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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1886-01-01 · Heft 1 (1.1.1886) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
50 (1886)
Issue
Heft 1 (1.1.1886)
Date
1886-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 stattung dieses Nachdrucks ist noch viel schlechter als die der Oefner. Besser ausgestattet, aber nicht vollständiger und voll Druckfehler, ist die 1841 in Wien besorgte Ausgabe, welche sich als National-Denkmal ankündigte und deren Titel ist: Moses Mendelssohn's sämmtliche Werke. Ausgabe in Einem Bande als National-Denkmal. Mit dem in Kupfer gestochenen Bildnisse des großen Weltweisen. Mich. Schmidt's sel. Erben und Jgn. Klang 1838. Diese Ausgabe, welche einen stattlichen Band bildet und namentlich von den Verehrern Mendelssohn's in dem österreichischen Kaiserstaate gekauft wurde, enthält auch nur die bekannten Schriften: Phädon, Morgenstunden, Jerusalem, Philosophische Schriften, kleinere philos. ästhetische und vermischte Schriften, Ritualgesetze der Juden, Psalmen, Hohelied, Briefe (sehr unvollständig) u. a. Zu Anfang des Jahres 1840 regte Brockhaus in Leipzig beiFelixMendelssohn-Bartholdy,dem berühmten Enkel Moses', eine ordentliche Gesammtausgabe der Schriften des Großvaters an. Hören wir, was Felix in einem Briefe an seinen Onkel Josef, den ältesten Sohn des Philosophen, am 20. Februar 1840 darüber schreibt: „Die erste Veranlassung meines heutigen Briefes ist Brockhaus, der mich vorige Woche fragte, warum nicht eine ordentliche Gesammtausgabe der Werke des Großvaters erschienen, da die Wiener Ausgabe erstlich nur ein Nachdruck, in einem Bande voll Druckfehler, und dann auch, wie er meinte, nicht ordentlich zusammengestellt sei, und in Hinsicht der Correspondenz und namentlich der angehängten Lebensbeschreibung sehr viel zu wünschen übrig lasse. Er meinte, es werde nicht schwer sein, sich mit den rechtmäßigen Verlegern der einzelnen Werke darüber zu verständigen. Da ich nun die näheren Verhältnisse gar nicht kenne, so sagte ich ihm, ich würde Dir darüber schreiben und ihm seiner Zeit Deine Antwort mittheilen. Jedenfalls wird es Dich freuen, aus seiner Anfrage den lebhaften und gesteigerten Antheil zu ersehen, den die Menschen jetzt an den Werken des Großvaters nehmen; und wenn eine ordentliche schöne Ausgabe davon, in mehreren Bänden, etwa (wie Brockhaus hinwarf) von Lachmann herausgegeben, vor Allem aber recht genau und echt zu Stande käme, so wäre es wohl für uns Alle ein Vergnügen. Wenn du auch so denkst, so sagst Du mir wohl bald Deine Meinung, und ich habe noch öfter Gelegenheit, Dir darüber zu schreiben." Die Unterhandlungen, welche Joseph bezw. die Familie Mendelssohn mit Brockhaus anknüpften, führten zum erwünschten Ziele. Der Bonner Professor G. B. Mendelssohn, der Sohn von Joseph, besorgte mit Hülfe von H. Jolowicz u. a. die Herausgabe und so erschienen Moses Mendelssohn's gesammelte Schriften. Nach den Originaldrucken und Handschriften herausgegeben von Prof, vr. G. B. Mendelssohn. In sieben (acht) Bänden. Leipzig, Fr. A. Brockhaus 1843—1845. Diese erste vollständige Ausgabe, welche mit dem Bildnisse Moses Mendelsohn's nach dem Originalbilde von Frisch geschmückt, außer einer kurzen Lebensgeschichte von Moses Mendelssohn von dem Herausgeber eine treffliche Einleitung zu Moses Mendelssohn's philosophischen Schriften von Prof. Ch. A. Brandis enthält, ist ein schönes, dem Philosophen errichtetes Denkmal, dauernder als das von Stein und Erz, das seiner Familie zum Verdienste und der Verlagsbuchhandlung zur Ehre gereicht. Was in dieser vorzüglichen Ausgabe fehlt, und was in den vierzig Jahren seit dem Erscheinen derselben an Briefen von und an Mendelssohn noch aufgefunden wurde, habe ich theils im Anhang zu der von mir erschienenen Biographie Moses Mendelssohn. Sein Leben und seine Werke. Leipzig, H. Mendelssohn 1862, theils in den Schriften: Zum Siegesfeste. Dankpredigt und Danklieder von Moses Mendelssohn. Eine Reliquie. Berlin, L. Gerschel 1866. Moses Mendelssohn. Ungedrucktes und Unbekanntes von ihm und über ihn. Leipzig, F. A. Brockhaus 1883 veröffentlicht. Keinem dringenden Bedürffnisse entsprang die 1880 erschienene Ausgabe von Moses Mendelssohn's Schriften zur Philosophie, Aesthetik und Apologetik. Mit Einleitungen, Anmerkungen und einer biographisch-historischen Charakteristik Moses Mendelssohn's von vr. Moritz Brasch. 2 Bände Leipzig, L. Voß, 1880. Schon wenige Monate nach dem Erscheinen mußte sie um die Hälfte des Ladenpreises herabgesetzt werden. Die Idee, Moses Mendelssohn ein Denkmal aus Stein oder Erz zu setzen, wurde bereits vor hundert Jahren zum ersten Male angeregt. Bald nach seinem Tode bildete sich ein Comitö, das mit dem Plane umging, ihm auf den Opernplatz in Berlin ein Denkmal zu errichten. Zu diesem Zwecke wurde Dienstag, den 23. Mai 1786 eine Gedächtnißfeier veranstaltet, für welche Ramler sein „Sulamith und Eusebia" dichtete und der junge Wessely, Mendelssohn's Schüler, die Musik komponirte. Die Errichtung des Denkmals scheiterte an verschiedenen Hindernissen. Als das Friedrichs-Denkmal zu Berlin errichtet wurde, erwartete man, daß neben Kant, Lessing und den anderen hervorragenden Denkern und Dichtern, welche dem Zeitalter des großen Königs sein geistiges Gepräge gaben, auch Moses Mendelssohn, dem treuesten Freund und Strebensgenossen Lessing's, dem Verbreiter deutscher Philosophie, dem Beförderer der Cultur unter den deutschen Juden, ein Platz würde eingeräumt werden. Der an dem Entwürfe des Monuments eifrig thätige Kriegsminister v. Boyen wünschte ihn allerdings unter den Relief-Figuren, das Borurtheil aber verweigerte ihm eine

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