche annectirt, welche von fremden Nationalitäten bewohnt waren, also nicht den Deutschen gehörten, und das Deutsche Reich reicht also nach dieser Richtung hin über die.Deutsche Nation hinaus. Man kann also nicht behaupten, daß Deutschland allein den Deutschen gehören solle, da es auch Nichtdeutsche in seine Grenze hinein gezogen hat. Wenn nun die K. Z. die Ausweisungen mit diesem seinem „Losungsworte" vertheidigt und dem Polenthum keinen Zuzug und zugleich dem polnischen Katholizismus kein Wachsthum gestatten will, so hat sie, selbst in ihrer Einseitigkeit und Engherzigkeit, ganz nebenbei und fehl geschlagen. Denn hiermit wäre höchstens *) S. 1885. Nr. 39. 40. 48.